Datum07.07.2026 15:06
Quellewww.spiegel.de
TLDRDeutschland verzeichnet einen Rekord bei Neugründungen von Start-ups, über 3000 in sechs Monaten, angetrieben von der boomenden KI. Die künstliche Intelligenz senkt Gründungsbarrieren und ermöglicht schnellere Starts mit weniger Kapital. Die Wirtschaftsministerin sieht eine neue Gründerzeit und will den Boom in Wachstum umwandeln. Zwar wächst die Zahl der "Unicorns", doch der Abstand zu den USA bleibt groß. Die EU plant Regulierungen zur Erleichterung von Start-ups, warnt jedoch vor möglichem Missbrauch.
InhaltMehr als 3000 Start-ups in sechs Monaten: In Deutschland gibt es einen Gründungsrekord. Das liegt auch an der boomenden KI. Der Abstand zu den USA ist noch groß, hierzulande soll sich aber einiges ändern. In Deutschland wurden von Anfang Januar bis Ende Juni 3053 neue Firmen gegründet – eine Rekordzahl neuer Start-ups. Das zeigt eine Studie des Startup-Verbands. Das seien 52 Prozent mehr als im zweiten Halbjahr 2025 und mehr als im ganzen Jahr 2024. "Über 3000 neue Start-ups in sechs Monaten – so viel Gründungsdynamik gab es in Deutschland noch nie", sagt Verena Pausder, Vorstandschefin des Startup-Verbands. Zentraler Treiber sei künstliche Intelligenz, die es Gründern ermögliche, schneller und einfacher mit weniger Kapital zu starten. "KI senkt die Hürden fürs Gründen deutlich und immer mehr Menschen nutzen diese Chance." "Deutschland erlebt eine neue Gründerzeit", sagte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) der Nachrichtenagentur dpa. Jetzt komme es darauf an, aus diesem Gründungsboom einen Wachstumsschub zu machen. Anspruch sei, dass aus guten Ideen erfolgreiche Unternehmen würden – bis hin zu Weltmarktführern. 1038 der neu gegründeten Start-ups im ersten Halbjahr und damit mehr als ein Drittel haben einen klaren KI-Bezug, zeigt die Studie, für die die Analysefirma Startupdetector Handelsregisterdaten ausgewertet hat. Der Software-Sektor bleibe mit 844 Gründungen die mit Abstand stärkste Branche. Der Aufwärtstrend, der Mitte 2025 eingesetzt habe, gewinnt laut Startup-Verband an Tempo. Allerdings spiele auch die Wirtschaftskrise eine Rolle: "Für viele Talente wird die eigene Gründung zur attraktiven Alternative, während etablierte Unternehmen bei Neueinstellungen deutlich zurückhaltender geworden sind." Die Zahl neuer Start-ups wuchs demnach in allen Bundesländern, darunter Bayern (626 Gründungen, plus 48 Prozent), Nordrhein-Westfalen (539, plus 45 Prozent) und Baden-Württemberg (377, plus 55 Prozent). Gewinner im Städtevergleich sei Hamburg: Dort entstanden 212 neue Start-ups und damit erstmals seit Jahren mehr als in München. Berlin mit 429 Gründungen bleibe klare Nummer eins, wachse aber mit plus 21 Prozent relativ langsam. Auch an der Spitze der Gründerbranche tut sich laut Startup-Verband etwas: Seit Jahresbeginn sind sechs Start-ups mit Milliardenbewertung hinzugekommen, sodass Deutschland nun 36 solcher "Unicorns" zähle. Doch der Abstand zu den USA, wo viel mehr Wagniskapital an Gründer fließt, bleibe groß: Dort gebe es mehr als 900 Start-ups mit Milliardenbewertung. In Europa fehle ein starker Kapitalmarkt, sagte Pausder. Steuerliche und regulatorische Hürden für Wagniskapital müssten durch Anreize für Investoren ersetzt werden. Reiche will mit einer neuen Start-up-Strategie Wachstumsfirmen in Deutschland stärken. Ein Entwurf mit mehreren Maßnahmen, darunter bessere Finanzierungsbedingungen, Bürokratieabbau und leichtere Gründungsprozesse, befindet sich in Ressortabstimmung. Die Start-up-Branche hatte hier Verzögerungen kritisiert. "Eine Kabinettsbefassung der Strategie wird zeitnah angestrebt", sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Mit gelockerten Regeln will die EU-Kommission Start-ups das Wachstum erleichtern. Doch der Jurist Daniel Hay warnt: Konzerne könnten die geplante EU Inc. dazu missbrauchen, Arbeitnehmerrechte auszubremsen. Das ganze Interview lesen Sie hier .