Mehr als 300 Kinder im Sudan seit Jahresbeginn getötet

Datum08.07.2026 06:42

Quellewww.spiegel.de

TLDRÜber 330 Kinder wurden seit Jahresbeginn im Sudan getötet, die meisten davon in Darfur und Nordkordofan. Drohnenangriffe sind zunehmend für die Opfer verantwortlich, insbesondere auf fliehende Familien und humanitäre Helfer. UNICEF warnt vor einem Kreislauf der Gewalt, dem Kinder schutzlos ausgeliefert sind. Seit Kriegsausbruch im April 2023 wurden mindestens 5000 Kinder getötet oder verstümmelt. Militärische Auseinandersetzungen zwischen Armee und RSF dauern an, was die größte humanitäre Krise der Welt verschärft.

InhaltSie sind zwischen zwei Monaten und 17 Jahren alt: Die Konfliktparteien im Sudan töten auch viele Kinder. Die Waffe der Wahl? Immer häufiger Drohnen. Mindestens 330 Kinder sind im Sudan laut einem Unicef-Bericht seit Jahresbeginn getötet worden. Die meisten Opfer wurden erneut aus den vom Krieg besonders betroffenen Bundesstaaten Darfur und Nordkordofan gemeldet, teilte das Uno-Kinderhilfswerk mit. Besonders besorgniserregend sei die Entwicklung in Obeid, dem Hauptort von Nordkordofan. Um die als Knotenpunkt für Geflüchtete und humanitäre Hilfe wichtige Stadt hätten die Angriffe zuletzt deutlich zugenommen. Seit Mai wurden dort demnach mehr als 18 Kinder getötet und mehr als 17 Kinder verletzt. Die betroffenen Kinder waren zwischen zwei Monaten und 17 Jahren alt. Rund 60 Prozent dieser Opfer sind den Berichten zufolge auf Drohnenangriffe zurückzuführen. "Kinder geraten in einen unaufhörlichen Kreislauf aus Gewalt, Vertreibung und Not", sagte der Unicef-Leiter im Sudan, Sheldon Yett. "Für viele Kinder gibt es keinen sicheren Ort mehr. Sie werden in ihren Häusern, auf den Straßen, auf Märkten und beim Versuch, Schulen und Gesundheitszentren zu erreichen, getötet oder verletzt. Kinder dürfen niemals Ziel von Angriffen sein. Ihr Leben, ihre Rechte und ihre Zukunft müssen geschützt werden." Nach Unicef-Angaben wurden seit Kriegsausbruch mindestens 5000 Kinder getötet oder verstümmelt, wobei von einer deutlich höheren Dunkelziffer auszugehen sei. Im Sudan kämpfen seit April 2023 die sudanesische Armee und die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) um die Vorherrschaft. Seit dem Ausbruch des Krieges ist nach Schätzungen über ein Fünftel der 50 Millionen Sudanesen auf der Flucht, der Großteil davon als Binnenvertriebene im eigenen Land. Fast zwei Drittel der Bevölkerung sind auf Hilfe angewiesen. Es handelt sich um die derzeit größte humanitäre Krise der Welt. Ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht. Erst am Dienstag meldeten Aktivisten, dass durch Drohnenangriffe 15 Zivilisten getötet worden seien. Ein Angriff ereignete sich nach Angaben der Menschenrechtsgruppe Emergency Lawyers vom Dienstag am Montag, ein weiterer am Dienstagmorgen. Die Gruppe, die Verbrechen im Konflikt zwischen der sudanesischen Armee von Militärherrscher Abdel Fattah al-Burhan und der Miliz Rapid Support Forces (RSF) seines früheren Stellvertreters Mohamed Hamdan Daglo dokumentiert, machte keine Angaben dazu, wer hinter den Angriffen steckt. Das Ziel der Angriffe in Gebieten der südlichen Region Nordkordofan waren den Angaben zufolge Fahrzeuge. Am Montag wurde demnach ein Fahrzeug mit Hochzeitsgästen getroffen und am Dienstag ein Fahrzeug, das Wasser transportierte. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden. Weder das sudanesische Militär noch die RSF-Miliz äußerten sich zunächst.