Albanien hält trotz Protest an Konzert von Kanye West fest

Datum09.07.2026 11:27

Quellewww.spiegel.de

TLDRAlbanien plant trotz massiver öffentlicher Proteste ein Konzert von Kanye West für über vier Millionen Euro. Ministerpräsident Edi Rama verteidigt die Ausgabe mit erwarteten Einnahmen von 100 Millionen Euro durch tausende ausländische Besucher. Die Kritiker werfen Rama Korruption und Selbstherrlichkeit vor und sehen darin eine Verramschung des Landes, insbesondere im Zusammenhang mit einem Luxusresort-Projekt von Jared Kushner.

InhaltJahrelang sorgte Kanye West hauptsächlich mit antisemitischen Ausfällen für Schlagzeilen. Die Regierung in Albanien kämpft gerade selbst mit Protesten – und will für ein Konzert des Rappers dennoch Millionen ausgeben. Mit Buhrufen kennen sich Edi Rama und Kanye West aus. Beide verstanden es jahrelang mühelos, sich durch gezielte Provokationen in die Öffentlichkeit zu bringen. Beiden entglitt irgendwann ihr Talent. Gegen Ramas Agieren als albanischer Ministerpräsident protestieren inzwischen Zehntausende Menschen im Land.  Sie werfen ihm vor, korrupt, selbstherrlich und Trump-hörig zu sein. Tritt der US-Rapstar West, zwischenzeitlich bekannt als Ye, irgendwo vor die Kamera, ist es kaum anders. Mit ausufernden antisemitischen Tiraden hat er sich vielerorts zur Persona non grata gemacht. Nun kreuzen sich die Wege beider Männer. Am kommenden Samstag wird West für ein Konzert am Rande der albanischen Hauptstadt Tirana erwartet, die Regierung von Rama will dafür mehr als vier Millionen Euro bereitstellen. Unter anderem für den Bau einer temporären Arena. Trotz des innenpolitischen Drucks halten die Verantwortlichen bislang an diesem Plan fest. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Seine Regierung habe erst "in letzter Minute" die Summe bereitgestellt, um Albanien vor fast 25.000 ausländischen Besuchern, die bereits Tickets gekauft hätten, "nicht in Verlegenheit zu bringen", so Rama auf seiner Facebook-Seite. Viele der Gäste hätten bereits eine Absage des Konzerts befürchtet. Man erwarte, übrigens, Besucher aus 80 Ländern, die nur für West ins Land kämen. Rama geht nach eigenen Angaben davon aus, dass das Konzert "mindestens" 100 Millionen Euro Einnahmen ins Land spülen wird. Rund um das Konzert seien Buchungen für Übernachtungen bereits in die Höhe geschossen. Mit großen Summen kennt er sich aus, seit Jahren wirbt der Regierungschef international um Investitionen und politische Unterstützung für den einst isolierten Staat an der Adria. Viele der meist jungen Protestierenden werfen ihm vor, das Land dabei zu verramschen. Kern des Streits ist ein Luxusresort, dass US-Präsident Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner inmitten eines Naturschutzgebiets plant. Ob das milliardenschwere Projekt noch wie geplant umgesetzt werden kann, ist inzwischen fraglich. Verglichen damit hat die Konzertarena für West einen entscheidenden Vorteil: Sie ist in kurzer Zeit aufgebaut – und danach bald wieder weg.