Irankrieg: Europäischer Erdgaspreis legt nach Angriffen zu

Datum08.07.2026 13:02

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer Irankrieg beeinflusst den europäischen Erdgaspreis, der nach US-Angriffen auf den Iran gestiegen ist. Experten befürchten Auswirkungen auf die kommende Heizperiode. Die Spannungen in der Straße von Hormus und die damit verbundenen Sanktionen belasten die LNG-Produktion und den Transport. Da Europas Gasspeicher nur gering gefüllt sind, steigt die Nervosität an den Märkten, da asiatische Länder vermehrt auf den Spotmarkt ausweichen.

InhaltDie erneuten Angriffe der USA und Irans treffen auch den Gasmarkt in Europa. Die Preise steigen, Experten fürchten Auswirkungen auf die nächste Heizperiode. Die erneute Eskalation des Krieges zwischen den USA und Iran hat den europäischen Erdgaspreis nach oben getrieben. An der Börse in Amsterdam zog am Mittwoch der Preis für den richtungweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung im September auf zuletzt 49,27 Euro je Megawattstunde (MWh) an. Das waren 5,8 Prozent mehr als am Vortag. Nach der jüngsten Eskalation im Irankrieg hatte US-Präsident Donald Trump ist die Waffenruhe für beendet erklärt. Er halte es für reine Zeitverschwendung, sich mit Vertretern Irans abzugeben. Er werde seine Unterhändler aber weiter mit Iran reden lassen, wenn diese es wünschen, sagte Trump am Rande des Nato-Gipfels in Ankara. Der Erdgaspreis war bereits vor den Aussagen von Trump gestiegen. In Reaktion auf Attacken gegen einen katarischen LNG-Tanker am Rand der Straße von Hormus hatten die USA Dutzende Ziele in Iran angegriffen. Zudem setzten sie Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft. Irans Militär kündigte laut Medienberichten eine Reaktion darauf an. Kurz darauf meldete die Armee des mit Washington verbündeten Golfstaats Kuwait feindlichen Beschuss. Bereits am Dienstag war der Erdgaspreis gestiegen, nachdem Iran Tanker angegriffen hatte. Am Montagabend hatte der TTF-Preis noch bei rund 44 Dollar gelegen. Der Erdgaspreis legt aber noch immer unter seinen jüngsten Hochs von Mitte März als der Preis über 60 Dollar gestiegen war. Vor Beginn des Irankriegs hatte er bei rund 30 Dollar gelegen. Der Krieg hatte die LNG-Produktion in Katar stark belastet, der Transport durch die Straße von Hormus ist deutlich zurückgegangen. Da die Gasspeicher in Europa wenig gefüllt sind, ist die Nervosität an den Märkten hoch. "Die LNG-Importe in Europa sind zurückgegangen, da Asien angesichts von Versorgungsengpässen im Nahen Osten zunehmend auf den Spotmarkt zurückgegriffen hat", schrieben die Strategen Warren Patterson und Ewa Manthey von der ING Groep NV in einer Analyse. "Die jüngste erneute Eskalation verstärkt die Sorgen hinsichtlich einer angespannten Versorgungslage, da Europa sich der Heizperiode nähert."