Datum08.07.2026 09:40
Quellewww.zeit.de
TLDRDie italienische Unicredit nähert sich mit einem gestärkten Anteil von über 47 Prozent einer Mehrheit an der Commerzbank. Das Übernahmeangebot, das nach anfänglicher Skepsis mit gestiegenem Unicredit-Aktienkurs attraktiver wurde, ist nun für 17,6 Prozent der Papiere angenommen worden. Unicredit-Chef Orcel plant eine europäische Großbank und sieht Einsparpotenziale sowie Stellenabbau. Sowohl das Commerzbank-Management als auch die Bundesregierung lehnen eine Übernahme ab. Eine vollständige Übernahme hängt von weiteren Aktionärsverkäufen und der Zustimmung von Aufsichtsbehörden ab.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Übernahme-Ringen“. Lesen Sie jetzt „Unicredit nähert sich Mehrheit bei Commerzbank“. Die Unicredit kommt einer Mehrheit bei der Commerzbank näher. Das Übernahmeangebot der Italiener wurde bis Ablauf am 3. Juli für 17,6 Prozent der Commerzbank-Papiere angenommen, teilte die Unicredit mit. Zusammen mit den 26,77 Prozent, die die Großbank aus Mailand schon vor der Offerte hielt, steigt der direkt Unicredit-Anteil an der Commerzbank damit auf gut 44 Prozent. Zudem haben die Italiener über Kaufoptionen zusätzlich Zugriff auf mehr als drei Prozent der Commerzbank-Aktien, halten weitere Finanzinstrumente und kämen so nach eigenen Angaben auf mehr als 47 Prozent. Die Unicredit kann nun an der Börse weitere Commerzbank-Aktien kaufen, steht dabei aber unter Beobachtung der Finanzaufsicht. Mit dem aufgestockten Anteil ist eine Commerzbank-Übernahme wahrscheinlicher geworden. Mit Stand 19. Juni hatte die Unicredit bereits einen Anteil von rund 40 Prozent an der Commerzbank gemeldet plus Finanzinstrumente. Schon zuletzt hatte die Unicredit mit einer Absetzung des Commerzbank-Managements auf der nächsten Hauptversammlung im Frühjahr 2027 gedroht, sollte sie genug Aktionäre hinter sich bringen. Damit eine Übernahme kommt, müssten aber nicht nur weitere Commerzbank-Aktionäre ihre Anteile verkaufen, sondern auch die Aufsichtsbehörden zustimmen, allen voran die Bankenaufsicht der Europäische Zentralbank (EZB) sowie die Wettbewerbshüter der EU-Kommission. Die Unicredit, die im September 2024 bei der Commerzbank eingestiegen war, hatte Anfang Mai ein Übernahmeangebot vorgelegt. Sie bot 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Papier. Umgerechnet lag die Offerte der Unicredit lange unter dem Kurs der Commerzbank-Aktien. Zuletzt wurde das Angebot der Italiener aber mit dem deutlich gestiegenen Aktienkurs der Unicredit attraktiver. Unicredit-Chef Andrea Orcel will mit einer Übernahme der Commerzbank eine europäische Großbank schmieden, auch als Gegengewicht zu den US-Häusern. Er sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen inklusive des Abbaus von 7.000 Stellen bei der Commerzbank. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp lehnt eine Übernahme ebenso ab wie der Bund. © dpa-infocom, dpa:260708-930-351331/1