Fußball-WM heute: Von Quantenphysik und Poltergeistern

Datum09.07.2026 17:44

Quellewww.zeit.de

TLDRDas Viertelfinale der Fußball-WM bringt Frankreich gegen Marokko. Politische Spannungen sind aufgrund der Kolonialgeschichte präsent, Ausschreitungen in Paris werden erwartet. Neben skurrilen Vergleichen mit Quantenphysik verliert Marokko mit Ismael Saibari einen wichtigen Spieler. Ungewöhnlich ist ein rein argentinisches Schiedsrichtergespann, was Fragen aufwirft. Die deutsche U19-Nationalmannschaft zog ins EM-Finale ein.

InhaltNach geschlagenen 48 Stunden ohne Fußball geht die WM weiter. Frankreich trifft im Viertelfinale auf Marokko. Und die Deutschen stehen schon im Finale. Der WM-Abend Frankreich gegen Marokko (22 Uhr, Boston, ARD / MagentaTV). Ist nämlich das einzige Spiel. Wer gewinnt? Ungewiss. Gibt es danach Krawalle in Paris? Schon weniger ungewiss, wenn man der französischen Polizei glaubt. Die bereitet sich bereits auf Ausschreitungen nach Abpfiff vor. Denn das Duell der beiden Mannschaften hat eine politische Vorgeschichte. Marokko trifft auf seine frühere Kolonialmacht Frankreich. Viele Spieler auf dem Platz fühlen sich beiden Ländern verbunden. Rund ein Drittel der französischen Bevölkerung hat ausländische Wurzeln. Der Großteil davon in Marokko und Algerien. Da ist die Integrationsdebatte genauso sicher wie das "Amen" in der Kirche – oder halt das "Allahu akbar" in der Moschee. Bereits nach dem Halbfinale 2022, das Frankreich mit 2:0 gewann, gab es Ausschreitungen in Paris mit 250 Festnahmen, ähnlich vielen brennenden Autos und zahlreichen Verletzten. Ähnlich beim Pariser Sieg des Champions-League-Finals vor rund zwei Monaten. ZEIT-Korrespondent Matthias Krupa sagt: Wenn Fußball sei, gingen immer ein paar Pariser Schaufenster zu Bruch. Er wird für Sie heute Nacht im Auge behalten, ob es dabei bleibt. Die französische Offensive. Ich sagte ja, dass ich am gestrigen fußballfreien Tag etwas abgedriftet bin in andere Felder, also müssen Sie da jetzt durch: Ich bilde mir nämlich ein, Parallelen von Fußball und Quantenphysik entdeckt zu haben. Kylian Mbappé, Michael Olise und Ousmane Dembélé sind dabei, was man in dieser Wissenschaft "Superposition" nennt: die Überlagerung mehrerer Zustände. Niemand weiß, wie sie sich verhalten werden, was sie als Nächstes machen. Sie sind Pass und Schuss zugleich. Und manchmal wird man den Verdacht nicht los, dass sie sich auch an mehreren Orten zugleich befinden können. Im Gegensatz zur französischen Offensive fehlt Marokko ihr vielleicht wichtigstes Teilchen im Viertelfinale. Der künftige Bayern-Spieler Ismael Saibari hat sich beim 3:0 gegen Kanada eine Muskelverletzung zugezogen. Saibari hatte im bisherigen Turnierverlauf schon drei Tore erzielt. Das argentinische Schiedsrichtergespann für heute Abend. Das ist gleich doppelt ungewöhnlich. Denn: Noch nie waren alle fünf Schiedsrichter (Hauptschiedsrichter, zwei Linienrichter, der vierte Offizielle und der Reserveschiedsrichter) bei einem WM-Spiel aus demselben Land. Hinzu kommt, dass Argentinien noch im Turnier ist und mit Frankreich auf den wohl stärksten Gegner im Finale treffen könnte. Das wäre eine Wiederauflage des Finals 2022, das Argentinien im Elfmeterschießen für sich entschied. Wie sauber ist also diese Schiedsrichterauswahl? Bereits nach dem Achtelfinale witterte der ägyptische Trainer nach dem tragischen Aus seiner Mannschaft gegen Argentinien eine Verschwörung der Fifa. Mein Kollege Nico Horn hält von solchem Geraune nichts. Er findet: Den Fußball gegen Gianni Infantino und Trump zu verteidigen, "heißt auch, ihn nicht ohne Not in einem Sumpf aus Verschwörungstheorien zu ersaufen". Hoffen wir also, dass es nach dem Spiel gar keine Diskussion über die Schiedsrichterleistung braucht. Ziehen ins Finale ein. Allerdings das der Europameisterschaft der U19-Junioren in Wales. Die DFB-Nachwuchsauswahl schlug die U19 der Ukraine knapp mit 2:1. Den Siegtreffer erzielte Kapitän Francis Onyeka in der Nachspielzeit und führt seine Mannschaft ins Finale am Samstag (20 Uhr / RTL+) gegen Spanien. Gegen die war man bei der vergangenen EM im Halbfinale ausgeschieden. Allerdings warten die deutschen Junioren bereits genauso lang wie die Großen auf einen Titel. Letztmals wurde man 2014 U19-Europameister. Damals Kapitän? Joshua Kimmich. Da soll noch einer sagen, Deutschland hätte keine Talente …