Hitze in Europa: 300 Millionen Menschen schädlichen Ozonwerten ausgesetzt

Datum09.07.2026 20:53

Quellewww.spiegel.de

TLDRWährend der Juni-Hitzewelle in Europa waren schätzungsweise 300 Millionen Menschen, darunter 100 Millionen Kinder und ältere Menschen, schädlichen Ozongasen ausgesetzt. Dies hat gesundheitliche Folgen wie Atemprobleme und verschlimmerte Asthmaanfälle. Der Bericht von Global Witness führt dies auf die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zurück. Hohe Temperaturen begünstigen die Ozonbildung, und während Stickstoffdioxid gesenkt wurde, sind Methanemissionen, ein wichtiger Faktor bei der Ozonentstehung, insbesondere in der Landwirtschaft, unreguliert.

InhaltLaut einem Bericht waren in der EU rund 300 Millionen Menschen während der Hitzewelle im Juni schädlichen Ozongasen ausgesetzt. Die höchsten Werte wurden an einem Ort in Deutschland festgestellt. Zwei Drittel der Menschen in der EU könnten während der beispiellosen Hitzewelle im vergangenen Monat einer schädlichen Ozonbelastung ausgesetzt gewesen sein. Beinahe 300 Millionen Menschen, darunter 100 Millionen Kinder und ältere Menschen, hätten Ende Juni Ozonwerte erfahren, die über der empfohlenen Belastungsgrenze liegen. Das geht aus einem Bericht der Nichtregierungsorganisation "Global Witness"  hervor. Das Ausmaß dieser "unsichtbaren Bedrohung" mache deutlich, wie "die Menschen aufgrund unserer Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen gezwungen sind, unter sehr gefährlichen Bedingungen zu leben", sagte Flossie Boyd, Kampagnenleiterin bei "Global Witness". Bodennahes Ozon unterscheidet sich von der Ozonschicht in der Atmosphäre. Am Boden ist Ozon der Hauptbestandteil von Smog und kann Atemprobleme verursachen, das Lungengewebe schädigen, Asthmaanfälle auslösen und zu anderen Gesundheitsproblemen führen. Es entsteht durch komplexe chemische Reaktionen aus Stickstoffoxiden und flüchtigen organischen Verbindungen. Hohe Temperaturen und starke Sonneneinstrahlung begünstigen die Entstehung. Der EU ist es in den vergangenen Jahrzehnten gelungen, die Stickstoffdioxidwerte zu reduzieren. Allerdings ist laut dem Bericht Methan für ein Drittel der Ozonbildung verantwortlich. Für die Reduzierung der Methanemissionen in der Landwirtschaft gibt es in der EU keine Vorgaben. Für den Bericht wurden unter anderem die Daten von 162 Luftqualitätsmessstationen in Europa ausgewertet. Zwei Drittel der Messstationen verzeichneten Temperaturen, die zu den höchsten aller im Juni gemessenen Werte seit 2013 gehörten, hieß es in dem Bericht. Der Ozon-Rekordwert lag bei 233,7 Mikrogramm pro Kubikmeter und wurde am 27. Juni im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen gemessen. Laut der Europäischen Umweltagentur wurden allein im Jahr 2023 mehr als 63.000 Todesfälle sowie Ernteschäden in Höhe von mehreren Milliarden Euro auf die Ozonbelastung zurückgeführt.