Zum 11. Juli: Emotionale Momente im Kiez: Das KarLi feiert 50. Geburtstag

Datum09.07.2026 09:23

Quellewww.zeit.de

TLDRDas Karl-Liebknecht-Stadion ("KarLi") in Potsdam feiert seinen 50. Geburtstag. Ursprünglich 1976 eingeweiht, war es Schauplatz von DDR-Länderspielen und später Heimat des SV Babelsberg 03 sowie des erfolgreichen Frauenfußballvereins Turbine Potsdam. Das Stadion ist bekannt für seine einzigartigen klappbaren Flutlichtmasten. Aktuell bietet es Platz für 10.000 Zuschauer und symbolisiert "emotionale Momente im Kiez" sowie Gemeinschaft.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Zum 11. Juli“. Lesen Sie jetzt „Emotionale Momente im Kiez: Das KarLi feiert 50. Geburtstag“. Drei Wochen vor dem größten Erfolg der DDR-Fußballer mit dem Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal legte die Mannschaft von Trainer Georg Buschner in Babelsberg die Basis für eine weitere Erfolgsgeschichte. Der 5:0-Erfolg von Dixie Dörner und Co. über die BSG Motor Babelsberg am 10. Juli 1976 war zugleich die Einweihung des Karl-Liebknecht-Stadions, das am Samstag feierlich seinen 50. Jahrestag begehen wird. "Wo einst DDR-Oberliga-Spiele, Länderspiele und Pokalfights stattfanden, sowie gestern und heute Spitzenfußball der Frauen und Männer begeistert, sind unzählige Erinnerungen entstanden", sagt Potsdams parteilose Oberbürgermeisterin Noosha Aubel der Deutschen Presse-Agentur über die Arena, "das Karli ist weit mehr als ein Stadion - es ist ein Ort der Leidenschaft, des Miteinanders und der Identifikation mit unserer Stadt mitten im Kiez." Den Kiez spürt der Besucher vom Bahnhof Babelsberg aus kommend sehr eindrücklich. Durch eine malerische Straße mit kleinen Häusern und Geschäften ähnlich einer Puppenstube geht es zum KarLi, auf dessen Areal schon ein halbes Jahrhundert vor Baubeginn Fußballspiele in der damals noch Nowawes genannten Stadt ausgetragen wurden, ehe die Nationalsozialisten mit der Eingliederung von Babelsberg in die Stadt Potsdam den Namen der von Arbeitern geprägten Stadt tilgten. Den Fußball konnten weder Nazis noch der Zweite Weltkrieg stoppen, ab 1949 wurde auf dem Karl-Liebknecht-Sportplatz wieder gespielt. Anfang der 70er Jahre wuchsen Stadionpläne, ab 1974 wurde gebaut. Unter Mithilfe sowjetischer Militärfahrzeuge sowie diverser Feierabendbrigaden entstand innerhalb von zwei Jahren die neue Arena - zum Ärger der Leichtathleten ohne Laufbahn.  "Die Sowjetarmee hat damals dabei geholfen, die Bäume zu beseitigen", sagte der Potsdamer Historiker Klaus Gallinat der "Märkischen Allgemeinen Zeitung". "Das Material für die Mauer zur Grenzstraße war tatsächlich laut dem Architekten und Planer aus Mauerteilen für die Grenze 'abgezweigt' worden." Bis zu 15.000 Zuschauer konnten die Spiele verfolgen, jedoch nur beim WM-Qualifikationsspiel 1977 gegen Malta war jeder Platz besetzt. Die Besucher wurden belohnt, das 9:0 war der höchste Länderspielerfolg der DDR-Geschichte. Elf weitere Länderspiele folgten in Babelsberg.  Im Alltag war Motor Babelsberg im KarLi beheimatet und pendelte zwischen der zweiten und dritten Liga. Mit dem Aufstieg in die zweite Liga des nach der Wende von Motor in SV Babelsberg 03 umbenannten Vereins legten auch wieder Bauarbeiter die Hand ans Stadion. Dabei wurden auch die in Europa einzigartigen klappbaren Flutlichtmasten aufgestellt.  Die 38 Meter hohen Masten geben dank eines Knickgelenks in Höhe von etwa 23 Metern den Blick zwischen Flatow-Turm und Jagdschloss Stern frei. "Echt Potsdam eben", sagt Aubel über die in europäischen Stadien einzigartige Konstruktion. Neben den unterklassig spielenden Babelsbergern sorgten vor allem die Frauen vom sechsmaligen gesamtdeutschen Meister Turbine Potsdam für Sternstunden. 2005 gewann die Mannschaft von Trainerlegende Bernd Schröder den Uefa Women*s Cup, fünf Jahre später die Champions League.  Das Stadion selbst wird im Laufe der Jahre immer weiter erneuert und bietet aktuell Platz für 10.000 Gäste. "Das Karli steht aber vor allem für emotionale sportliche Momente im Fußball der Frauen und Männer sowie für das unermüdliche Engagement der vielen Ehrenamtlichen, ohne die Vereinsleben nicht denkbar wäre", sagt Aubel, die selbst häufiger im Familienblock steht und "die besondere Atmosphäre auf den Rängen, die Nähe zum Spielfeld und die Begeisterung der Zuschauerinnen und Zuschauer" spürt, die "den Ort einzigartig" machen. Die Einzigartigkeit wird auch Brandenburgs Sportminister Gordon Hoffmann am Samstag bei dem offiziellen Festakt zum 50. Geburtstag spüren. Regionalligist SV Babelsberg 03 begeht zugleich die Saisoneröffnung und hat ab 15.30 Uhr den FC St. Pauli zu Gast, der gegen die unterklassigen Gastgeber womöglich ähnlich auftreten wird wie vor 50 Jahren die DDR-Nationalmannschaft gegen Motor Babelsberg. © dpa-infocom, dpa:260709-930-357225/1