Datum10.07.2026 18:06
Quellewww.zeit.de
TLDRBerlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner verzichtet auf die Spitzenkandidatur für die Abgeordnetenhauswahl. Die CDU-Führung, darunter Carsten Linnemann und Stefan Evers, respektiert seine Entscheidung als Übernahme von Verantwortung. Die SPD wirft der CDU indes ein "System Wegner" vor und fordert Aufarbeitung. Die Grünen und die Linke kritisieren Wegners Verhalten hingegen scharf. Die AfD sieht sein Handeln als Beweis für seine Ungeeignetheit für das Amt. Neues Spitzenpersonal der CDU wird erwartet.
InhaltDie Berliner CDU müsse das "System Wegner" aufarbeiten, fordert Berlins SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach. Carsten Linnemann respektiert Kai Wegners Kandidaturverzicht. Wenige Wochen vor der Wahl des Abgeordnetenhauses in Berlin haben zahlreiche Politiker den Verzicht von Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner auf die CDU-Spitzenkandidatur begrüßt. Berlins SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach bezeichnete die Entscheidung als Ende eines "quälenden Prozesses". Berlin könne wieder aufatmen, sagte Krach. "Aber es bleibt die Frage, warum Wegner und seine CDU ein halbes Jahr für die Wahrheit gebraucht haben." Denn noch vor Kurzem habe die CDU ihn zum Spitzenkandidaten gemacht. Dahinter stehe "ein System-Wegner, das für eine unfassbare Selbstbedienungsmentalität bei Fördergeldern, eine desaströse Verkehrspolitik und Lügen im höchsten Amt steht", sagte Krach. Berlins Regierender Bürgermeister hatte angekündigt, nicht als Spitzenkandidat der CDU für die Abgeordnetenhauswahl in Berlin am 20. September antreten zu wollen. Als Grund nannte Wegner interne Kritik an seiner Kommunikation beim Stromausfall im Januar. Wegen der anhaltenden Debatte komme er nicht mehr bei der Bevölkerung mit seinen Themen durch, sagte Wegner. Neuer Spitzenkandidat soll offenbar Berlins Finanz- und Kultursenator Stefan Evers werden. Evers forderte für die Entscheidung Wegners Anerkennung. "Kai Wegner hat Verantwortung übernommen und eine schwere persönliche Entscheidung getroffen. Das verdient vor allem eines: Respekt", schrieb Evers auf X. "Mit seiner Entscheidung hat Kai Wegner dafür gesorgt, dass der Blick wieder auf die Erfolge seines Senats und die Herausforderungen für Berlin gerichtet werden kann." Auch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann zeigte Wegners Entscheidung gegenüber Respekt. "Kai Wegner übernimmt mit seiner Entscheidung, nicht mehr anzutreten, Verantwortung", sagte er der Rheinischen Post. Jetzt müsse die CDU daran arbeiten, bei der Wahl des Abgeordnetenhauses im September das Rote Rathaus zu verteidigen. Das Ziel sei, die Mitte zu stärken und eine linke Regierung zu verhindern. Der SPD-Fraktionschef Raed Saleh sprach dem Tagesspiegel gegenüber ebenfalls von "Respekt" vor der Entscheidung, und dankte "für die bisherige Zusammenarbeit, die absprachefest und kollegial verlässlich war". Der Berliner CDU-Abgeordnete Christian Miele, der die Forderung zu Wegners Rücktritt innerhalb der CDU maßgeblich vorangetrieben hatte, schrieb auf X: "Mission accomplished". Jetzt müsse die CDU einen "radikalen Neuanfang" wagen. Die Berliner Grünen zeigten sich weniger versöhnlich. "Kai Wegner und die CDU haben mit ihrem Handeln der Stadt und der Demokratie in Berlin und weit darüber hinaus einen großen Schaden zugefügt", schrieb der Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf. Auf den Nachfolger komme "als neue Führungsfigur eine große Aufgabe zu". Auch die Linke kritisierte Wegner. "Kai Wegner hat keine Verantwortung für sein Fehlverhalten übernommen", schrieb die Spitzenkandidatin der Linken, Erlif Eralp, laut Tagesspiegel. Seine Partei arbeite gegen die Interessen Berlins und seiner Einwohner. Berlins AfD-Fraktionschefin und Spitzenkandidatin Kristin Brinker kritisierte Wegner ebenfalls. "Mit seinem selbstgerechten Statement hat Kai Wegner ein weiteres und hoffentlich letztes Mal unter Beweis gestellt, dass er dem Amt als Regierender Bürgermeister charakterlich nicht gewachsen ist", schrieb sie auf X. Auch AfD-Bundesparteichefin Alice Weidel kritisierte auf X, Wegner habe "das Vertrauen der Bürger in die Politik erschüttert".