BVB siegt in der Champions League: Mit viel Hand und wenig Fuß

Datum25.11.2025 23:17

Quellewww.spiegel.de

TLDRBorussia Dortmund hat in der Champions League FC Villarreal mit 3:0 besiegt und sich damit in der Spitzengruppe der Liga festgesetzt. Serhou Guirassy erzielte zwei Tore, während Villarreals Juan Foyth mit einer Roten Karte vom Platz gestellt wurde. Trotz des Sieges gibt es in Dortmund Sorgen um die sportliche Leistung und die Klubführung. Villarreal, bisher schwach in der Champions League, bleibt jedoch in der Liga stark. Die nächsten Spiele für Dortmund sind entscheidend für die Saison.

InhaltBorussia Dortmund setzt sich in der Spitzengruppe der Champions League fest. Serhou Guirassy atmet nach zwei Toren auf, Villarreals Kapitän sieht Rot und TV-Experte Mats Hummels schwärmt von seinem "Wohnzimmer". Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Im Stile eines Torwarts: Borussia Dortmund ging gegen den FC Villarreal mit einer glücklichen Führung in die zweite Hälfte des fünften Champions-League-Spieltags. Doch schon die erste gefährliche Aktion nach der Pause entschied das Spiel. Nach einem BVB-Konter wehrte Villarreals Juan Foyth einen Schuss von Karim Adeyemi auf der Torlinie mit seinem ausgestreckten Arm ab. Die Konsequenz: Elfmeter für die Borussia und nach Intervention des Video-Assistenten die Rote Karte für Foyth. Serhou Guirassy scheiterte zunächst an Torhüter Luiz Junior, doch im Nachschuss traf der Guineer zum 2:0 (54. Minute). Das Ergebnis: Der BVB feierte mit dem 3:0 (1:0) gegen Villarreal den dritten Sieg in der Ligaphase und liegt in der Tabelle vorerst auf dem vierten Platz. Ein Verein in Aufruhr: In Dortmund werden sportliche Krisen schneller ausgerufen als bei fast allen anderen deutschen Klubs. Drei sieglose Spiele reichen bei einigen Fans bereits, um den monatelangen Aufwärtstrend unter Trainer Niko Kovač schlechtzureden. Dabei hat der BVB andere Sorgen: Hans-Joachim Watzke, der mächtigste Mann im deutschen Fußball, wurde nur mit knapper Mehrheit ins Präsidentenamt gewählt  und ein Missbrauchsskandal  wurde lange nur unzureichend aufgearbeitet. Wie unwichtig wirkt da ein Spiel gegen Villarreal? Das U-Boot auf Tauchstation: Tabellen lügen im Fußball bekanntlich nicht, in der Champions League stimmt diese Weisheit nur bedingt. Villarreal, wegen der Trikotfarbe auch "gelbes U-Boot" genannt, holte in fünf Spielen in der Königsklasse nur einen Punkt und liegt nach der Partie in Dortmund auf dem 34. Platz der Tabelle. Mittelfeldspieler Santi sprach vor dem Spiel von einem "kleinen großen Finale". Ein Weiterkommen ist nach dieser Niederlage noch möglich, aber unwahrscheinlich. Dabei läuft es für Villarreal in der Liga viel besser, dort gab es zuletzt vier Siege in Serie, in der spanischen Tabelle liegt das Team auf Platz drei. Eine Chance, ein Tor: Gerade zweimal schoss der BVB bis in die Nachspielzeit der ersten Hälfte auf das Tor von Villarreal. Die Gäste waren in ihrem ungewöhnlichen 4-4-2 das bessere Team, die Spanier zeigten eine reife Leistung. Doch im Fußball zählen nun mal Tore, und in der letzten Aktion vor der Pause beendete Guirassy seine torlose Phase. Nach einem Eckball von Daniel Svensson kamen die Innenverteidiger Waldemar Anton und Anselmino eher unkontrolliert an den Ball, der hoch in den Fünfmeterraum flog, wo Guirassy freistehend einköpfte (45.+2). Der Video-Assistent prüfte ein Handspiel von Anton, das zwar vorlag, aber unabsichtlich war und deshalb zählte der Treffer. Hummels statt Sammer: In der vergangenen Saison musste BVB-Berater Matthias Sammer seinen Zweitjob als Experte beim Streamingdienst Amazon Prime aufgeben – zumindest, wenn die Borussia spielt. Nach einer Pleite gegen Bologna hatte Sammer von einer "körperlichen und geistigen Nichtverfassung" des Teams gesprochen. Sammers Nachfolger bei Amazon heißt Mats Hummels und der einstige BVB-Verteidiger machte in der Übertragung mit Glanz in den Augen klar, wie wenig Sammer in ihm steckt: "Ich bin mit dem Herzen voll dabei", die Kabine sei sein "Wohnzimmer", beim Warmmachen verspürte er "Wehmut". Später äußerte Hummels auch kritische Worte, wenn auch moderat verpackt. Zweite Hälfte: In Überzahl legte der BVB nach dem zweiten Treffer von Guirassy schnell nach. Adeyemi spielte mit Julian Brandt einen Doppelpass im Sechzehner, doch eigentlich war Thomas Partey vor dem deutschen Nationalspieler am Ball. Dessen Klärungsaktion landete am Knie von Adeyemi und von dort flog der Ball ins Netz (58.). Der eingewechselte Fabio Silva schoss einen Elfmeter – Adeyemi war von Sergi Cardona gefoult worden – an die Latte (82.). Den Schlusspunkt setzte Svensson mit einem Kopfball (90.+5). Mittelfeld auf Kaution: Beim FC Villarreal stand mit Partey ein Profi in der Startelf, der sich im kommenden Jahr in London in einem Vergewaltigungsprozess verantworten muss. Dem Ghanaer werden in fünf Fällen Vergewaltigung und sexuelle Nötigung vorgeworfen; die mutmaßlichen Übergriffe sollen in den Jahren 2021 und 2022 zu seiner Zeit als Spieler des FC Arsenal stattgefunden haben. Partey bestreitet die Vorwürfe und wurde gegen Kaution bis zum Prozessbeginn im November 2026 freigelassen. Deshalb darf er für die Spanier spielen, im zentralen Mittelfeld ist er Stammspieler. So geht es weiter: Bis zur Winterpause stehen für den BVB noch vier weitere Heim- und nur noch zwei Auswärtsspiele an. Doch das Programm ist intensiv und hat das Potenzial, das Krisengerede der vergangenen Tage lauter werden zu lassen. Es geht los mit zwei Partien gegen Bayer Leverkusen, erst in der Liga am Samstag und dann drei Tage später im Pokal. Nur dort haben die Dortmunder realistische Titelchancen. Es folgen Bundesliga-Spiele gegen Hoffenheim (H), Freiburg (A) und Mönchengladbach (H) sowie in der Champions League gegen FK Bodø/Glimt.