Datum09.07.2026 04:15
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Feuerwehr in Baden-Württemberg bereitet sich trotz mangelnder Waldbranderfahrung auf wachsende Gefahren durch den Klimawandel vor. Man orientiert sich an süd- und osteuropäischen Länder, wo Waldbrände häufiger vorkommen. Gemeinsame Strategien mit Forstbehörden und verbesserte Ausrüstung, wie geländegängige Fahrzeuge und spezielle Löschwasserbehälter, sind geplant. Ein Defizit besteht bei leichter Schutzkleidung für Brände in heißen Umgebungen.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Waldbrandgefahr“. Lesen Sie jetzt „Wie die Feuerwehr gegen Waldbrände aufgestellt ist“. Extreme Trockenheit, ausgedörrte Wälder und ein Funke: Die Gefahr großer Waldbrände wächst auch in Baden-Württemberg. Die Feuerwehr bereitet sich gezielt auf Szenarien vor, die lange vor allem aus Südeuropa bekannt waren. "Wir nehmen den Klimawandel wahr und bereiten uns darauf vor. Der nächste große Waldbrand ist nur eine Frage der Zeit", sagt Stefan Hermann, Kommandant der Feuerwehr Reutlingen und Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbandes Baden-Württemberg. Längere Trockenphasen erhöhten auch im Südwesten die Wahrscheinlichkeit, dass aus kleinen Brandherden rasch größere Lagen werden. Das Waldbrandmanagement werde daher immer wichtiger, sagt Hermann. Und die Feuerwehr hole sich Wissen dort, wo große Brände Routine seien. Deswegen ist er zurzeit in Kroatien bei einer Schulung. "Die kroatischen Kollegen machen große Erfolge beim Thema Waldbrand. Dort brennt es aber auch anders." Baden-Württemberg ist laut der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg bisher kein klassisches Waldbrandgebiet. Wegen des Klimawandels will die Feuerwehr jedoch "vor der Lage bleiben", sagt Hermann. Das bedeute mehr gemeinsame Vorbereitung mit Forst und Behörden. Ein Baustein dieser neuen Vorbereitung ist die Plattform "Integriertes Waldbrandmanagement", in der Behörden und Organisationen Empfehlungen erarbeiten. Enthalten sind darin konkrete Strategien für den Waldbrandschutz im Land, wie etwa zur Vegetationsbrandbekämpfung in Baden-Württemberg. Neben Prävention setzt man auf Tandems aus Forst und Feuerwehr bei der Brandbekämpfung am Boden. Ob das gelingt, hängt auch davon ab, wie schnell Einsatzkräfte an die Brandstelle kommen - und welche Technik ihnen im Gelände zur Verfügung steht. Baden-Württemberg habe den Vorteil, dass in jeder Gemeinde, in fast jedem Ortsteil oder Stadtteil eine Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr sei. "Das heißt, sobald es aus dem Wald rausraucht und es jemand erkennt, wählt er die 112 und 10 Minuten später ist das erste Feuerwehrauto da", sagt Hermann. Dann komme es nur auf gutes Handwerk an und der Waldbrand werde in der Entstehungsphase schnell gelöscht. Wenn das Feuer eskaliere, rufe die Feuerwehr weitere Einheiten zur Verstärkung. Samt Spezialfahrzeugen. Baden-Württemberg hat laut dem Innenministerium den Vorteil, dass es ein sehr umfangreiches Waldwegenetz hat. "Das heißt, zwischen zwei Waldwegen sind erfahrungsgemäß maximal 300 bis 500 Meter. Das heißt, man kann nah an Waldbrände heranfahren und das heißt, ich brauche nicht an jeder Stelle Spezialfahrzeuge", sagt Hermann. Die Gemeindefeuerwehren greifen laut dem Innenministerium auf rund 1.000 geländegängige Tanklöschfahrzeuge sowie Spezialfahrzeuge für die Waldbrandbekämpfung und die Löschwasserförderung zurück. Bei außergewöhnlichen Einsatzlagen unterstützen aus der Luft Hubschrauber der Polizei, die mit Außenlast-Löschwasserbehältern ausgerüstet sind. Und auch auf spezielle Fahrzeuge mit der Bezeichnung TLF-W (steht für Tanklöschfahrzeug Waldbrand) könne die Feuerwehr neuerdings im Notfall zugreifen, sagt Hermann. Sechs Stück habe das Land angeschafft. Sie seien auf sechs Standorte verteilt. "Vier davon sollen immer einsatzbereit sein im Rahmen des europäischen Katastrophenschutzes für Einsätze im Ausland." Trotz Wege-Netz und vieler Fahrzeuge gibt es Lücken – besonders bei der Ausstattung für Vegetationslöschungen, sagt Hermann. Es fehle an geeigneter Kleidung. "Wir haben Schutzkleidung, die dafür da ist, uns zu schützen, wenn ein Gebäude brennt und wir in das brennende Gebäude reingehen, um Menschen zu retten. Das heißt, die ist schwer, die ist dick, die schützt vor Stichflammen." Wenn man aber draußen bei großen Temperaturen arbeite, zum Beispiel beim Waldbrand oder auch bei einem Verkehrsunfall – also Hitzesituationen – brauche die Feuerwehr leichtere Kleidung. "Sonst werden uns die Leute viel zu schnell müde, sie sind verschwitzt und verlieren Flüssigkeit und erschöpfen viel zu schnell." In Baden-Württemberg gebe es 120.000 Einsatzkräfte bei den Freiwilligen Feuerwehren. Die wenigsten hätten dieses leichte Schutzoutfit. Genau deshalb setze man auf Schulungen und gemeinsame Taktik-Standards. Selbstkritisch sagt Hermann: "Uns fehlt es an Erfahrung für große Waldbrände. Stand jetzt." Man profitiere von den Erfahrungen der kroatischen Kollegen. "Sie können uns sowohl bei den einfachsten handwerklichen Tätigkeiten bei der Bekämpfung eines Waldbrandes als auch bei Taktik und strategischer Schulung helfen." Der gravierende Unterschied zwischen Wald- und Gebäudebrand sei, dass das Feuer sich im Feld bewege, sagt Hermann. "Beim Vegetationsbrand ist es so, dass das Feuer davon marschiert und alles bedroht, was noch vor ihm liegt. Und auf diese Dynamik müssen wir lernen, uns einzustellen." © dpa-infocom, dpa:260709-930-356253/1