Meinung: News des Tages: Regierungserklärung von Merz, Tomahawk-Raketen für Deutschland, Bonnie Tyler ist tot

Datum09.07.2026 17:50

Quellewww.spiegel.de

TLDRBundeskanzler Merz preist die Reformen seiner Regierung, die an Schröders Agenda 2010 erinnern, aber weniger weitreichend sind. Deutschland erwirbt Tomahawk-Raketen von den USA zur Abschreckung Russlands. Die Sängerin Bonnie Tyler ist verstorben, ihre markante Stimme und Hits wie "Total Eclipse of the Heart" werden gewürdigt. Eine SPIEGEL-Titelstory beleuchtet die militärische Kooperation zwischen Russland und China. Football-Legende Thomas Müller erzielte ein Tor für die Vancouver Whitecaps. Die dritte Staffel der Sci-Fi-Serie "Silo" ist gestartet.

InhaltBundeskanzler Merz schwärmt im Bundestag vom Reformeifer seiner Regierung. Boris Pistorius shoppt heimlich Raketen in den USA. Und Bonnie Tyler ist tot. Das ist die Lage am Donnerstagabend. Die drei Fragezeichen heute: Wohlwollend betrachtet, muss man sagen: Es tut sich was. Die Koalition aus CDU, CSU und SPD hat ihren internen Hickhack anscheinend beendet und einige wichtige Themen angepackt, die Rentenreform etwa. Es widerstrebt mir, zu mäkeln; das machen wir Deutschen viel zu oft. Andererseits: Die Bugwelle, die Bundeskanzler Friedrich Merz bei seiner Regierungserklärung im Bundestag heute aufbaute, macht es schwer, sich zu zügeln. Merz hat seine Reformen in seiner Rede maximal politisch erhöht (hier mehr zur Rede). Es klinge, so schreiben es meine Kollegen Sebastian Fischer und Christian Teevs, als wollte er Assoziationen mit dem letzten wirklich großen Reformschub wecken, der Agenda 2010 von SPD-Kanzler Gerhard Schröder. "Bei genauerem Hinsehen wird allerdings klar, dass der Maßstab dieser Regierungserklärung im Vergleich ein anderer ist. Merz liefert gewissermaßen eine Miniaturausgabe von Schröders Reformwucht", schreiben Sebastian und Christian. Das liege auch daran, dass Merz, anders als Schröder, die eigene Klientel schone, etwa beim nur minimal angehobenen Reichensteuersatz. Dieses Ergebnis des Nato-Gipfels dürfte dem selbst ernannten Dealmaker Donald Trump gefallen. Noch beim Treffen der Nato-Staaten 2024 hatten die USA unter Trumps Vorgänger Joe Biden in Aussicht gestellt, ab 2026 Tomahawk-Raketen in Deutschland zu stationieren. Sozusagen kostenlos, im Sinne der Bündnistreue, sogar samt amerikanischen Truppen. Unter US-Präsident Donald Trump gab es zunächst eine Absage an das Vorhaben. Doch nun verkündete Bundeskanzler Friedrich Merz, dass Deutschland die Raketen doch erhalten kann – wenn es sie kauft (hier mehr). Mit der Anschaffung der Tomahawks reagiert Deutschland auf die Bedrohung aus Russland, das nuklearfähige Raketen in der Exklave Kaliningrad stationiert und zudem angekündigt hat, Nuklearwaffen in Belarus stationieren zu wollen, hieß es 2024 aus dem deutschen Verteidigungsministerium. Wie viele der Marschflugkörper und Startgeräte Deutschland am Ende erwirbt, soll geheim bleiben und nicht öffentlich einsehbar sein. Ich muss gestehen, dass ich nie ein bewusster Fan von Bonnie Tyler war – aber als Kind der Achtzigerjahre habe ich ihre Lieder selbstverständlich auf etlichen Partys geschmettert. "Total Eclipse of the Heart" ist ihr Welthit und ein Song für die Ewigkeit, ich hatte es aber eher mit "Holding out for a Hero". Heute Vormittag habe ich Tylers alte Hymnen noch mal rausgekramt, denn es kam die traurige Nachricht, dass die Sängerin gestorben ist (hier mehr). Mein Kollege Arno Frank hat einen liebevollen Nachruf auf die Waliserin verfasst: "Im Pop erzählt die aufgeraute Stimme vom gelebten Leben, von Whiskey in verqualmten Clubs und anderen verruchten Verausgabungen. Ihre Heiserkeit beglaubigt, worüber auch immer gesungen wird. Je rauer, desto besser. Bonnie Tyler ist es gelungen, auf diese Unverwechselbarkeit eine jahrzehntelange Karriere aufzubauen", schreibt Arno. Die neue Achse des Bösen: Recherchen des SPIEGEL und seiner Partner belegen erstmals detailliert, wie weit die militärische Kooperation zwischen Russland und China reicht. Geheime Dokumente zeigen, welche Pläne beide Staaten gegen den Westen schmieden. Die Titelstory . Er kam, sah – und schoss ein Tor: Ex-Fußballnationalspieler Thomas Müller, 36, reichte ein Kurzeinsatz von 26 Minuten, um für seinen derzeitigen Verein, die Vancouver Whitecaps, ein Tor zu schießen. Im Viertelfinal-Hinspiel des kanadischen Fußballpokals brachte der Weltmeister von 2014 sein Team mit dem Treffer zum zwischenzeitlichen 2:1 in Führung. Zuletzt hatte Müller pausiert, um zusammen mit Jürgen Klopp als Experte die WM zu analysieren. Wenige Tage vor seiner Rückkehr als Fußballer hatte er am TV-Mikrofon gesagt: "Ich habe es schon am Spielfeldrand wieder deutlich gespürt: Es juckt extrem, selbst wieder auf dem Rasen zu stehen. Ich will wieder Gas geben. Mein Körper fühlt sich gut an." Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel. Möchte ich Ihnen die Serie "Silo" ans Herz legen, deren dritte Staffel gerade auf Apple TV angelaufen ist . Sie gehört zu den derzeit fesselndsten Streaming-Erzählungen. In "Silo" haust die Menschheit – oder das, was von ihr übrig ist – seit mehreren Generationen in einem unterirdischen Bunker, der sich über viele Stockwerke in die Tiefe erstreckt. Niemand weiß zu Beginn, wie die Bewohner dorthin kamen, wie lange sie dort schon leben und warum es offenbar tödlich ist, den Bunker zu verlassen. Nun ist die Serie bei der dritten Staffel angekommen, und inzwischen ist klar: Es gibt noch mehr solcher Silos, in einem benachbarten sind aber beinahe alle Bewohner tot. Mein Kollege Oliver Kaever hat die neue Staffel rezensiert und ist begeistert, auch von der Hauptdarstellerin Rebecca Ferguson. "Sie spielt Juliette Nichols, eine meist schlecht gelaunte, extrem willensstarke Frau, die zunächst nur das Verschwinden ihres Freundes aufklären will. Ihr nicht nachlassendes Forschen bringt bald aber ein marodes, ungerechtes System zum Wanken. Ferguson verleiht dieser Figur eine grübelnde, zweifelnde Kraft, die faszinierend vielschichtig ist und immer noch oft männlich geprägten Heldenfiguren neue Schattierungen verleiht", schreibt Oliver. Zum Glück habe ich die nächsten Abende wenig vor, Sie hoffentlich auch. Lesen Sie Olivers ganze Rezension: Eine Serie mit so viel Tiefe, dass es einem den Atem raubt . Einen schönen Abend. Herzlich Ihr Michail Hengstenberg, Autor im Kulturressort