Rassemblement National : Marine Le Pen kündigt gemeinsamen Wahlkampf mit Jordan Bardella an

Datum08.07.2026 13:47

Quellewww.zeit.de

TLDRMarine Le Pen will entgegen früherer Überlegungen doch selbst bei der Präsidentschaftswahl antreten und wird dabei von Parteichef Jordan Bardella unterstützt. Sie hält an ihrer Kandidatur fest, trotz einer Verurteilung wegen Veruntreuung von EU-Geldern, gegen die sie Revision einlegen will. Juristen sind sich uneins, ob ihr passives Wahlrecht durch das Urteil beeinträchtigt wird. Le Pen liegt in Umfragen deutlich vorn und strebt zum vierten Mal das Präsidentenamt an.

InhaltFür den Fall einer Verurteilung wollte sie Jordan Bardella ins Rennen schicken. Marine Le Pen will doch selbst kandidieren. Unterstützen soll sie dabei der Parteichef. Frankreichs Rechtsnationale Marine Le Pen will gemeinsam mit dem Parteichef ihres Rassemblement National (RN), Jordan Bardella, in den Präsidentschaftswahlkampf ziehen. Das sagte Le Pen bei einem ersten Wahlkampfauftritt mit Bardella im westfranzösischen La Flèche. Am Vorabend hatte sie angekündigt, dass sie trotz einer Verurteilung zu einer Haftstrafe mit Fußfessel im kommenden Frühjahr für das Präsidentenamt kandidieren wird. Zuvor hatte sie noch erwogen, in diesem Falle Bardella ins Rennen zu schicken. Gegen das Urteil des Pariser Berufungsgerichts vom Dienstag werde sie Revision einlegen, da sie sich für unschuldig halte, sagte Le Pen. Die Wähler müssten selbst beurteilen, was sie von dem Urteil halten. "Ich denke, sie wissen ganz genau, dass die uns vorgeworfenen Taten keinesfalls eine strafrechtliche Verurteilung rechtfertigen." Ein Berufungsgericht hatte Le Pen wegen Veruntreuung von EU-Geldern unter anderem zu einem Jahr Hausarrest mit einer elektronischen Fußfessel verurteilt. Ob die 57-Jährige im nächsten Frühjahr tatsächlich antreten kann, spaltet noch die Juristen und wird auch vom Ausgang der von ihr angekündigten Berufung gegen das Urteil abhängig sein. Es verhängte ein Jahr Haft mit Fußfessel und entzog ihr das passive Wahlrecht für 15 Monate. Diese hat Le Pen seit dem Urteil in erster Instanz aber bereits verbüßt. Weitere 30 Monate sind auf Bewährung ausgesetzt. Juristen aber sind sich uneins, ob mit Einlegen der Revision nicht wieder der befristete Entzug des passiven Wahlrechts für fünf Jahre und mit sofortiger Wirkung aus erster Instanz greift. Wenn dies der Fall ist, wäre eine Kandidatur nämlich unmöglich – ganz unabhängig davon, was bei der Revision herauskommt. Bardella, den viele schon als RN-Präsidentschaftskandidaten gesetzt sahen, sagte in seiner ersten Reaktion, er freue sich über das Antreten von Le Pen. "Wir freuen uns also darüber und werden natürlich weiterhin Hand in Hand zusammenarbeiten, so wie wir es schon immer getan haben." Bardella sagte weiter: "Ich freue mich riesig, dass wir gemeinsam mit Marine wieder in den Wahlkampf ziehen können, denn Millionen Franzosen sehnen sich heute nach Veränderung." Le Pens Chancen, in die Stichwahl einzuziehen, sind gut. In den Umfragen liegt sie seit Monaten mit gut über 30 Prozent deutlich vorne. Dreimal schon war sie bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich angetreten. Während sie 2012 noch auf dem dritten Platz landete, konnte sie in den vergangenen Jahren deutlich an Zuspruch gewinnen. Sowohl 2017 als auch 2022 landete sie gegen Mitte-Kandidat Emmanuel Macron in der Stichwahl und verlor gegen den politischen Senkrechtstarter beziehungsweise bisherigen Präsidenten. Dennoch steigerte Le Pen ihr Ergebnis bei jeder Wahl. Dass sie auch 2022 so deutlich gegen Macron verlor, ist dem Umstand geschuldet, dass viele aus dem linken Lager Macron wählten, um Le Pens Sieg um jeden Preis zu verhindern. Wie die Chancen stehen, dass Le Pen im kommenden Jahr tatsächlich zur Präsidentin gewählt wird, hängt sehr entscheidend auch davon ab, wer für die anderen politischen Lager ins Rennen geht. Diese aber haben sich noch nicht klar sortiert, bis auf Frankreichs Linkspartei, für die erneut deren Anführer Jean-Luc Mélenchon kandidiert. Der französische Präsident wird auf fünf Jahre direkt vom Volk gewählt. Für die Wahl ist eine absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen notwendig. In der Regel fällt die Entscheidung daher in einer Stichwahl zwischen den beiden Bewerbern mit den meisten Stimmen. Die Wahl dürfte im kommenden April und Mai stattfinden.