Bundespolizei registriert mehr Gewaltdelikte - Jahresbilanz für 2025

Datum09.07.2026 07:23

Quellewww.spiegel.de

TLDRLaut Jahresbericht 2025 registrierte die Bundespolizei 4,2 % mehr Gewaltdelikte, darunter auch Angriffe auf Einsatzkräfte. Die Gesamtzahl der Straftaten sank jedoch um 5,8 %, hauptsächlich wegen weniger Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz. Grenzkontrollen, seit 2024 flächendeckend, werden als wirksam eingeschätzt. Ihre Fortsetzung hängt vom Gelingen der EU-Asylreform ab. Die Rückführungsquote bleibt niedrig, während die Mitarbeiterzahl der Bundespolizei leicht stieg.

InhaltMehr Gewalt, weniger Straftaten: Die Bundespolizei hat ihren aktuellen Jahresbericht vorgestellt. Darin geht es auch um die Grenzkontrollen. Die Bundespolizei hat im vergangenen Jahr mehr Gewaltdelikte an Bahnhöfen und anderen Orten, an denen sie für die Sicherheit zuständig ist, registriert. Wie aus dem Jahresbericht der Bundespolizei für 2025 hervorgeht, stieg die Zahl der Gewaltdelikte im Vergleich zum Jahr zuvor um 4,2 Prozent auf rund 35.400 Fälle. Gemäß der Eingangsstatistik der Bundespolizei zählen zur Gewaltkriminalität sämtliche Körperverletzungs- und Raubdelikte, Straftaten gegen das Leben, Widerstand gegen die Staatsgewalt sowie Straftaten gegen die persönliche Freiheit sowie Taten, die sich gegen die öffentliche Ordnung richten. Sexualdelikte werden separat erfasst. Bei Gewaltdelikten mit bekannten Tatverdächtigen lag der Anteil deutscher Staatsangehöriger demnach bei 53 Prozent. Ein Messer sei bei 3,9 Prozent aller Gewaltdelikte mitgeführt worden. Die Zahl der Angriffe auf Einsatzkräfte der Bundespolizei stieg den Angaben zufolge um 7,4 Prozent auf 3185. Neben Faustschlägen und Tritten zählten dazu unter anderem auch Bisse und Spuck-Attacken. Verletzt wurden demnach 818 Polizistinnen und Polizisten – ein Anstieg um 1,7 Prozent. 53 Prozent derjenigen, die Einsatzkräfte angriffen, standen laut Bundespolizei unter dem Einfluss berauschender Mittel. Die Zahl der im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei – also vor allem auf dem Gebiet der Bahnanlagen, an 13 Flughäfen und an den Grenzen – registrierten Straftaten sei 2025 insgesamt um 5,8 Prozent auf rund 604.700 gesunken, hieß es. Dies liegt demnach vorwiegend daran, dass weniger Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz festgestellt wurden. An allen deutschen Landesgrenzen gibt es seit dem 16. September 2024 Grenzkontrollen bei Einreisen, zuvor war das bereits teilweise der Fall. Die Zahl der Menschen, die in Deutschland erstmals Asyl beantragt haben, ist seit 2023 deutlich gesunken. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat in Aussicht gestellt, die deutschen Binnengrenzkontrollen zu lockern, sollte die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (Geas) so funktionieren, wie von den EU-Mitgliedstaaten erhofft. Im Schengenraum sind Kontrollen an den Binnengrenzen eigentlich nicht vorgesehen. Wenn Mitgliedstaaten sie dennoch vorübergehend einführen, muss die EU-Kommission darüber vorab informiert werden. Auch eine Begründung wird verlangt. Die Kontrollen an den deutschen Landgrenzen gelten aktuell bis September 2026. Aus Sicht von Bundespolizeipräsident Dieter Romann erfüllen sie ihren Zweck: "Die flexiblen und smarten Grenzkontrollen haben auch 2025 ihre Wirkung gezeigt." Ob und wie lange sie weiter fortgesetzt würden, hänge auch vom Gelingen und der Wirkung der Geas-Reform ab. Von den 58.795 Rückführungen, die im vergangenen Jahr geplant wurden, scheiterten laut Bundespolizei 34.848 – in mehr als 33.000 Fällen bereits vor der Übergabe der Ausreisepflichtigen durch die Länder an die Bundespolizei. Wie bereits in den Jahren zuvor stieg die Zahl der Beschäftigten der Bundespolizei den Angaben zufolge auch 2025 an – und zwar um 0,7 Prozent auf 55.369 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Stichtag 31. Dezember. Neue Aufgaben kamen etwa bei der Drohnenabwehr hinzu. Die Zahl der Einsatzstunden sank laut Jahresbericht im gleichen Zeitraum um rund 6,4 Prozent. Die Zahl der Einsatzstunden der Bundespolizisten für Grenzschutz-Aufgaben stieg demnach um 5,2 Prozent. Dobrindt dankte den Bundespolizistinnen und Polizisten für ihren Einsatz an den Grenzen. Dieser trage dazu bei, "dass wir das Migrationsgeschehen neu ordnen konnten". Durch die Maßnahmen seien seit Mai 2025 "über 32.000 illegale Einreisen unmittelbar verhindert, Schleuserkriminalität eingedämmt und das Asylsystem entlastet worden".