Datum09.07.2026 10:14
Quellewww.spiegel.de
TLDREin 26-Jähriger wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil er einen Zugbegleiter nach einer Ticketkontrolle zu Tode geprügelt hat. Der Vorfall ereignete sich, als der Angeklagte sich weigerte, einen Fahrschein vorzuweisen und den Zug zu verlassen. Die brutale Attacke wurde von Zugkameras aufgezeichnet. Das Opfer hinterließ zwei Kinder.
InhaltEs war eine brutale Attacke bei der Fahrscheinkontrolle: Im Prozess gegen einen 26-Jährigen, der einen Zugbegleiter in den Tod geprügelt hat, ist das Urteil gefallen. Im Fall des tödlichen Angriffs auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz ist der Angeklagte zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Landgericht Zweibrücken sprach den 26-Jährigen nach der Tat vor fünf Monaten wegen Körperverletzung mit Todesfolge schuldig. Der Angeklagte hatte dem Schaffner Anfang Februar bei einer Ticketkontrolle nahe Landstuhl mit den Fäusten so heftig gegen den Kopf geschlagen, dass dieser zwei Tage später an einer Hirnblutung im Krankenhaus starb. Der angeklagte Grieche mit Wohnsitz in Luxemburg hatte keinen Fahrschein und wollte sich nicht ausweisen. Daraufhin forderte ihn der Zugbegleiter auf, den Regionalexpress zu verlassen: Der Angeklagte rastete aus und schlug mit voller Wucht mehrfach zu, bis das Opfer Serkan Çalar, 36, bewusstlos wurde. Die komplette Tat wurde von den Kameras im Zug aufgezeichnet. "Der äußere Geschehensablauf ist zweifelsfrei dokumentiert", sagte Staatsanwalt Christian Horras in seinem Plädoyer. Er forderte zwölf Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Einen Tötungsvorsatz sah er nicht – sonst wäre es womöglich Totschlag oder Mord gewesen. Die Verteidigung sah einen minderschweren Fall der Körperverletzung mit Todesfolge und fordert ein Urteil "im Bereich des unteren Strafrahmens". Die Anwälte der Opferfamilie bewerteten die Tat dagegen als Mord aus niedrigen Beweggründen und plädierten auf eine lebenslange Freiheitsstrafe. Der Prozess sei für die Familienangehörigen sehr belastend, sagte der Opferbeauftragte der Landesregierung Rheinland-Pfalz, Detlef Placzek. Er verstehe, dass sie versuchten, ihre Position deutlich zu machen: "Dass es für sie mehr ist als eine Körperverletzung mit Todesfolge, sondern dass auch die Absicht dahinterstand", sagte Placzek. Der Tod von Serkan Çalar habe in seiner Familie "eine große Lücke gerissen, die sehr, sehr schwer, wenn überhaupt, dann noch einmal über die Zeit hinweg vernarben kann. Aber Narben werden bleiben". Das Opfer hinterlasse zwei Kinder im Alter von 10 und 12 Jahren, die nun von der Familie versorgt würden. Çalar war alleinerziehender Vater. Für die Angehörigen des Opfers waren die Verhandlungstermine schwer zu ertragen. Mehr über den Verlauf des Prozesses lesen Sie hier .