Datum08.07.2026 15:52
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie EU-Kommission erlaubt Deutschland zusätzliche Hilfen für energieintensive Branchen. Gestattet wird die Ausweitung der Strompreiskompensation, die Unternehmen von CO₂-Emissionshandelskosten entlastet und Produktionsverlagerung verhindern soll. Rund 20 weitere Branchen, darunter Chemie und Glas, können nun profitieren. Dies sichert industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Zusätzlich ist ein staatlich subventionierter Industriestrompreis für 2026-2028 geplant, der mit der Strompreiskompensation kombinierbar ist.
InhaltDie deutsche Industrie steckt in der Krise, hohe Stromkosten werden für energieintensive Branchen teils existenzbedrohend. Nach einer Entscheidung aus Brüssel darf die Bundesregierung ihnen nun zusätzlich unter die Arme greifen. Die Bundesregierung darf energieintensive Unternehmen in Deutschland zusätzlich unterstützen. Die EU-Kommission genehmigte dafür nach Angaben des Wirtschaftsministeriums sowie des Umweltministeriums die Ausweitung der sogenannten Strompreiskompensation. Mit dieser werden Firmen indirekt von Kosten des CO₂-Emissionshandels entlastet. Ziel ist es, eine Verlagerung von Produktion ins Ausland zu verhindern. Mit der Entscheidung aus Brüssel könnten rückwirkend für das Abrechnungsjahr 2025 weitere energie- und handelsintensive Branchen bei ihren Stromkosten entlastet werden, hieß es von den Ministerien. Zugleich steige die Förderintensität für bereits beihilfeberechtigte Unternehmen. "Damit können zusätzlich rund 20 weitere Branchen von der Strompreiskompensation profitieren." Eine Erweiterung mit einem solchen Umfang habe es bislang noch nicht gegeben, sagte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). "Damit wird industrielle Wertschöpfung in Deutschland erhalten, und es werden gute Arbeitsplätze gesichert." Zu den neuen Sektoren zählten unter anderem Unternehmen der organischen Chemie und der Glasindustrie. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) sage, es werde Planungssicherheit für Unternehmen geschaffen und industrielle Wertschöpfung gesichert. Die Bundesregierung hatte außerdem für die Jahre 2026 bis 2028 einen neuen, staatlich subventionierten und vergünstigten Industriestrompreis für energieintensive Unternehmen eingeführt. Er gilt für einen Teil des Verbrauchs und unter bestimmten Bedingungen. Die Beihilfe wird im Jahr nach dem Abrechnungsjahr ausgezahlt. Der Industriestrompreis kann unter bestimmten Voraussetzungen auch mit der Strompreiskompensation kombiniert werden. Auf europäischer Ebene soll die energieintensive Stahlindustrie nach Vorstellung der EU-Kommission zusätzlich davon profitieren, dass ein Mindestanteil des Materials, etwa für öffentliche Bauwerke oder geförderte Elektroautos, künftig verpflichtend "Made in Europe" sein soll. Deutschland hat in der Europäischen Union die größte Stahlindustrie.