Datum10.07.2026 20:01
Quellewww.spiegel.de
TLDRFinanzsenator Stefan Evers soll die Spitzenkandidatur der Berliner CDU bei der Abgeordnetenhauswahl im September übernehmen. Er soll zudem kommissarisch CDU-Landeschef werden. Der bisherige Spitzenkandidat, Kai Wegner, zog sich nach Kritik an seinem Krisenmanagement während eines Stromausfalls zurück. Wegners Rücktritt soll Personaldebatten beenden und ein Linksbündnis verhindern.
InhaltJetzt soll es Berlins Finanzsenator retten: Die CDU-Kreisvorsitzenden haben über einen Nachfolger für Kai Wegner entschieden. Stefan Evers wird wohl Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl im September werden. Berlins Finanzsenator Stefan Evers soll die Spitzenkandidatur der CDU zur Abgeordnetenhauswahl im September übernehmen. Darauf hätten sich die CDU-Kreisvorsitzenden bei einem Treffen geeinigt, sagte CDU-Fraktionschef Dirk Stettner der Nachrichtenagentur dpa. Auch dem SPIEGEL liegen entsprechende Informationen vor. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner hatte die Kandidatur zuvor aufgegeben. Endgültig über die Nachfolge entscheiden muss der CDU-Landesvorstand. Evers soll nach Willen der Kreisvorsitzenden kommissarisch auch CDU-Landeschef werden. Wegner sagte nach seinem Rücktritt, er wolle den Weg frei machen, "dass die CDU nicht durch Personaldebatten in den nächsten Tagen und Wochen weiter geschwächt wird". Es gehe ihm darum, nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus ein Linksbündnis unter Führung der Linkspartei zu verhindern. Der Regierende Bürgermeister zieht damit Konsequenzen aus einer monatelangen Debatte über falsche Angaben über sein Krisenmanagement nach einem großen Stromausfall im Januar. Schon kurz nach dem folgenreichen Brandanschlag auf die Stromversorgung am 3. Januar, in dessen Folge 100.000 Menschen teils tagelang keinen Strom mehr hatten, geriet er in die Kritik. Unter anderem deswegen, weil er verschwiegen hatte, am ersten Tag der Krise mittags Tennis gespielt zu haben. Nach einem Eilantrag des "Tagesspiegels" musste Wegners Senatskanzlei schließlich zugeben, am 3. Januar vor 12.45 Uhr keine dienstlichen Telefonate zum Blackout geführt zu haben. Gegenüber dem Sender Welt TV hatte er noch behauptet: "Ich habe in der Tat um 8.08 Uhr begonnen, die Telefonate zu führen. Ich habe mit den Krisenstäben telefoniert, mit Stromnetz." Mit diesen Widersprüchen hatte Wegner den Ärger zahlreicher CDU-Mitglieder auf sich gezogen. In einem offenen Brief forderte ein Mitgliederbündnis seinen Rücktritt und den Verzicht auf die Spitzenkandidatur für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September. Lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen des Rücktritts.