Datum08.07.2026 07:29
Quellewww.zeit.de
TLDRNach Viktor Orbáns Abwahl haben staatliche ungarische Rundfunksender, insbesondere M1 und Kossuth Radio, den Sendebetrieb eingestellt. Stattdessen wurde eine Entschuldigung für jahrelange Lügen im Sinne der Regierung Orbán gesendet. Der neue Ministerpräsident Peter Magyar kündigte eine Reform der Medienlandschaft an. Kritik an diesem Vorgehen kam von Orbán selbst, der es als "Tisza-Tyrannei" bezeichnete.
InhaltIn Ungarn haben von Viktor Orbán geprägte Sender nach dessen Abwahl den Sendebetrieb eingestellt. Statt des üblichen Programms wurde eine Entschuldigung gesendet. In Ungarn haben die wichtigsten staatlichen Rundfunksender mit Verbindung zum abgewählten Ministerpräsident Viktor Orbán den Sendebetrieb eingestellt. Auf der Frequenz von M1 war ab dem Nachmittag bloß ein schwarzer Bildschirm mit einer Botschaft zu sehen. Dort hieß es: "Die Medien können nicht lügen. Wir entschuldigen uns dafür, dass wir es jahrelang getan haben." M1 ist der Sender, der bis zur Wahlniederlage von Orbán als besonders regierungsfreundlich aufgefallen war. In Ungarn wurde er auch schon als "Propaganda-Schleuder" bezeichnet. Betroffen waren laut örtlichen Zeitungen die Fernsehstation M1 und der Hörfunksender Kossuth Radio. Der jetzige Ministerpräsident Peter Magyar gab bekannt, dass der Sender unter neuer Verwaltung den Betrieb wieder aufnehmen sollte. Vorübergehend sollen aber keine Nachrichtensendungen laufen. Eine ähnliche Regelung bei Kossuth Radio in Kraft. Als eine der meistgehörten Radiostationen des Landes spielte diese bis auf Weiteres nur noch das Musikprogramm eines Partnersenders ab. Magyar schrieb in einem Beitrag auf Facebook von einem historischen Tag. "Heute endet die Ausstrahlung von Propaganda auf den Plattformen der öffentlich-rechtlichen Medien. Sie haben nachts gelogen, sie haben tagsüber gelogen, sie haben über jeden verfügbaren Kanal gelogen. Das ist nun vorbei." In seiner 16-jährigen Amtszeit hatte Orbán laut Kritikern öffentlich-rechtliche Medien faktisch in Staatssender umfunktioniert. Insider der Medienbranche sprachen von Zuständen "wie in Russland". Magyar hatte mit seiner Tisza-Partei die Parlamentswahl im April unter anderem mit dem Versprechen gewonnen, die Medienlandschaft grundlegend zu reformieren. Kritik kam indes von dem abgewählten Regierungschef, wie ungarische Zeitungen berichten. Er sprach von einem "weiteren Schritt der Tisza-Tyrannei".