Volkswagen: VW-Betriebsrat will Vorstandschef Oliver Blume vor die Belegschaft zitieren

Datum11.07.2026 12:53

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer VW-Betriebsrat fordert Vorstandschef Oliver Blume auf, Belegschaftsinformationen über Sparpläne, Werksschließungen und Stellenabbau zu geben. Dies geschieht vor dem Hintergrund rückläufiger Gewinne und wachsendem Wettbewerbsdruck im E-Automarkt. Blume hat Details bisher unter Verschluss gehalten, was zu Spannungen führt. Der Betriebsrat plant, ihn nach der Sommerpause zu Betriebsversammlungen vorzuladen. Niedersachsens Wirtschaftsminister kritisiert den Umgang mit der Belegschaft als "unanständig".

InhaltDer Volkswagen-Konzern ringt um seine Zukunft – und verhandelt ein Sparpaket. Doch der Graben zwischen Geschäftsführung und Mitarbeitern wird tiefer. Die Beschäftigten verlangen Informationen. Der Zwist zwischen der Volkswagen-Belegschaft und dem Boss des Autobauers, Oliver Blume, spitzt sich zu. Der VW-Chef solle den Beschäftigten endlich Details zu möglichen Werksschließungen in Deutschland sowie dem Stellenabbau im Konzern erläutern, heißt es in der VW-Betriebsratszeitung "Mitbestimmen", die dem SPIEGEL vorliegt. Die Arbeitnehmervertreter beklagen, dass Blume "den betroffenen Beschäftigten außerhalb des Managements diese Informationen weiterhin vorenthält". Nachdem er ein Gesprächsultimatum der Betriebsratschefin Daniela Cavallo verstreichen ließ, soll Blume "nach der Sommerpause in Betriebsversammlungen direkt vor den Kolleginnen und Kollegen nicht nur im Stammwerk Rede und Antwort stehen müssen". Am Donnerstag hatte VW-Chef Blume dem Aufsichtsrat seinen drastischen Sparplan vorgestellt . Nach SPIEGEL-Informationen sollen unter anderem die Werke Zwickau und Emden ab 2031 keine Autos mehr produzieren, das Aus für Hannover plant Blume für 2032. Zusätzlich zu den bereits vereinbarten 50.000 Stellen, die im Konzern wegfallen, sollen 50.000 weitere Jobs weltweit bis 2030 gestrichen werden. (Mehr Informationen zu den Sanierungsplänen des VW-Chefs lesen Sie hier .) Laut Konzernkreisen wurde der Vorschlag mit Stimmen der IG Metall und des Landes Niedersachsen abgelehnt. Betriebsratschefin Cavallo, die im Aufsichtsrat sitzt, hatte Blume eine Frist für Freitag gesetzt, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über sein Vorhaben zu informieren und warf ihm "Respektlosigkeit" vor. Es sei "unverantwortlich, die Belegschaft im Unklaren zu lassen und so in den Urlaub zu schicken." VW-Boss Blume hatte sich nach der Aufsichtsratssitzung öffentlich nicht zu den Details seines Plans geäußert. "Mit unserem Zukunftsplan stellen wir den Konzern auch in einem global massiv herausfordernden Umfeld noch robuster und wettbewerbsfähiger auf", hieß es in einer Stellungnahme. Man "begrenze Risiken" und setze "ein klares Zeichen für Aufbruch am Wirtschaftsstandort Deutschland". Zu Werksschließungen und Stellenabbau äußerte er sich nicht, das Ultimatum des Betriebsrats ließ er offenbar verstreichen. Nach dem Auftakt der Verhandlungen bei Volkswagen über den Plan für die Zukunft wird der Ton nun schon rauer. Blume habe sich in seiner Anfangszeit gern als "der Olli" und "Kind der Region" präsentiert, heißt es in der Zeitung des Betriebsrats. Doch von den "Vorschusslorbeeren" in weiten Teilen der Belegschaft sei "inzwischen so gut wie nichts mehr übrig". Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) bezeichnete den Umgang mit der Belegschaft als "unanständig". Der gebürtige Braunschweiger Blume trat im September 2022 den Job an der Spitze des Konzerns an. Seither rutscht VW immer tiefer in die Krise: Vor der Coronapandemie wurden in Europa zwei Millionen Autos pro Jahr mehr verkauft als heute. Chinesische Wettbewerber wie BYD, Chery und andere setzen die Wolfsburger in China und mittlerweile auch in Europa unter Druck, indem sie den Preis für E-Autos drücken. Der operative Gewinn des Autobauers schrumpfte in zwei Jahren von 22,6 Milliarden auf 8,9 Milliarden Euro. 2030 könnte die Rendite negativ werden. Mit seinem Plan hofft Blume, die Rendite von aktuell 2,8 Prozent auf neun Prozent zu steigern. Für die Deutschen war Volkswagen immer "ihr" Unternehmen. Doch in der Krise kann der größte deutsche Autobauer nicht mehr jeder Erwartung gerecht werden. Und sollte es auch nicht, schreibt Alexander Demling im SPIEGEL-Leitartikel. Warum Deutschland sich vom Mythos Volkswagen verabschieden muss, lesen Sie hier .