Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Die Kuppel aus Vanille war an diesem Tage löchrig

Datum08.07.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDer Hamburger Eisladenbesitzer Joschi zeigt, wie Spaghettieis gemacht wird. Hamburg verzeichnete 2026 die meisten Neugründungen deutscher Großstädte. 2025 gab es in Hamburg mehr Hochzeiten als seit 2019. Sternbrückenbau verzögert sich. Metronom betreibt ab 2027 die Linie RE 5. Die Hamburger Bildungsbehörde stellt sich einem durchwachsenen Zeugnis, sieht aber Verbesserungspotenzial im Schuljahr. Eine Polizistin steht vor Gericht, da ihr Diensthund einen Mann biss. Kanada bestellt zwölf U-Boote bei einer Thyssenkrupp-Tochter. Die HFBK zeigt Abschlussarbeiten ihrer Absolventen.

InhaltDie Elbvertiefung am Mittwoch – Mit sehr vielen Jaworten, einer neuen Metronom-Linie und einem kanadischen Riesenauftrag für die Thyssenkrupp-Tochter TKMS im März bekam ich eine Mail: "Hallo Yannick, mein Name ist Joschi und ich betreibe einen kleinen Eisladen am Neuen Kamp 19, gegenüber der Rindermarkthalle." Georg Dedes, wie Joschi mit vollem Namen heißt, schrieb, er würde sich freuen, wenn ich mal bei ihm reinschauen und sein Eis testen würde. Logisch, dass ich nicht nur Dedes’ kleinen Finger nahm, sondern die ganze Hand. Gestern stand ich dann im leisen Surren seines Eisladens und ließ mir zeigen, wie man Spaghettieis zubereitet. Dedes drückte mir eine vorgekühlte Schale in die Hand, in die ich etwas frisch zubereitete Sahne gab. Dann öffnete er die Eisauslage vor mir, ich sah Mohn, Joghurt, Pistazie und andere Sorten, alle von Dedes selbst hergestellt. Mit dem Eisportionierer schabte ich zwei Kugeln Vanille aus der Truhe und gab sie in eine Art XXL-Siebträger, ebenfalls eisgekühlt, und hakte ihn, wie bei der Espresso-Zubereitung, in die Spaghettieismaschine – während die Eis-Pioniere früher nur manuelle Nudelpressen nutzen konnten, gibt es heute automatische Lösungen. Dedes war früher Tischler und kam über den Patenonkel seiner Exfreundin, der eine Eisdiele besaß, zum Eismachen. Vor zehn Jahren öffnete er sein eigenes Eisgeschäft. Der saisonale Rhythmus gefalle ihm, er hat sieben Monate geöffnet und macht fünf Monate Pause. 100 Portionen Spaghettieis verkaufe er an guten Tagen im Sommer. Zwei Drittel davon an Erwachsene. Für viele sei es ein Highlight in der Mittagspause; manche, glaubt Dedes, kauften es auch aus Nostalgie. In der Eisdiele passierten viele erste Male, sagt Dedes. Jugendliche, die ihren ersten Job haben. Kinder, die sich zum ersten Mal etwas kaufen. In meinem Kopf fügte ich hinzu: Journalisten, die ihr erstes Spaghettieis machen. Ich ließ Dedes’ pürierte Erdbeeren über das Eis laufen und streuselte die weiße Schokolade darüber. Prego! Das Ergebnis war sehr lecker, an Dedes’ Vorarbeit kann ich rein gar nichts aussetzen. Aber: Ich hätte die Sahne dichter mit Eis umschließen müssen. So war sie nur an wenigen Stellen gefroren. Ich muss also wohl noch mal wiederkommen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Yannick Ramsel Im ersten Halbjahr 2026 hat Hamburg mit 212 Neugründungen von Start-ups in absoluten Zahlen den stärksten Zuwachs unter den größten deutschen Städten verzeichnet. Das zeigt eine Studie des Start-up-Verbands aus Berlin. Bundesweit wurden demnach von Januar bis Juni 3.053 Jungunternehmen gegründet – mehr als im gesamten Jahr 2024. Jedes dritte Start-up setzt dabei auf KI. 2025 wurden in Hamburg 5.365 Ehen geschlossen – so viele wie seit 2019 nicht mehr. Die meisten Hochzeiten gab es dem Statistikamt Nord zufolge im Mai (596); die wenigsten im Februar (257). Die Zahl der Scheidungen stieg im Vergleich zu 2024 um 2,9 Prozent auf 2.688. Unter anderem wegen des unerwartet schlechten Baugrunds verzögern sich die Bauarbeiten an der Sternbrücke um zwei Wochen. Die Deutsche Bahn kündigte an, dass die Brücke am 31. August wieder freigegeben werde. Autofahrer sollen die angrenzenden Straßen ab dem 2. September wieder befahren können. Ab Dezember 2027 wird die Bahngesellschaft Metronom den Bahnverkehr der Linie RE 5 zwischen Hamburg und Cuxhaven betreiben. Sie habe nach einer EU-weiten Ausschreibung den Zuschlag für das sogenannte Teilnetz Unterelbe erhalten, teilte die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mit. Für Mitarbeitende und Reisende soll sich nicht viel ändern. Auch in Norddeutschland lohnt es sich, zum Tanken von der Autobahn abzufahren. Das zeigt eine Untersuchung des ADAC, die die Preise für alle 360 Autobahn-Tankstellen und die rund 14.000 Tankstellen in Deutschland verglichen hat. In Hamburg lassen sich demnach durchschnittlich 35 Cent je Liter Super E10 und 34 Cent je Liter Diesel sparen. Heute ist in den Schulen der letzte Tag vor den Sommerferien, das heißt: Es gibt Zeugnisse! Bildungssenatorin Ksenija Bekeris (SPD) gewährte gestern einen ersten Einblick, wie das Schuljahr gelaufen ist. Demnach haben 9.576 Schülerinnen und Schüler das Abitur geschafft, rund 30 Prozent mit einer Eins vor dem Komma, 252 sogar mit der Bestnote 1,0. Der Jahrgangsschnitt liegt im Abitur bei 2,3. Den ersten allgemeinbildenden Schulabschluss (kurz: ESA) schafften 4.373, den mittleren Schulabschluss (MSA) 5.032 Jugendliche. ESA und MSA entsprechen den früheren Hauptschul- und Realschulabschlüssen. Ihrer Behörde stellte Bekeris ein eher durchwachsenes Zeugnis aus: Die Statistik zeige, dass es den Schulen besser als im Vorjahr gelungen sei, die Jugendlichen auf die Abschlussprüfungen vorzubereiten. Sorgen bereite ihr aber, dass die Prüflinge des ESA im Fach Deutsch auf einen Jahrgangsschnitt von 4,2 kämen. "Das heißt: Wir haben viele, die auch mit 5 oder 6 abschließen", sagte die Senatorin. Betroffen seien vor allem Jugendliche aus schwierigen Familienverhältnissen und in ökonomisch benachteiligten Stadtteilen. Eine Linderung verspreche das Startchancen-Programm der Bundesregierung, das zusätzliches Geld an 91 Brennpunktschulen bringe. Zudem setze die Bildungsbehörde einen Fokus auf den Erwerb von Grundlagen beim Sprechen, Schreiben und Rechnen. Ebenfalls auffällig: Beim Abitur seien viele Prüflinge mit sehr guten Abschlüssen weiblich, viele mit schlechten männlich. Mädchen könnten sich vor Prüfungen oft besser motivieren, sagte die Senatorin, doch das erkläre es nur zum Teil. In der Behörde wolle man nun überlegen, wie Jungen ab der Grundschule besser unterstützt werden können. Von Oskar Piegsa In Hamburg steht eine Polizistin vor Gericht, die ihren Diensthund auf einen Mann losgelassen hat. Der saß auf der Rückbank eines Autos. Kann das verhältnismäßig sein? Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Autorin Elke Spanner. Zwischen fünf und acht Schäferhunde werden jedes Jahr bei der Hamburger Polizei zu Diensthunden ausgebildet. 18 Monate dauert es, bis der Hund voll einsatzbereit ist. Einer dieser Hunde war vor wenigen Jahren Haix. Ein sehr guter Diensthund, sagt sein Ausbilder am Morgen des 7. Juli vor dem Hamburger Amtsgericht: wesenssicher und selbstbewusst. So ein Polizeihund, fährt er fort, müsse auf Befehle horchen und dann im Einsatz stark agieren. Haix ist der Diensthund von Jennifer S. Es ist schon der zweite Hund, für den die Polizistin verantwortlich ist. Über fünf Jahre war er im Einsatz an ihrer Seite. Auch in der Nacht des 28. Januar 2023 führte sie Haix an der Leine mit sich, ums Maul trug er als Beißschutz einen Korb. Es war gegen 0.50 Uhr, als es mit Haix dann zu einem folgenschweren Einsatz kam. Der Polizei war ein Auto aufgefallen, das von Hamburg aus Richtung Wedel fuhr. Am Auto habe vorn das Kennzeichen gefehlt, sie vermuteten, es könnte der Wagen sein, der wenige Stunden zuvor in einen Unfall verwickelt und von der Unfallstelle geflohen war. Die Polizisten folgten dem Wagen und brachten ihn zum Anhalten. Was dann geschah, muss jetzt das Amtsgericht aufklären, denn der Einsatz endete blutig: Ein Insasse des Autos kam im Rettungswagen verletzt ins Krankenhaus, zweimal wurde der heute 40-Jährige operiert, die Ärztinnen und Ärzte mussten Haut von einer Stelle auf eine schwer verwundete andere transplantieren. Haix hatte den Mann an Armen und Beinen gebissen und ihm tiefe Bisswunden zugefügt. Was ein Polizeihundeausbilder zu alldem sagt und welche Rolle Sprachprobleme bei dem Vorfall gespielt haben könnten, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Kanada bestellt zwölf U-Boote bei einer ThyssenKrupp-Tochter, es ist der größte Auftrag in der Unternehmensgeschichte. Die Bedeutung des Deals geht weit darüber hinaus. ZEIT-Auslandskorrespondent John F. Jungclaussen hat den Rüstungsdeal analysiert. → Zum Artikel (Z+) Die künstlerischen Abschlussarbeiten der mehr als 200 HFBK-AbsolventInnen des Studienjahres 2025/2026 sind in einer umfassenden Graduate-Show an diesem Wochenende in der HFBK zu sehen. Neben der Ausstellung gibt es Performances, Vorträge und Führungen, auch auf Englisch, das Programm finden Sie hier. Bei "FinalCut" werden im Filmhaus an der Finkenau 42 die Abschlussfilme gezeigt. Graduate-Show, 10.– 12.; HFBK, Lerchenfeld 2+2a, Finkenau 42, Wartenau 15; 14 – 20 Uhr; Eintritt frei. Vor Kurzem auf der Fahrt von Hamburg nach Stuttgart im ICE, die Durchsage des Bahn-Mitarbeiters: "Herzlich willkommen auf der Fahrt von den Fischbrötchen zu den Maultaschen über die Würstchen!" Gehört von Anke Ridder Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.