Datum09.07.2026 11:26
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Nachfrage nach Studienkrediten ist 2024 um über 17% auf mehr als 15.200 Neuverträge gestiegen. Dies beendet einen langjährigen Abwärtstrend. Besonders der Bildungskredit des Bundesverwaltungsamtes verzeichnete ein Plus von fast 40%, was auf seinen attraktiven Zinssatz (3,53%) zurückgeführt wird. Der KfW-Studienkredit steigerte sich um 11%. Laut CHE könnte dies auch mit den Bafög-Konditionen zusammenhängen, die viele Studierende ausschließen.
InhaltViele Studierende nehmen einen Kredit auf, um ihr Studium zu finanzieren. Im vergangenen Jahr hat die Nachfrage deutlich zugenommen. Vor allem ein Angebot sticht heraus. Die Nachfrage nach Studienkrediten ist wieder deutlich gestiegen, wie eine Marktanalyse des CHE Centrum für Hochschulentwicklung in Zusammenarbeit mit dem "Handelsblatt" zeigt. Insgesamt gab es mehr als 15.200 Neuverträge im vergangenen Jahr, 2024 waren es noch rund 13.000. Das ist ein Anstieg von mehr als 17 Prozent. Damit ist ein Abwärtstrend beendet, der – ausgenommen einmalige Corona-Sondereffekte – mehr als zehn Jahre anhielt. Überraschend ist laut CHE die Entwicklung beim zweitgrößten Anbieter. Der Bildungskredit des Bundesverwaltungsamtes verzeichnete 2025 insgesamt rund 4600 Neuabschlüsse. Im Vorjahr waren es 3300. Das entspricht einer Steigerung um fast 40 Prozent. Der KfW-Studienkredit kam im vergangenen Jahr auf knapp 8000 Neuverträge und konnte seine Absatzzahlen um 11 Prozent steigern. "Der Bildungskredit des Bundesverwaltungsamtes ist kein spektakuläres Hochglanzprodukt, sondern ein ziemlich unscheinbares, überschaubares, aber eben auch grundsolides Angebot", sagt Ulrich Müller, der Autor der Auswertung . "Dass der Bildungskredit nach einem Jahrzehnt sinkender Nachfrage diese enormen Steigerungsraten erreicht, ist erstaunlich. Ein wesentlicher Grund dürfte der attraktive Zinssatz sein." Der Bildungskredit ermöglicht monatliche Auszahlungen von maximal 300 Euro für höchstens zwei Jahre oder eine Einmalzahlung von bis zu 7200 Euro. Er bietet mit 3,53 Prozent effektiv den niedrigsten Zinssatz unter den bundesweiten Angeboten. Der KfW-Studienkredit, der Auszahlungen in Höhe von bis zu 650 Euro ermöglicht, liegt mit 6,53 Prozent effektiv rund drei Prozentpunkte darüber. Vor allem der KfW-Studienkredit hat den Markt über viele Jahre geprägt. Abgesehen von einem kurzen Hoch während der Coronapandemie habe das staatliche Studienfinanzierungsangebot jedoch seit einem Jahrzehnt kontinuierlich und massiv an Bedeutung verloren, erklärte das CHE. "Der KfW-Studienkredit braucht einen Relaunch. Der Zinssatz ist unattraktiv, die Konditionen sind nicht mehr zeitgemäß, und die maximale Auszahlung müsste angesichts der Inflation Auszahlungen bis 1000 Euro pro Monat ermöglichen", sagt Müller. Aus Sicht des CHE hängt die gestiegene Nachfrage auch mit den Konditionen für Bafög zusammen. Viele Studierende seien aufgrund der aktuellen Kriterien nicht Bafög-berechtigt und suchen nach Alternativen, um Finanzierungslücken zu schließen. Trotz des leichten Anstiegs bei den Neuverträgen bleibt die Bedeutung von Studienkrediten im deutschen Studienfinanzierungssystem insgesamt gering. Aktuell befinden sich rund 30.300 Studierende in der Auszahlungsphase eines Studienkredits, Bildungsfonds oder eines ähnlichen Angebots. Das entspricht einem Anteil von 1,1 Prozent aller Studierenden in Deutschland. Ein breites, verlässliches und attraktives staatliches Kreditangebot für alle Studierenden fehle aus Sicht des CHE weiterhin. Rund 205.000 Personen befinden sich derzeit in der Rückzahlungsphase. Sie haben ihr Studium bereits beendet und zahlen nun ihre aufgenommenen Kredite zurück. Monatlich fließen bundesweit fast 18 Millionen Euro über Studienkredite und Bildungsfonds an Studierende. Das jährliche Finanzvolumen liegt bei über 211 Millionen Euro. Im Durchschnitt nehmen Studierende derzeit 543 Euro pro Monat auf. Für die Auswertung hat das CHE 25 Studienkredite, Studiendarlehen und Bildungsfonds analysiert. Datenbasis sind Selbstauskünfte der Anbieter.