Schließung Geburtsstation: Längerer Weg in den Kreißsaal: Hebammenverband sieht Risiken

Datum12.07.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Schließung von Geburtsstationen in Brandenburg birgt laut Hebammenverband Gesundheitsrisiken. Längere Anfahrtswege können zu ungeplanten Außerklinischen Geburten führen. Potsdam verliert seine Geburtsstation am St. Josefs-Krankenhaus, was Proteste auslöst. Der Verband warnt vor zu frühen Aufnahmen in Kreißsälen, die zu unnötigen Interventionen führen und die Belastung verbleibender Kliniken erhöhen. Emotionale Bindungen an Geburtsorte werden ignoriert.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Schließung Geburtsstation“. Lesen Sie jetzt „Längerer Weg in den Kreißsaal: Hebammenverband sieht Risiken“. Die Schließung von Geburtsstationen in Brandenburg kann nach Ansicht des Hebammenverbandes auch mögliche Gesundheitsrisiken für Schwangere mit sich bringen. Die Ausdünnung der Krankenhauslandschaft führe zu längeren Anfahrtswegen und einem erhöhten Risiko für ungeplante Geburten außerhalb von Kliniken, sagte die zweite Vorsitzende des Verbandes, Antje Schulz, der Deutschen Presse-Agentur.  In Potsdam schließt das St. Josefs-Krankenhaus zum 1. August als Folge der bundesweiten Krankenhausreform die Geburtshilfe. Die Ankündigung löste Protest aus. Krankenhäuser in Ludwigsfelde, Strausberg und Forst haben ihre Kreißsäle bereits geschlossen. Das Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam betonte, dass die Geburtshilfe in Potsdam verlässlich sichergestellt sei. "Unser gesamtes Team bereitet sich intensiv auf die kommenden Veränderungen vor", hieß es in einer Mitteilung. "Personelle und räumliche Voraussetzungen" werden demnach geschaffen. Auf weitere Fragen, etwa ob Personal aufgestockt wird, antwortete das Unternehmen bislang nicht. Aus Sicht des Hebammenverbandes kann es künftig sein, dass Frauen zu früh in den Kreißsaal kommen und dies einen natürlichen Geburtsprozess beeinflusst. "Unter Umständen suchen die Familien aus Sorge, es nicht rechtzeitig zu schaffen, viel zu früh die Geburtsklinik auf und trauen sich auch nicht nochmal nach Hause. Nachweislich erhöht eine zu frühe Aufnahme in den Kreißsaal aber die Interventionskaskade", sagte Hebamme Schulz. Damit ist gemeint, dass ein medizinischer Eingriff in eine Geburt häufig weitere Folgeeingriffe nötig machen kann. Zudem steige die Belastung der verbleibenden Kliniken, wenn innerhalb kurzer Frist deutlich mehr Gebärende betreut werden müssten, sagte die zweite Vorsitzende des Verbandes. "Hebammen in den verbleibenden Kliniken werden ad hoc den Mehraufwand auffangen und die Geschäftsführung gegebenenfalls langwierig von zusätzlichem Personalbedarf überzeugen müssen."  Schulz zufolge ist ein Kreißsaal für Hebammen auch nicht nur ein Arbeitsplatz, der verloren geht, sondern wie eine zweite Familie. Aber recht schnell müsse die Hebamme klären, "wie sie wo zukünftig ihr Geld verdienen kann" und ob etwa der Weg zur nächstgelegenen Klinik machbar sei. Die emotionalen Faktoren bei der Wahl des Kreißsaals beschreibt die Hebamme so: "Hier bin ich geboren. Das ist meine Heimat. Hier komme ich her. Das steht in meiner Geburtsurkunde." Dieses absolut menschliche Bedürfnis nach Identität finde beim Abbau von Versorgungsnetzwerken wenig Berücksichtigung, so Schulz. "Und kaum eine Entscheidung überlegen sich Menschen so gut wie die, wo und wie ihr Kind geboren werden soll." © dpa-infocom, dpa:260712-930-371673/1