Frankreich will Syrien Millionen aus Assad-Vermögen zurückgeben

Datum08.07.2026 06:25

Quellewww.spiegel.de

TLDRFrankreichs Präsident Macron traf sich mit dem syrischen Interimspräsidenten Sharaa in Damaskus. Trotz Bombenanschlägen in der Nähe des Treffens kündigte Macron die Rückgabe von über 50 Millionen Euro aus dem Vermögen der gestürzten Assad-Regierung an Syrien an. Beide Länder wollen die Beziehungen, einschließlich diplomatische Vertretung und wirtschaftliche Zusammenarbeit, wiederherstellen. Ein französischer Energiekonzern sieht potenzielle strategische Vorteile.

InhaltEmmanuel Macron hat Syrien als erster westlicher Staatschef besucht – samt großer Wirtschaftsdelegation. Der Chef des Energiekonzerns TotalEnergies bezeichnet das Ex-Bürgerkriegsland bereits als mögliche Alternative zur Straße von Hormus. Beim Besuch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Syrien sind in unmittelbarer Nähe seines Hotels zwei Bombenanschläge verübt worden. Dem syrischen Innenministerium zufolge wurden bei den Explosionen in der Hauptstadt Damaskus am Dienstag 18 Menschen verletzt. Macron war zu dem Zeitpunkt schon zu seinem Treffen mit Interimspräsident Ahmed al-Sharaa aufgebrochen. Die Sprengsätze detonierten am Morgen in einem Papierkorb und einem Fahrzeug. Das syrische Innenministerium sprach von "selbstgebauten" Sprengsätzen. Unter anderem wurden demnach vier Polizeibeamte verletzt. Fenster des gegenüberliegenden Tourismusministeriums gingen zu Bruch. Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Baschar al-Assad im Dezember 2024 durch Kämpfer unter Führung der islamistischen HTS-Miliz hat es in Damaskus mehrere Anschläge gegeben. Erst am vergangenen Donnerstag waren bei einem Bombenanschlag in einem Café zehn Menschen getötet und 21 weitere verletzt worden. Macron war am Montagabend in Damaskus eingetroffen. Er ist der erste westlicher Staatschef, der das frühere Bürgerkriegsland Syrien seit dem Sturz Assads besucht. Im Mai 2025 war Macron bereits der erste westliche Staatschef gewesen, der Sharaa zu einem Besuch empfangen hatte. Der frühere Anführer der HTS-Miliz führt nun die syrische Übergangsregierung an. Scharaa gab bekannt, er habe mit Macron vereinbart, die Beziehungen beider Länder auf Botschafterebene "so bald wie möglich" wieder aufzunehmen. Die französische Botschaft in Damaskus war 2012, ein Jahr nach Beginn des Bürgerkriegs, geschlossen worden. Derzeit wird Frankreich in Syrien durch einen Geschäftsträger vertreten. Macron und Sharaa eröffneten zudem ein Wirtschaftsforum "zum Aufbau Syriens und von strategischen Korridoren". Der französische Präsident hatte ein Geschenk dabei: Macron versrprach, sein Land werde Vermögenswerte der gestürzten syrischen Assad-Regierung im Wert von mehr als 50 Millionen Euro an Syrien zurückgeben. Dabei handle es sich um unrechtmäßig erworbene Vermögenswerte eines Mitglieds der Familie des früheren Machthabers. Der syrische Präsident sagte dabei, er wünsche sich Frankreich als wichtigsten Partner seines Landes. Macron, der von einer französischen Wirtschaftsdelegation begleitet wurde, sagte, neben dem Wiederaufbau sei eines der Ziele der Partnerschaft, Syrien langfristig zu einem regionalen "Hub" aufzubauen. Das Land sei jedoch noch mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Der Chef des französischen Energiekonzerns TotalEnergies, Patrick Pouyanné, hatte zuvor von Syrien als einer möglichen "alternativen Route" zur Straße von Hormus im Persischen Golf gesprochen. Die Sicherheitslage lasse es derzeit noch nicht zu, sie zu nutzen, aber der Besuch in Damaskus sei eine "positive Initiative", sagte er vor Journalisten, kurz bevor die Nachricht von den beiden Explosionen bekannt wurde. Im April hatte bereits der Irak bekanntgegeben, dass er angesichts der Blockade der Straße von Hormus im Irankrieg damit begonnen habe, Öl per Lastwagen durch Syrien zu exportieren. Die beiden Länder nahmen im Juni Gespräche über den Energie-Transit und eine mögliche Wiederinbetriebnahme einer Öl-Pipeline auf.