Nach mutmaßlicher Amoktat: Schutzkonzepte für Schulen ja, Amok-Übungen nein?

Datum10.07.2026 08:53

Quellewww.zeit.de

TLDRNach einer mutmaßlichen Amoktat in Schongau wird die Notwendigkeit von Schulschutzkonzepten betont. Alle bayerischen Schulen besitzen solche Konzepte, die jährlich mit Polizei und Kommunen überprüft werden. Während Feueralarme geübt werden, rät ein Notfall-Experte von Amok-Übungen mit Schülern ab, da dies Ängste schüren und das Sicherheitsgefühl beeinträchtigen könne. Die Entscheidung über Übungen trifft die Schule in Absprache mit Polizei und Krisenteam, um auf Notfälle vorbereitet zu sein, ohne unnötige Ängste zu erzeugen.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Nach mutmaßlicher Amoktat“. Lesen Sie jetzt „Schutzkonzepte für Schulen ja, Amok-Übungen nein?“. Nach der mutmaßlichen Amoktat an einem Gymnasium im oberbayerischen Schongau ist auch die Frage nach Schutzkonzepten an Schulen in den Fokus gerückt. Kurz gesagt: Die muss es überall geben. Es gibt aber Experten, die davon abraten, gezielt auch Amok-Alarme mit Schülerinnen und Schülern zu üben. "Alle staatlichen Schulen in Bayern verfügen über ein schulisches Sicherheitskonzept und ein schulisches Krisenteam", teilte das bayerische Kultusministerium auf Anfrage mit. Die Sicherheitskonzepte würden gemeinsam mit der Polizei und dem sogenannten Sachaufwandsträger - das sind in der Regel die Kommunen - erstellt. Die Konzepte würden regelmäßig, mindestens einmal jährlich, überprüft und an aktuelle Entwicklungen angepasst. "Da sich Schulen hinsichtlich ihrer räumlichen und organisatorischen Gegebenheiten unterscheiden, werden die Sicherheitskonzepte jeweils auf die Situation vor Ort abgestimmt", betonte das Kultusministerium. Für die psychologische Krisenvorsorge, Krisenbewältigung und Nachsorge stehe den Schulen zudem das Kriseninterventions- und -bewältigungsteam bayerischer Schulpsychologinnen und Schulpsychologen (KIBBS) zur Verfügung. Dass Feueralarme regelmäßig geübt werden, ist bekannt. Aber was ist mit Amok-Alarmen? Das Kultusministerium betont ganz grundsätzlich: "Ob und in welcher Form Übungen durchgeführt werden, entscheidet die Schule gemeinsam mit ihrem Krisenteam und in enger Abstimmung mit der Polizei." Dabei gelte es, einerseits auf Notfälle vorzubereiten und andererseits sicherheitsrelevante Abläufe zu schützen. Zu den konkreten Inhalten einzelner Sicherheitskonzepte äußere man sich deshalb grundsätzlich nicht. Der Hochschuldozent und Notfall-Experte Peer-Niclas Unger sagte dem Bayerischen Rundfunk: "Wir raten ganz deutlich davon ab, Schülerinnen und Schüler im Verhalten eines Amokfalls zu schulen." Kinder hätten ein ganz anderes Gefahrenbewusstsein und nähmen Bedrohungen anders wahr. "Die Erfahrung von Schulen, die das gemacht haben, zeigt, dass Kinder anschließend Ängste entwickeln und nicht mehr zur Schule gehen wollen. Und genau das wollen wir ja nicht. Wir wollen ja ein Sicherheitsgefühl erzeugen." © dpa-infocom, dpa:260710-930-363095/1