Trotz anhaltenden Krieges in der Ukraine: IOC lässt Russland vorläufig wieder zu

Datum07.07.2026 18:31

Quellewww.spiegel.de

TLDRDas IOC hebt vorläufig die Sanktionen gegen Russlands Nationales Olympisches Komitee (ROC) auf. Russische Sportler könnten sich damit für Olympia 2028 qualifizieren. Weltverbände entscheiden eigenständig über die Zulassung. Verschärfte Anti-Doping-Anforderungen gelten, aber unter neutraler Flagge ist vorerst keine Teilnahme erlaubt. Dies ist eine Kehrtwende nach dem Ausschluss beider Länder wegen des Ukraine-Kriegs. Das IOC betont, dass Athleten nicht für Regierungshandlungen bestraft werden sollen, verurteilt aber weiterhin Krieg.

InhaltDas Internationale Olympische Komitee hebt die Sanktionen gegen Russland vorerst auf. Russische Mannschaften und Sportler könnten sich damit für die Olympia 2028 in Los Angeles qualifizieren. Das Internationale Olympische Komitee ebnet Athletinnen und Athleten aus Russland den Weg zurück in den Weltsport. Wie das IOC bekannt gab, wurden die Sanktionen gegen das Nationale Olympische Komitee Russlands (ROC) vorläufig aufgehoben. Die Weltverbände der verschiedenen Sportarten können laut IOC selbst entscheiden, ob sie Russland wieder zulassen. Die Empfehlung, Russland auszuschließen, sei aber hinfällig. Russische Mannschaften könnten damit ebenso wieder bei internationalen Wettbewerben an den Start gehen wie russische Sportler bei den Qualifikationen für die Olympischen Sommerspiele 2028 in Los Angeles. Dafür müssen sie verschärfte Anforderungen im Anti-Doping-Kampf erfüllen: Jeder russische Athlet muss sich mehreren Tests unterziehen, bevor er wieder an internationalen Wettkämpfen teilnehmen darf. Unter der eigenen Flagge und Hymne dürfen russische Sportler und Teams zumindest bei Olympischen Spielen vorerst nicht starten. Die Entscheidung darüber werde zu einem späteren Zeitpunkt fallen. Das IOC werde zunächst auch keine Veranstaltungen in Russland durchführen. Nach dem Angriff Russlands und des Verbündeten Belarus auf die Ukraine im Februar 2022 hatte das IOC den Ausschluss beider Aggressoren ausgesprochen. Die Sanktionen gegen das ROC hatte das IOC im Herbst 2023 damit begründet, dass das Komitee gegen die Olympische Charta verstoßen habe, weil es die vier annektierten ukrainischen Gebiete Donezk, Cherson, Luhansk und Saporischschja aufgenommen hat. IOC-Präsidentin Kirsty Coventry sagte nun, die Aufhebung der Sanktionen sei "angesichts unserer neuen strategischen Ausrichtung nur logisch: Wir haben deutlich gemacht, dass wir sicherstellen wollen, dass alle Athleten die Möglichkeit haben, an den Olympischen Spielen teilzunehmen, ohne für die Handlungen ihrer Regierung zur Rechenschaft gezogen zu werden." Zugleich, so Coventry, habe das IOC "unmissverständlich klargestellt, dass wir keinerlei Gewalt oder Kriegshandlungen weltweit gutheißen. Und an dieser Haltung werden wir festhalten." Russland begrüßte die Entscheidung. "Das IOC sendet ein klares Signal: Die olympische Bewegung muss frei von Politik bleiben", schrieb der russische Sportminister Michail Degtjarjow auf Telegram. Belarus wurde bereits im Mai vom IOC wieder in vollem Umfang zugelassen. Damals hieß es, dass der Start von Athleten bei internationalen Wettkämpfen "nicht durch das Handeln ihrer Regierungen eingeschränkt werden dürfen, einschließlich der Beteiligung an einem Krieg oder Konflikt".