Datum11.07.2026 16:55
Quellewww.spiegel.de
TLDRNach dem Rückzug von Kai Wegner als CDU-Spitzenkandidat bleiben Unklarheiten über ein Telefonat mit Bundeskanzler Olaf Scholz während des Berliner Stromausfalls. Die Senatskanzlei Berlin bestätigt ein Gespräch am 4. Januar, während das Kanzleramt laut "Tagesspiegel" kein persönliches oder telefonisches Gespräch im Januar feststellen kann. Diese widersprüchlichen Angaben trugen zur Kritik an Wegner bei.
InhaltAuch nach dem Rücktritt von Berlins Regierendem Bürgermeister Wegner als CDU-Spitzenkandidat läuft die Diskussion weiter. Es geht um die Frage, ob und wann er während des tagelangen Stromausfalls mit Kanzler Merz in Kontakt war. Es ist ein Aussagen-Wirrwarr, durch das man kaum noch durchblickt: Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hat nach Angaben der Senatskanzlei zu Beginn des mehrtägigen Stromausfalls in der Hauptstadt Anfang des Jahres ein Telefongespräch mit Bundeskanzler Friedrich Merz (beide CDU) geführt. "Erstens stand der Regierende Bürgermeister bereits am 3. Januar mit dem Bundeskanzleramt im Austausch. Zweitens hat der Regierende Bürgermeister am 4. Januar mit dem Bundeskanzler telefoniert", teilte die Senatskanzlei auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit. Der "Tagesspiegel" hatte hingegen am Freitag Gegensätzliches berichtet. Die Zeitung zitiert ein Schreiben aus dem Kanzleramt, in dem es heißt, in dem Verfahren "wird mitgeteilt, dass, soweit feststellbar, der Bundeskanzler während der Dauer des fragegegenständlichen Stromausfalls in Berlin im Januar 2026 kein persönliches Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin Wegner geführt hat, weder in Anwesenheit persönlich noch telefonisch". Ein Regierungssprecher bestätigte auf dpa-Anfrage diese Informationen aus einem Schriftsatz des Bundeskanzleramts an das Verwaltungsgericht Berlin. Der "Tagesspiegel" hatte dort nach eigenen Angaben Ende Juni einen Eilantrag auf Grundlage des presserechtlichen Auskunftsanspruchs eingereicht, nachdem das Kanzleramt über Wochen keine näheren Informationen zu entsprechenden Telefonaten geliefert habe. Unter anderem wegen widersprüchlicher Angaben dazu, mit wem er zu Beginn des Blackouts telefoniert hat, stand Wegner monatelang in der Kritik. Am Freitagnachmittag erklärte er bei einer überraschend angekündigten Pressekonferenz seinen Rückzug als Spitzenkandidat der CDU bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September. Als Regierender Bürgermeister will Wegner im Amt bleiben, bis ein Nachfolger im Landesparlament gewählt ist. Wegner hatte in der Sendung RBB-"Abendschau" am 5. Januar gesagt: "Gestern habe ich einmal mehr mit dem Bundeskanzler auch gesprochen." Die Senatskanzlei bleibe dabei, dass es dieses Telefonat gegeben habe, sagte ein Sprecher, erklärte aber nicht, wie der Widerspruch zu den Angaben des Kanzleramts aufzulösen sei. Erst am Dienstag hatte der "Tagesspiegel" eine Antwort der Senatskanzlei auf eine Anfrage veröffentlicht, nach der Wegner anders als zunächst behauptet am Vormittag des 3. Januar noch keine dienstlichen Telefonate zum Stromausfall geführt hat. Im Interview mit Welt TV hatte Wegner am 7. Januar gesagt: "Ich habe in der Tat um 8.08 Uhr begonnen, die Telefonate zu führen. Ich habe mit den Krisenstäben telefoniert, mit Stromnetz." Mitte Mai hatte eine Sprecherin der Bundesregierung frühere Angaben korrigiert und mitgeteilt, Wegner und Merz hätten am 3. Januar nicht miteinander telefoniert. Am 17. März hatte ein Sprecher der Bundesregierung dazu zunächst geantwortet, es habe an dem Tag mehrere Gespräche Wegners mit Merz und Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) gegeben.