Datum11.07.2026 13:38
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Bundesregierung kürzt die Förderung für Wärmepumpen, aber die Kernförderung bleibt bestehen. Die Förderhöhe wird gesenkt und ein Klimageschwindigkeitsbonus entfällt, jedoch wird die Förderung sozial gestaffelt, mit höheren Boni für einkommensschwache Haushalte. Ein Hauptproblem ist die fehlende Vorabfinanzierung für viele Haushalte, da Banken oft keine bezahlbaren Ergänzungskredite anbieten. Anträge nach altem Recht bis zum 8. Juli können noch nach alten Konditionen berücksichtigt werden.
InhaltDie Bundesregierung kürzt die Zuschüsse für Wärmepumpen – aber nicht für alle. Was das für Sie bedeutet und was Sie tun können. Ein Überblick. Vor Monaten verkündete die schwarz-rote Bundesregierung, sie wolle das Habecksche Heizungsgesetz ändern. Die Förderung für Wärmepumpen aber, sei bis 2029 gesichert sie bleibe "wie sie ist", so Unions-Fraktionschef Jens Spahn im ARD-Morgenmagazin. Sein Kollege Matthias Miersch von der SPD: "Die Förderung für klimafreundliche Heizungen muss verlässlich bleiben, damit der Austausch zu klimafreundlichen Heizungen weiter angereizt wird." Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von "Finanztip" und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation GmbH. Der Geldratgeber ist Teil der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links, nach deren Anklicken "Finanztip" bei entsprechenden Vertragsabschlüssen des Kunden, etwa nach Nutzung eines Vergleichsrechners, Provisionen erhält. Mehr dazu hier .Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "taz". Dort war er jahrelang ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld. Verlässlich, nicht ganz, kann man nach dieser Woche festhalten. Wer sich allzu konkret auf diese Zusage verlassen hat, der ist verlassen. Die Förderung ist am Mittwoch kurzfristig ausgesetzt worden. Dabei haben die Änderungen, die jetzt bei der Heizungsförderung kommen sollen, durchaus etwas für sich . Der Reihe nach. Die Bundesregierung hat kurzfristig verfügt, dass es erstmal keine Förderung für die Wärmepumpen und andere klimafreundliche Heizungen nach bestehendem Recht mehr geben soll. Die alte Förderung sei zu Ende und eine neue soll am 21. Juli an den Start gehen. Bis dahin ist Sendepause, um mit Rudi Carrell zu sprechen. Schuld daran sei die KFW . Denn so lange brauche die bundeseigene Bank, um das neue Förderregime in ihren Antragsunterlagen und im Bewilligungsprozess abzubilden. Die maximal förderfähigen Kosten sinken künftig von 30.000 auf 28.000 Euro, der Klimageschwindigkeitsbonus wird von 20 auf 16 Prozent reduziert und der Effizienzbonus für Wärmepumpen entfällt ganz. Dadurch sinkt der Zuschuss von bisher bis zu 16.500 Euro auf 12.880 Euro. Beim Einkommensbonus gilt dagegen: Wer ihn bisher bekommen hat, bekommt ihn weiterhin, und für Haushalte mit einem zu versteuernden Einkommen bis 30.000 Euro fällt er künftig sogar höher aus. Zwischen 40.000 und 50.000 Euro gibt es erstmals überhaupt einen Einkommensbonus. Und wer sich jetzt Zeit lässt mit der neuen Förderung, verliert jedes Jahr mehr. Denn einige Förderbestandteile sinken alle sechs Monate weiter ab. Mein erster Gedanke: Das ist ja ein bisschen doof, warum schießt sich die Regierung hier kommunikativ wieder in den Fuß und dokumentiert im Detail ganz unnötig mangelnde Verlässlichkeit? Das hatten wir doch schon vor einigen Jahren in der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaftsministerium und KFW, als es um die Förderung klimaschonenden Bauens ging. Inhaltlich finde ich die Veränderungen nicht schlimm. Im Gegenteil, wenn die Förderung der Wärmepumpen stärker sozial gestaffelt wird, wenn Haushalte mit niedrigem Einkommen vielleicht sogar mehr Förderung bekommen und Haushalte mit mehr Einkommen entsprechend weniger, dann ist das nachvollziehbar. Im Detail: Alle sollen für ihre Heizung wie bisher mindestens 30 Prozent Zuschuss bekommen, allerdings nur noch bis zu einer Fördergrenze von 28.000 Euro statt bisher 30.000, macht 8400 Euro. Achtung: Wärmepumpen müssen dafür Europe-Made, also in Europa hergestellt sein. Sonst wird die Förderung um 15 Prozent gekürzt. Wer eine alte, aber noch funktionierende Gas- oder Ölheizung austauscht, bekommt außerdem den Klimageschwindigkeitsbonus von noch 16 Prozent zu Förderneustart. Dazu sollen die ärmsten Haushalte mit unter 30.000 Euro zu versteuerndem Haushaltseinkommen einen Einkommensbonus in Höhe von 40 Prozent bekommen. Wieder Achtung: Das zu versteuernde Jahreseinkommen ist nicht der Bruttolohn. Bei einer alleinstehenden Arbeitnehmerin oder einem alleinstehenden Arbeitnehmer entsprechen die 30.000 Euro zu versteuerndem Einkommen rund 39.000 Euro brutto Jahreslohn – in Steuerklasse 1, ohne Kinder und außergewöhnliche Abzüge. Wer eine andere Steuerklasse, hohe Werbungskosten oder Vorsorgeaufwendungen hat, kann sogar ein noch höheres Brutto haben. Ein Rentnerpaar, das bereits seit 2020 den Ruhestand genießt, würde mit einer gemeinsamen Brutto-Rente von rund 42.000 Euro unter diesen höchsten Einkommensbonus fallen. Bei 80 Prozent wird die Förderung gekappt. Dann kämen sie auf 22.400 Euro an Zuschüssen. Haushalte mit einem zu versteuernden Einkommen bis 40.000 Euro bekommen noch den alten Einkommensbonus von 30 Prozent, also dann insgesamt maximal 19.600 Euro für die neue Heizung zurück. Und zwischen 40.000 und 50.000 Euro zu versteuerndem Einkommen immerhin noch zehn Prozent Einkommensbonus und damit rund 15.700 Euro Förderung. Was auch neu ist: Bei mindestens einem Kind im Haus werden die Grenzen um 10.000 Euro angehoben. So bekommen Familien auch mit 40.000 Euro zu versteuerndem Einkommen den maximalen Einkommensbonus und mit 60.000 Euro sogar noch den kleinsten Einkommensbonus . Doch dann werde ich in Diskussionen verwickelt und bekomme sachdienliche Hinweise, warum das veränderte Fördermodell vielleicht gut gemeint, aber nicht gut gemacht ist. Die eigentliche Herausforderung für Haushalte mit wenig Geld sei nämlich nicht die Höhe der Förderung, sondern, dass sie erstmal in Vorleistung gehen müssen und dann erst später die Förderung bekommen. Die 25.000 oder 35.000 Euro für die neue Wärmepumpe könnten viele Haushalte nicht stemmen, so meine Finanztip-Kollegin Sandra Duy. Vor allem nicht Arbeitnehmer mit niedrigen Einkommen. Gleichlautende Kritik lese ich auch bei der Stiftung Warentest und beim Verbraucherzentrale Bundesverband. Die Regierung weiß das, und hat deshalb ein Kreditprogramm bei der KFW ausgelobt, einen sogenannten Ergänzungskredit, der genau in dieser Situation helfen soll. Doch wer sich auf das Funktionieren der Banken in solchen Förderfragen verlässt, der ist verlassen. Dummerweise bekommen die meisten Kunden diese staatlichen Kreditangebote der KFW gar nicht zu sehen . Die Stiftung Warentest listete 2024 ganze vier Banken und Sparkassen auf, die solche Ergänzungskredite ohne weitere Bedingungen vermittelten. Mehr als 20 andere Institute wollen Kredite nur vermitteln, wenn sie größer wären oder die Kunden gleich noch einen Kredit der Bank dazu kaufen. Im Klartext: Die meisten Banken denken sich, dass sich das nicht für sie lohnt. Und an dieser Hürde scheitern zahlreiche Interessenten für den Einbau einer Wärmepumpe . Liebe Regierende, wenn Ihr jetzt schon an der Förderung schraubt, nehmt Euch doch bitte auch dieses Fehlers an und sorgt mit Zuckerbrot und Peitsche dafür, dass mehr Banken mitspielen. Wenn Banken Produkte mit Kundennutzen nicht und stattdessen nur Produkte mit Eigennutz anbieten, dann könnte das sogar die Finanzaufsicht Bafin interessieren. Und in Zeiten des Internets und von KI könnte man glatt auf den Gedanken kommen, dass die KFW auch mit einem kleinen Stab eine solche Kreditvergabe selbst abwickeln kann. Ganz ohne unwillige Banken. Vielleicht könnte man eine solche Reform sogar mit einigen Monaten Vorlauf ankündigen – zielführend und nicht über Nacht. Liebe Heizungskunden, zeigen Sie der Bank den Stinkefinger, die Ihnen beim Heizungsneubau nicht hilft. Versuchen Sie es stattdessen bei Baufinanzierungsportalen wie Interhyp und Dr. Klein, die mit einer Vielzahl an Kreditinstituten zusammenarbeiten . Eventuell ist da etwas möglich. Auch die Förderbanken der einzelnen Bundesländer können ein möglicher Anlaufpunkt sein. Wenn Sie noch einen Antrag nach altem Recht bis zum 8. Juli vollständig abgegeben oder gar von der KFW schon einen Bescheid bekommen haben, sollten sie noch Förderung nach altem Recht erhalten. Das kann lukrativ sein. Auch wenn der Energieberater Ihnen bis zum 8. Juli die Förderfähigkeit Ihrer Wärmepumpe bestätigt und eine Bestätigung zum Antrag (BzA) ausgestellt hat, können Sie nach Angaben der KFW noch nach altem Recht Ihren Antrag einreichen, auch wenn der erstmal nicht bearbeitet wird. Für alle anderen Wärmepumpen-Interessenten gilt das neue Recht und die Antragsbearbeitung ab 21. Juli . Ach ja, und kaufen Sie die Wärmepumpen nicht zu jedem Preis. In allen Nachbarländern sind die Wärmepumpen billiger und ihr Einbau auch. Pensionär Axel Friedrich, einst Abteilungsleiter im Umweltbundesamt und dann Lieblingsgegner der Dieselbetrüger bei VW, hat angekündigt, eine schlüsselfertige Wärmepumpe für 21.000 Euro auf den deutschen Markt zu bringen . Eine chinesische Wärmepumpe, auch wenn es dafür weniger Förderung gibt. Die ersten sind schon eingebaut.