Datum11.07.2026 14:19
Quellewww.zeit.de
TLDRDer VW-Betriebsrat wirft Konzernchef Oliver Blume mangelnde Kommunikation vor und beklagt einen Vertrauensverlust in der Belegschaft. Details über drohende Werksschließungen in Deutschland und massiven Stellenabbau seien dem Management bekannt, den Mitarbeitern jedoch vorenthalten worden. Nach einem abgelehnten Sparpaket, das bis zu 120.000 Stellen weltweit gefährden könnte, sind vier deutsche Werke von Schließung bedroht. Der Betriebsrat fordert Antworten von Blume in Betriebsversammlungen.
InhaltDie Stimmung in der Volkswagen-Belegschaft ist schlecht. VW-Chef Oliver Blume macht der Betriebsrat Vorwürfe wegen fehlender Kommunikation. Es gab erste Proteste. Der Betriebsrat bei Volkswagen sieht nach dem Verstreichen eines Ultimatums an die Konzernspitze einen Vertrauensverlust in der Belegschaft. Man habe registrieren müssen, dass VW-Konzernchef Oliver Blume das Management über Details zum wahrscheinlichen Aus für deutsche Fabriken als auch zu einem deutlich ausgeweiteten Stellenabbauziel informiert habe. "Wir verurteilen scharf, dass er gleichzeitig den zehntausenden betroffenen Beschäftigten außerhalb des Managements diese Informationen weiterhin vorenthält", teilte der Betriebsrat mit. Der Betriebsrat hatte Blume ein Ultimatum bis vergangenen Freitag gestellt, um Stellung gegenüber der Belegschaft zu beziehen. In der Konsequenz werde der Konzernchef nach der Sommerpause in Betriebsversammlungen direkt vor den Kolleginnen und Kollegen nicht nur im Stammwerk Rede und Antwort stehen müssen. "Dabei wird das Hauptaugenmerk der Belegschaft darauf liegen, ob der Vorstand diese Krise mit notwendigen Maßnahmen überhaupt gemeinsam mit den Beschäftigten meistern will oder gegen sie", teilte der Betriebsrat mit. Schon vergangenen Donnerstag hatte es zahlreiche Protestaktionen gegeben. Was konkret im nach einem Bericht zuletzt vom Aufsichtsrat abgelehnten Sparpaket steht, ist bisher nur aus Medienberichten bekannt. Laut Manager Magazin könnten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Laut Bild könnten es sogar 120.000 sein. Zudem sind vier Werke des VW-Konzerns in Deutschland sogar von Schließung bedroht: Hannover, Emden, Zwickau und das Audi-Werk in Neckarsulm. Die Süddeutsche Zeitung berichtete unter Berufung auf Konzernkreise, dass die Vertreter der Arbeitnehmer und des Landes Niedersachsen gegen das Paket stimmten. Da derzeit ein Sitz der Kapitalseite unbesetzt ist, haben Arbeitnehmer und Niedersachsen zusammen eine Mehrheit von zwölf zu sieben Stimmen im Aufsichtsrat. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hatte bereits im Vorfeld angekündigt, dass das Land keiner Entwicklung zustimmen werde, "die auf Werksschließungen als vermeintlich einfache Lösung setzt". VW äußerte sich nicht zu einzelnen Abstimmungen im Aufsichtsrat.