Hyänen sind viel freundlicher als gedacht

Datum11.07.2026 11:30

Quellewww.spiegel.de

TLDREine neue Studie widerlegt das negative Image von Tüpfelhyänen. Entgegen populärer Darstellungen zeigen sie ein hoch entwickeltes Sozialverhalten ähnlich dem von Primaten. Forscher beobachteten, wie Hyänen in Tansania und Südafrika komplexe Mimik und 13 Lautäußerungen, darunter fünf neue, zur Kommunikation und Deeskalation während des Spiels einsetzen. Ihre Fähigkeit, Körpersprache anzupassen, zeugt von ausgeprägten kognitiven Fähigkeiten, und ihre Spiele eskalieren nie zu echten Kämpfen. Hyänen leben in großen, hierarchischen Clans.

InhaltEine Studie zeigt: Hyänen verdienen ihr Bösewicht-Image nicht. Im Gegenteil, ihr Sozialverhalten ist so hoch entwickelt wie das vieler Primatenarten. Böse, feige, hinterlistig? Von wegen: Entgegen popkultureller Darstellungen wie im Disney-Film "König der Löwen" sind Tüpfelhyänen nicht nur sehr sozial, sondern auch Künstler der Deeskalation. Das zeigt eine neue Studie unter der Beteiligung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW). Demnach zeigen die Tiere ein hoch entwickeltes Sozialverhalten und benutzen ein ausgeklügeltes System aus Mimik und Stimmen, um miteinander zu kommunizieren. Die präzise Kommunikation sei mit der vieler Primatenarten vergleichbar, heißt es in der Studie. Für die Untersuchung beobachteten die Forscherinnen und Forscher Tüpfelhyänen in Tansania und Südafrika beim Spielen in freier Wildbahn. Wie auch bei anderen Säugetieren sei das entspannte offene Maul (auf Englisch: "relaxed open mouth", kurz ROM) das häufigste Signal, um friedliche Absichten zu signalisieren. Den Beobachtungen zufolge benutzen die Tiere das ROM häufig beim Eins-zu-Eins-Spiel, wenn direkter Blickkontakt herrscht. "Wenn mehrere Hyänen miteinander spielen und sie sich nicht sicher sein können, dass alle Teilnehmenden das entspannte ROM sehen, dann setzen sie zusätzliche Signale in Form von spielspezifischen Lautäußerungen ein, die von allen Teilnehmenden registriert und verstanden werden", erklärte der Mitautor der Studie und Forscher am Leibniz-IZW, Oliver Höner. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellten 13 verschiedene Lautäußerungen fest, von denen fünf den Angaben zufolge noch nie zuvor beschrieben wurden. Sie hörten die Tiere unter anderem bellen, kichern, knurren, grunzen, leise quietschen, winseln, wimmern oder fauchen. Die Forschenden gehen davon aus, dass die Laute den fehlenden Blickkontakt ausgleichen sollen. Die Fähigkeit, ihre Körpersprache je nach Situation anzupassen, spreche für ausgeprägte kognitive und soziale Fähigkeiten. Trotz des teils rauen Umgangs eskalierte das Spielen laut Studie nie, führte also nicht zu echten Kämpfen zwischen den Tieren. Tüpfelhyänen spielen und raufen in allen Lebensphasen, erwachsene Tiere besonders gern im Wasser, wie das Leibniz-IZW erklärt. Sie leben in großen sozialen Gruppen von bis zu 130 Tieren. Diese sogenannten Clans sind hierarchisch aufgebaut und werden von den Weibchen und ihren Jungen angeführt. Die Hyänen leben in mehreren Ländern Afrikas, südlich der Sahara. Sie jagen Gnus, Zebras oder Büffel und fressen auch Aas.