Datum12.07.2026 12:25
Quellewww.zeit.de
TLDRDFB-Landesverbände zeigen sich skeptisch bezüglich Jürgen Klopps möglicher Verpflichtung als Bundestrainer. Hauptkritikpunkt ist die geplante Fortsetzung seiner Rolle als Markenbotschafter für Red Bull, was Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit des zukünftigen Teamchefs aufwirft. Kritiker sehen eine Interessenkollision, da Red Bull zahlreiche Fußballclubs sponsert und für teilweise gefährliche Aktionen wirbt. Hohe Gehaltsforderungen stoßen an der Basis ebenfalls auf Unverständnis.
InhaltJürgen Klopp soll auch als Bundestrainer Markenbotschafter von Red Bull bleiben. Mehrere Landesverbände fürchten um die Unabhängigkeit des künftigen Teamchefs. Mehrere Landesverbände des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zeigen sich kurz vor der erwarteten Verpflichtung von Jürgen Klopp als Bundestrainer skeptisch über die Konditionen der Entscheidung. Konkret geht es dabei um die mutmaßliche Vereinbarung, dass Klopp auch als Trainer der Nationalmannschaft weiter Markenbotschafter des Red-Bull-Konzerns bleiben soll. Wie die Nachrichtenagentur SID unter Verweis auf Vertreter der DFB-Landesverbände berichtet, herrscht an der Basis große Skepsis gegenüber diesem Modell. Berichten zufolge stehen Klopp und der DFB kurz vor dem Abschluss des Vertrags, der dem ehemaligen Dortmund- und Liverpool-Trainer demnach sieben Millionen Euro pro Jahr einbringen und bis zur WM 2030 laufen soll. Weil Klopp als Head of Global Soccer bei Red Bull bis 2029 unter Vertrag steht, müsste der DFB eine millionenschwere Ablösezahlung an den Konzern leisten, um den Trainer aus dessen Vertrag mit Red Bull herauszulösen. Die Doppelrolle als Bundestrainer und Markenbotschafter für Red Bull soll das verhindern. Der österreichische Getränkehersteller sponsert weltweit mehrere Fußballclubs, darunter den RB Leipzig in der Bundesliga, den FC Red Bull Salzburg, die New York Red Bulls und mehrere weitere Clubs. Das Unternehmen steht für seinen Einfluss auf zahlreiche Sportarten weltweit in der Kritik, unter anderem auch, weil es Sportlerinnen und Sportler zu gefährlichen Stunts animiert, um Aufmerksamkeit zu schaffen. Regelmäßig kommt es dabei zu schweren, teils tödlichen Unfällen. Uwe Döring, der Präsident des Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verbandes (SHFV), zeigte sich irritiert über die Geldsummen, um die es bei den Verhandlungen zwischen Klopp und dem DFB geht. "Als Fußballfan und Mitglied des FC St. Pauli habe ich Klopps Engagement bei Red Bull nie verstanden, Geld kann es ja eigentlich nicht mehr sein", sagte Döring. "Aber vielleicht liege ich da auch falsch, dieser ganze Irrsinn bei Trainergehältern und Abfindungen, die auch bei Nichtleistung gezahlt werden, stößt mich nur noch ab." Der norddeutsche Fußballfunktionär warnte davor, Fans zu verprellen: "Hoffentlich wird die Schraube nicht überdreht, es wenden sich jetzt schon viele ab." Auch für mehrere andere Landesverbände sind die Millionenabfindungen für den zurückgetretenen Trainer Julian Nagelsmann und Klopps künftiges mutmaßliches Jahresgehalt von sieben Millionen Euro ein Ärgernis. Derartige Summen seien an der Basis "schwer zu vermitteln", zitiert die SID einen nicht namentlich genannten Funktionär. Andere Vertreter der Landesverbände zeigten sich demnach verständnisvoller: Klopp sei der "geeignete Mann", es gebe keine wirkliche Alternative. Thomas Kessen, Sprecher des Fanverbands Unsere Kurve, sah in der fortgesetzten Werbetätigkeit Klopps einen "Kniefall vor dem Kapital". Zweifel an Klopps Unabhängigkeit hatte zuletzt auch der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger angemeldet. Die Doppelbeschäftigung beim DFB und bei Red Bull sei ein "völliges No-Go", sagte Zwanziger der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS). "Stellen Sie sich das doch mal eine Minute vor, dann stellt Red Bull demnächst die deutsche Nationalmannschaft auf." Zwanziger rief Klopp dazu auf, sich für einen der Posten zu entscheiden. "Der Bundestrainer kann nicht zwei Hüte tragen", sagte der langjährige Funktionär. Der bisherige Bundestrainer Julian Nagelsmann ist nach dem Aus der Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale der WM gegen Paraguay zurückgetreten. Sportdirektor Rudi Völler soll sein Amt hingegen behalten.