Datum08.07.2026 22:54
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie ehemalige Richterin Hannah Dugan aus Wisconsin wurde wegen Behinderung eines ICE-Einsatzes zu einer Geldstrafe von 5000 Dollar verurteilt, statt ins Gefängnis zu gehen. Sie half einem Angeklagten, vor der Festnahme zu fliehen, indem sie ICE-Beamte konfrontierte und den Angeklagten durch eine Seitentür leitete. Das Gericht begründete die milde Strafe mit ihren bisher guten Leistungen. Dugan trat nach dem Vorfall zurück. Sie kündigte Berufung an.
InhaltAls Bezirksrichterin in Wisconsin soll sie einem Einwanderer bei der Flucht vor ICE-Einsatzkräften geholfen haben. Nun erging das Strafmaß für Hannah Dugan. Weil sie sonst eine "gute Person" sei, muss sie nicht ins Gefängnis. Hannah Dugan, eine ehemalige Richterin aus dem US-Bundesstaat Wisconsin, muss wegen der Behinderung eines Einsatzes der Einwanderungsbehörde ICE nicht ins Gefängnis. Stattdessen verurteilte ein US-Gericht die 67-Jährige zu einer Geldstrafe von 5000 Dollar. Dugan war im Dezember wegen Behinderung der Justiz schuldig gesprochen worden; ihr drohten bis zu fünf Jahre Haft. Hintergrund ist ein Vorfall vom April 2025 : Dugan leitete damals eine Verhandlung in Milwaukee, bei der ein mexikanischer Staatsbürger vor Gericht stand, der wegen häuslicher Gewalt angeklagt war. Als FBI-Agenten, Drogenfahnder und Beamte der Einwanderungsbehörde das Gerichtsgebäude betraten und nach dem Mann suchten, soll Dugan die Bundesagenten konfrontiert und nach einem richterlichen Haftbefehl gefragt haben. Die Juristin soll die Beamten an den Obersten Bezirksrichter verwiesen haben und in den Saal zurückgekehrt sein. Dort habe sie den Angeklagten und seinen Anwalt durch eine Seitentür in einen nicht öffentlichen Bereich geleitet. Der Angeklagte versuchte demnach, das Gebäude unbemerkt zu verlassen. Die Beamten hätten ihn erst auf der Straße gefasst, nach einer kurzen Verfolgung zu Fuß. Der Bezirksrichter begründete die milde Strafe für Dugan damit, dass sie sonst eine "gute Person" sei und in dem Moment eine schlechte Entscheidung getroffen habe. Außerdem merkte der Richter an, dass Dugans Handlungen die ICE-Beamten nicht davon abhielten, den Angeklagten vor dem Gerichtsgebäude zu verhaften. Im Januar trat Dugan unter dem Druck republikanischer Abgeordneter, die ihr mit einem Amtsenthebungsverfahren drohten und sie als "aktivistische Richterin" bezeichneten, als Bezirksrichterin im Milwaukee County zurück. Das Amt hatte sie neun Jahre lang innegehabt. In ihrem Rücktrittsschreiben erklärte sie, die strafrechtliche Verfolgung bedrohe "die Unabhängigkeit unserer Justiz". Dugan sagte vor Gericht, sie habe mit ihrem Verhalten Anstand und Sicherheit im Gericht wahren wollen. Nach eigenen Angaben habe sie wegen Drohungen gegen sich und ihre Familie ihr öffentliches Leben weitgehend aufgegeben. Dugans Verteidiger kündigten an, gegen die Verurteilung in Berufung zu gehen.