Datum09.07.2026 08:40
Quellewww.spiegel.de
TLDRVolkswagen plant ab 2031 die Auslaufproduktion in den Werken Zwickau und Emden, gefolgt von Hannover (2032) und Neckarsulm (2034). Ziel ist die Senkung der Investitionen um 50 Milliarden Euro und die Verdreifachung der Rendite bis 2030. Dies soll durch Produktionsverlagerung nach Osteuropa und mögliche Verkäufe deutscher Werke erreicht werden. Der Plan trifft auf Widerstand im Aufsichtsrat und bei der Politik.
InhaltDeutschlands größter Autokonzern will massiv sparen: In fünf Jahren soll die Produktion nach SPIEGEL-Informationen in Zwickau und Emden auslaufen. Zudem sollen Investitionen um rund 50 Milliarden Euro sinken. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Der Volkswagen-Vorstand um Konzernchef Oliver Blume will in fünf Jahren die Produktion in den VW-Werken in Zwickau und Emden auslaufen lassen. Das Nutzfahrzeugwerk in Hannover soll 2032 folgen, das Audi-Werk in Neckarsulm 2034. Das erfuhr der SPIEGEL aus Aufsichtsratskreisen. In den vier deutschen Werken arbeiten rund 40.000 Menschen. Zudem will der VW-Chef 50.000 Stellen bis 2030 streichen. Ein Sprecher des Aufsichtsrates und ein Vertreter der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat lehnten einen Kommentar ab. Damit verschärft Blume noch einmal seinen Plan für die Zukunft des größten deutschen Autokonzerns, den er heute Nachmittag dem VW-Aufsichtsrat vorstellen will. Bislang hatte der Vorstand dem Aufsichtsrat Szenarien skizziert, in denen der Auslauf der Werke ab 2032 beginnt. Blume will Volkswagens schwache Rendite bis 2030 auf neun Prozent mehr als verdreifachen. Helfen soll dabei unter anderem durch eine massive Senkung der Investitionen, von zuletzt 180 auf 135 Milliarden Euro im Zeitraum von 2027 bis 2031. Die beiden Pläne sind eng miteinander verknüpft: Blume setzt darauf, die Modelle, die bislang in deutschen Werken gebaut werden, künftig in günstigeren osteuropäischen Werken zu bauen. Investitionen sollen dann in Werke wie den VW-Standort in Bratislava oder das Audi-Werk in Györ fließen. Für die deutschen Standorte sollen andere Zwecke gefunden werden, etwa ein Verkauf an Rüstungsunternehmen. Volkswagen verdient mit seinen Autos immer weniger Geld: Die operative Rendite lag im ersten Quartal 2026 bei nur 3,3 Prozent, weit unter dem Ziel von 8 bis 10 Prozent. Hauptgründe sind der Absatzeinbruch in China, einst Volkswagens wichtigster Markt, durch heimische Konkurrenten wie BYD oder Donald Trumps Auto-Zölle, die den Konzern mit fünf Milliarden Euro pro Jahr belasten. Zudem muss Volkswagen, zu dem Marken wie Audi oder Porsche gehören, parallel in Elektromobilität und Verbrenner investieren. Im Aufsichtsrat, der heute ab 14.30 Uhr in Wolfsburg tagt, wird massiver Widerstand gegen den Plan erwartet. Einerseits aus dem Arbeitnehmerlager um Betriebsratschefin Daniela Cavallo, andererseits von Land Niedersachsen, das 20 Prozent der Stimmrechte bei Volkswagen hält. Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und seine grüne Vize Julia Willie Hamburg hatten sich in den vergangenen Wochen gegen Werksschließungen positioniert. Allerdings enthält Blumes Maßnahmenkatalog auch einen Plan, den Widerstand Niedersachsens zu umgehen. Er würde die Marke VW, die bislang gesellschaftsrechtlich mit dem Konzern verwoben ist, als gewöhnliche Tochtermarke wie Audi oder Skoda unter dem Konzerndach aufhängen. Das VW-Gesetz, das den Einfluss des Landes Niedersachsen auf derartige Entscheidungen sichert, würde damit de facto ausgehebelt. Auch die sogenannte Komponente, Volkswagens interner Zulieferer, der etwa Werke in Kassel, Braunschweig oder Salzgitter betreibt, würde als eigene Einheit unter dem Konzerndach aufgestellt. Auf Schließungen dieser Werke hätte Niedersachsen dann künftig weniger Einfluss. Dass Blumes Plan heute im Aufsichtsrat Zustimmung findet oder überhaupt zur Abstimmung kommt, gilt als ausgeschlossen. Schon im Präsidium, das seit acht Uhr tagt, soll immer noch hart um den Wortlaut der Beschlussfassung gerungen werden – schon das deutet auf eine ungewöhnlich harte Auseinandersetzung hin: In dem Spitzengremium, in dem unter anderem Aufsichtsratschef Hans-Dieter Pötsch und IG-Metall-Chefin Christiane Benner sitzen, werden die Sitzungen normalerweise mit kühlem Kopf vorbereitet.