Datum11.07.2026 10:02
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Bundesnetzagentur verzeichnet einen signifikanten Anstieg von Beschwerden über Brief- und Paketzustellungen, hauptsächlich gegen die Deutsche Post/DHL. Die Post kritisiert die Zählweise der Behörde, da ein neuer, einfacherer Online-Melder mehr subjektive Beschwerden erfasse. Laut Post sind die Zahlen nicht mit Vorjahren vergleichbar und die allgemeine Postversorgung funktioniere gut. DPD fällt ebenfalls negativ auf, während Hermes und GLS weniger Beschwerden haben.
InhaltDie Zahl der bei der Bundesnetzagentur eingegangenen Beschwerden zu Brief- und Paketzustellungen ist stark angestiegen. Die Deutsche Post kritisiert die Zählweise. Wegen verlegter, verlorener oder beschädigter Briefe und Pakete haben Verbraucher Zehntausende Beschwerden bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Wie aus der Website der Behörde hervorgeht, gingen bei ihr im ersten Halbjahr 35.728 Beschwerden beim sogenannten Mängelmelder ein. Im Vorjahreszeitraum hatte die Behörde 22.981 Beschwerden gezählt und damit so viele wie noch nie. Die Zahlen sind laut Netzagentur aber nicht vergleichbar, da sich die Methodik geändert hat. Die Beschwerden richten sich gegen alle Postdienstleister, in 87 Prozent der Fälle geht es um den Marktführer Deutsche Post/DHL, der als einzige Firma sowohl Briefe als auch Pakete austrägt. Den Mängelmelder gibt es erst seit Herbst 2025. Die Website enthält Fragen mit Multiple-Choice-Antworten, bei denen Verbraucher sich einfach durchklicken und ihre Beschwerde nicht mehr in eigenen Worten ausformulieren müssen, wie es im alten System der Fall war. Die Post argumentiert, dass durch das neue System die Hemmschwelle sinke und sich manch Verbraucher leichter tue mit der Eingabe subjektiv empfundener Mängel, die sich bei näherer Betrachtung jedoch als unberechtigt erwiesen. "Der neue Mängelmelder bläht die Beschwerdestatistik auf und erweckt den Eindruck, die Postversorgung in Deutschland würde nicht funktionieren", sagte ein Post-Sprecher. "Das ist falsch – im Gegenteil: Die Post in Deutschland funktioniert sehr gut." Der Anteil der Beschwerden, die bei der Post direkt eingehen, liege unverändert bei 0,003 Prozent der Menge an Briefen und Paketen. Eine andere Entwicklung stützt die Sichtweise der Post, dass die im Vergleich zu 2025 höhere Beschwerdezahl kein Hinweis auf ein größeres Problem ist. Denn es gibt keine "Hotspots" mehr, also keine gehäuften Beschwerden aus einer Gegend. Solche Hotspots nahm die Netzagentur in der Vergangenheit als Anlass für Prüfverfahren, um die postalische Versorgung vor Ort genauer zu prüfen. Im ersten Halbjahr gab es aber keine einzige Anlassprüfung der Netzagentur, im ersten Halbjahr 2025 waren es acht gewesen. Der Anteil der Beschwerden an den gesamten Sendungsmengen in Deutschland ist verschwindend gering. Im vergangenen Jahr transportierte die Deutsche Post 13,3 Milliarden Briefe und Pakete in Deutschland, hinzu kamen noch die Sendungen der Wettbewerber. Allerdings dürften sich längst nicht alle Menschen, die sich über misslungene Postdienstleistungen ärgern, bei der Bundesnetzagentur beschweren. Der Inhalt einer Beschwerde wird nicht überprüft, sowohl im alten wie im neuen System. "Es ist gut, dass die vorher bestehende Dunkelziffer nun verkleinert wird und die Bundesnetzagentur schneller erkennt, ob es in bestimmten Regionen zu größeren Problemen kommt", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Roloff. "Unsere Erwartung bleibt, dass Mängel schnellstmöglich und konsequent abgestellt werden und eine qualitativ hochwertige Versorgung mit Briefen und Paketen sichergestellt wird." In der Beschwerdestatistik fällt auch die Paketfirma DPD negativ auf. Ihr Anteil an allen Beschwerden lag im ersten Halbjahr 2026 bei vier bis fünf Prozent pro Monat. DPD ist deutlich kleiner als Konkurrent DHL/Deutsche Post, zudem transportiert die Firma nur Pakete. Würde man Beschwerden zu Briefen, Zeitungen und anderen Themen herausrechnen, so läge der DPD-Beschwerdeanteil wesentlich höher. Auf vergleichbare Paket-Konkurrenten wie Hermes und GLS entfallen weniger Beschwerden als auf DPD. Als Reaktion auf die Zahlen sagte ein DPD-Sprecher, seine Firma nehme die bei der Bundesnetzagentur eingehenden Beschwerden ernst. Es sei aber eine differenzierte Betrachtung wichtig. So sei der Anteil von Beschwerden, die bei DPD direkt eingehen, von 0,11 Prozent des Sendungsaufkommens 2024 auf 0,09 Prozent 2025 gesunken. "Bei über 370 Millionen beförderten Paketen pro Jahr zeigt dies, dass die überwiegende Mehrheit unserer Zustellungen zuverlässig und zur Zufriedenheit unserer Kundinnen und Kunden erfolgt."