Extremwetter im Frühsommer: Offizielle Statistik weist mehr als 5500 zusätzliche Todesfälle während der Juni-Hitze aus

Datum08.07.2026 15:23

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie Hitzewelle Ende Juni führte in Deutschland zu über 5500 zusätzlichen Todesfällen, einem deutlichen Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Laut dem Statistischen Bundesamt starben in der betreffenden Woche 5655 mehr Menschen als üblich. Experten sehen einen klaren, wenn auch schwer exakt zu quantifizierenden Zusammenhang mit den Rekordtemperaturen, die auch andere europäische Länder trafen. Die Klimakrise verschärfe diese Problematik zukünftig.

InhaltWährend der Hitzewelle Ende Juni sind in Deutschland deutlich mehr Menschen gestorben als für diese Jahreszeit üblich. Experten sehen einen klaren Zusammenhang mit den Rekordtemperaturen. Während der Hitzewelle im Juni sind in Deutschland deutlich mehr Menschen gestorben. Das zeigen Daten des Statistischen Bundesamts , die zwischen dem 22. und dem 28. Juni erhoben wurden. Demnach sind in dem Zeitraum nach vorläufigen Zahlen 5655 mehr Menschen gestorben als im Mittel der vergangenen drei Jahre. Insgesamt gab es in der letzten Juniwoche dieses Jahres 23.655 Todesfälle. Die Hitzewelle traf auch andere europäische Länder schwer. Unter anderem meldete Spanien ebenfalls höhere Übersterblichkeit bei Temperaturen über 40 Grad. An vielen Messestationen auf dem Kontinent wurden lokale Rekorde gemessen – auch in Deutschland. Hierzulande erreichten die Temperaturen in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt zuletzt 41,8 Grad. (Lesen Sie hier mehr über die Auswirkungen des Extremwetters .) Wenngleich die hohen Todeszahlen höchstwahrscheinlich mit dem Extremwetter zusammenhängen, kann nicht ohne Weiteres von Hitzetoten die Rede sein. Solche Todesfälle lassen sich nur schwer ermitteln. "Dass die hohen Temperaturen Einfluss nehmen, ist unstrittig – aber in welchem Umfang ist oft unklar", sagte der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Köln, Alexander Lechleuthner, der Nachrichtenagentur dpa. Vor allem bei Menschen, die bereits durch Faktoren wie ein hohes Alter oder Erkrankungen vorbelastet waren, lasse sich deshalb oft ein direkter oder indirekter Zusammenhang zwischen Todesfällen und der Hitze nicht eindeutig nachweisen. Auch in Todesbescheinigungen werde letztlich nicht die Hitze als Ursache des Versterbens angegeben, meinte der medizinische Geschäftsführer der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens. "Der Zusammenhang zwischen überhöhten Sterbezahlen und Hitze ist unbestritten", sagte Alexandra Schneider, stellvertretende Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum München laut der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Es ist klar, dass Hitze zu mehr Todesfällen führt. Das zeigte sich bereits während der Hitzewelle 2003, als die Zahl der Todesfälle an den Tagen mit extremen Temperaturen und in deren Folge sprunghaft anstieg." Durch die Klimakrise werde Hitze als Risikofaktor weiter zunehmen, sagte Janssens. "Wir haben mit hoher Sicherheit mehr hitzeassoziierte Todesfälle als Verkehrstote". Hohe Temperaturen in Patientenzimmern, schweißtreibende Schutzkleidung und ermattete Pfleger: Deutschlands Kliniken sind für Hitzewellen kaum gerüstet. Eine Berliner Klinik zeigt, wie es anders geht. Lesen Sie hier mehr dazu .