Donald Trump wütet wegen Grönland, Iran, Spanien – und so reagiert die Welt

Datum08.07.2026 15:42

Quellewww.spiegel.de

TLDRUS-Präsident Trump sorgt auf dem Nato-Gipfel mit scharfen Angriffen für Spannungen. Er droht Spanien mit Handelsabkommen und dem Iran mit weiterer Eskalation. Auch die Nato-Partner verärgert er mit seinem erneuten Interesse an Grönland. Selbst Nato-Generalsekretär Rutte widerspricht Trump ungewöhnlich deutlich. EU-Kommission betont die Souveränität ihrer Mitgliedsstaaten. Trumps öffentliches Auftreten steht im Kontrast zu internen Gesprächen.

InhaltSchluss mit "Daddy": Die jüngsten Attacken des US-Präsidenten gegen Nato-Partner gehen selbst Generalsekretär Rutte zu weit. Deutlich ist auch die Ansage aus Kopenhagen. Beim Nato-Gipfel in der Türkei hat Bundeskanzler Friedrich Merz den guten "Geist von Ankara" beschworen, der Europäer und Amerikaner in der Nato wieder zusammenschweißen soll. Nur einer will offenbar nicht mitmachen: Donald Trump. Der US-Präsident zerstörte die Hoffnung auf ein geschlossenes Auftreten mit scharfen Attacken gegen Verbündete und einem erneuten Griff nach Grönland. Und dann kam es während des Gipfels auch noch zur neuen Eskalation in dem Krieg, den viele europäische Verbündete kritisch sehen. Bei einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte sagte Trump, dass die Waffenruhe mit Iran aus seiner Sicht beendet sei. Öffentlich sagte der US-Präsident, nach den Attacken in der vergangenen Nacht werde man "wahrscheinlich" auch in der kommenden Nacht "hart" angreifen. Noch vor der Arbeitssitzung kündigte Trump an, die Handelsbeziehungen mit Spanien wegen fehlender Unterstützung im Irankrieg zu beenden. Wohl auch, weil Spanien zu den Ländern gehörte, die den USA die Nutzung von Militärbasen für Angriffe auf Iran verweigern. Spanien war dem US-Präsidenten aber schon vorher ein Dorn im Auge, weil Ministerpräsident Pedro Sánchez das vor einem Jahr beschlossene Nato-Ziel, fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Verteidigung auszugeben, nicht einhalten will. "Spanien ist ein furchtbarer Partner in der Nato. Sie nehmen nicht teil, sie zahlen nicht", sagte Trump bei seinem Treffen mit Rutte am Rande des Gipfels. "Ich will mit ihnen keinen Handel mehr treiben." Trumps Vorhaben ist allerdings leichter gesagt als getan, denn Spanien ist Mitglied der Europäischen Union und des europäischen Binnenmarktes. In Handelsfragen haben die Mitgliedsländer ihre Kompetenzen weitgehend an die EU-Kommission in Brüssel abgegeben, die für die Mitgliedstaaten spricht und verhandelt – auch in Streitfragen wie bei Zöllen. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte am Mittwoch, Brüssel werde für "die Interessen der Europäischen Union und all unserer Mitgliedstaaten" einstehen. Er forderte Trump auf, sich an seine Zusagen im Rahmen einer Handelsvereinbarung mit der EU aus dem vergangenen Jahr zu halten. Zwischenzeitlich ging das Poltern des US-Präsidenten aber selbst Rutte zu weit, der als oberster Trump-Versteher unter den Europäern gilt. Zuletzt umgarnte der Nato-Generalsekretär den 80-Jährigen im Oval Office mit schmeichelnden Grafiken, beim vergangenen Nato-Gipfel in Den Haag nannte er Trump sogar "Daddy". In Ankara gab er ihm ungewöhnlicherweise Widerworte, fiel ihm sogar ins Wort. 5000 Flugzeuge seien zur Unterstützung der US-Offensive gegen Iran aus Europa abgehoben, entgegnete Rutte. Damit bezog er sich auf Starts der US-Luftwaffe, insbesondere von US-amerikanischen Militärstützpunkten wie Ramstein in Rheinland-Pfalz. Trump beklagte daraufhin, dass nicht alle Verbündeten die Nutzung von US-Basen auf ihrem Territorium für Angriffe gegen Iran erlaubt hätten. "5000 ist...", setzte Trump an, nur um von Rutte unterbrochen zu werden: "gewaltig", sagte der Nato-Chef. Auch das Thema Grönland warf Trump auf offener Bühne erneut auf; er bekräftigte, die Insel zu beanspruchen, die zum Königreich Dänemark gehört – ebenfalls ein Nato-Partner. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen wies die Forderung scharf zurück. Grönland gehört zwar zum Königreich Dänemark, genießt aber weitgehende Autonomie und Selbstverwaltung. Daran erinnerte Frederiksen Trump und forderte ihn auf, die Selbstbestimmung Grönlands zu respektieren. "Grönland steht natürlich nicht zum Verkauf", machte sie grundsätzlich klar. "Natürlich werden wir das Königreich Dänemark verteidigen." Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen trat er hinter verschlossenen Türen beim Gipfel allerdings ganz anders auf, "in keiner Weise vorwurfsvoll", wie es hieß. Grönland sei kein Thema gewesen, Spanien auch nicht. Der öffentliche und der interne Auftritt stünden "in einem gewissen Kontrast". Der Super-GAU blieb immerhin aus. Trump reiste nicht vorzeitig ab und nahm am Mittag wie geplant an der Arbeitssitzung des Gipfels teil.