Datum07.07.2026 14:00
Quellewww.spiegel.de
TLDREin US-Soldat namens Hannes Marschalek entging der britischen Strafverfolgung wegen Exhibitionismus, da der Fall an das US-Militär übergeben wurde. Er bekannte sich später vor einem US-Militärgericht schuldig und einigte sich auf eine Strafmilderung. Der Fall steht im Zusammenhang mit ähnlichen Vorfällen, bei denen US-Soldaten Vergehen auf britischem Boden begangen haben und einer britischen Justiz entgingen, wie ein Fall eines Kampfpiloten zeigt, der eine Britin würgte und vergewaltigte.
InhaltEin mutmaßlicher Exhibitionist soll in Großbritannien von seinem Status als US-Soldat profitiert haben. Recherchen des "Guardian" zeigen, dass es sich um keinen Einzelfall handelt. Ein Exhibitionist entblößt sich wiederholt, vier junge Frauen und ein 16-jähriges Mädchen werden Opfer. Die Polizei ermittelt. Und quasi nichts passiert. So beschreibt der "Guardian" den Fall des US-Soldaten Hannes Marschalek, der als mutmaßlicher Exhibitionist festgenommen wurde. Der "Guardian" sieht den Fall Marschalek als Teil einer Serie von Vergehen durch US-Militärs in Großbritannien, bei denen die Täter der Strafverfolgung durch die britische Justiz entgehen konnten. Marschalek war 2021 an dem Militärflugplatz Lakenheath stationiert, der von der United States Air Force, den Luftstreitkräften der Vereinigten Staaten genutzt wird. Die örtliche Polizei hatte Beschwerden erhalten, Marschalek habe sich 2022 auf unsittliche Weise entblößt. Ein mutmaßliches Opfer gab laut "Guardian" an, Marschalek habe in der Tür gestanden und sein Geschlechtsteil entblößt, während er ein Mobiltelefon in der Hand hielt. Eine andere Frau berichtete, er habe nackt in der Tür gestanden und die Hand oben auf den Türrahmen gelegt. Die britische Polizei leitete Ermittlungen ein, nahm Marschalek fest und vernahm ihn. Allerdings wurde der Fall drei Wochen später an das US-Militär übergeben. Dies geschah, obwohl die mutmaßliche Straftat auf britischem Boden stattgefunden hatte und der Tatverdächtige zum Tatzeitpunkt nicht im Dienst war. 2023 wurde Marschalek wegen zweier Fälle von unzüchtigem Verhalten vor ein Militärgericht gestellt. Er und die Militärstaatsanwaltschaft einigten sich auf eine Vereinbarung, in deren Rahmen eine Anklage fallen gelassen wurde. Der "Guardian" zitiert aus den Unterlagen des Militärgerichts eine Textnachricht von Marschalek an zwei Freunde: "Ich habe gerade definitiv ein paar Damen, die vom Zug kamen, mein Ding gezeigt. LOL." Zudem zitiert der "Guardian" eine Aussage Marschaleks vor Gericht. So soll er zu dem Militärermittler gesagt haben: "Ich verstehe und glaube, dass mein Verhalten, insbesondere das Öffnen der Tür, um nackt gesehen zu werden, was mich sexuell erregte, von anderen als vulgär, obszön und abstoßend empfunden worden sein könnte." Marschalek soll inzwischen in die USA zurückgekehrt, wo er aufgrund seines unzüchtigen Verhaltens in Großbritannien weiterhin im Sexualstraftäterregister geführt werde. Laut "Guardian" hätte Marschalek eine Haftstrafe gedroht, wäre sein Fall vor einem britischen Gericht verhandelt worden. Ebenfalls in diesem Sommer hatte in Großbritannien der Fall des US-Kampfpiloten Jacob Wulfson für Empörung gesorgt. Wulfson war ebenfalls in Lakenheath stationiert. Er wurde schuldig gesprochen, 2023 eine Britin in seiner Wohnung gewürgt zu haben. Das Opfer, eine Juristin, die auf sexuelle Übergriffe spezialisiert ist, wirft Wulfson zudem vor, sie unter Drogen gesetzt und vergewaltigt zu haben. Direkt am Morgen nach dem Übergriff durch Wulfson ging die Frau ins Krankenhaus und wandte sich an die Behörden. Im "Guardian" berichtete sie ausführlich darüber, wie erniedrigend sie die Verhandlung des Falls vor einem US-Militärtribunal empfunden habe. Sie musste vor einer Gruppe Geschworenen aussagen, die ausschließlich aus männlichen US-Militärs bestand, die genau wie Wulfson in Lakenheath stationiert waren. Auch Wulfson war nicht im Dienst und beging seine Tat auf britischem Boden. Dennoch wurde der Fall von einem US-Gericht verhandelt. Der Fall Wulfson wurde von der britischen Regierung kommentiert . Der britische Vize-Premierminister David Lammy bezeichnete den Fall als "sehr besorgniserregend" und erklärte vor dem Parlament, er erwarte von der US-Regierung eine umfassende Darstellung der Geschehnisse.