Erst Mercedes, jetzt VW: 3 Gründe, warum es in der deutschen Auto-Belegschaft brodelt

Datum07.07.2026 10:35

Quellewww.zeit.de

TLDRDie deutsche Autoindustrie steckt in einer Krise, die zu Arbeitsplatzabbau und Protesten führt. Hauptgründe sind schwächelnde Märkte in China und den USA sowie eine langsamere E-Mobilitätswende. VW plant den Wegfall von bis zu 100.000 Stellen, Mercedes verschärft seinen Sparkurs. Debatten um längere Arbeitszeiten bei gleichem Gehalt und gekürzte Boni verschärfen die Unzufriedenheit der Belegschaft, die von der IG Metall angeführt wird.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Erst Mercedes, jetzt VW“. Lesen Sie jetzt „3 Gründe, warum es in der deutschen Auto-Belegschaft brodelt“. Die Krise der Autoindustrie trifft längst nicht mehr nur die Bilanzen von Herstellern und Zulieferern. Zunehmend kommt sie auch bei den Beschäftigten an. Jüngst verschärfte Mercedes seinen Sparkurs, jetzt droht bei VW die nächste Eskalation. Es kommt zu größeren Protesten. Die IG Metall kündigte einen "heißen Sommer" an - und das vor der Tarifrunde im Herbst, die alles andere als leicht werden dürfte. Drei Gründe für den Unmut: Die deutschen Autobauer kämpfen mit verschiedenen Problemen: Das Geschäft in China läuft nicht mehr, die US-Zölle fressen Marge, und die E-Mobilität läuft langsamer als erwartet hoch. Der Volkswagen-Konzern hat daher bereits den Abbau von 50.000 Stellen in Deutschland bis 2030 angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegfallen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben. Doch damit könnte es nicht getan sein: Einem Bericht des "Manager Magazins" zufolge plant Konzernchef Oliver Blume eine drastische Verschärfung – bis zu 100.000 Stellen könnten weltweit wegfallen. Vier deutschen Werken - Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm - drohe die Schließung. Auch andere Firmen sparen in der aktuellen Lage beim Personal, Mercedes etwa hatte ein Abfindungsprogramm aufgelegt.  Mitten in der Krise hat die Mercedes-Führung eine alte Grundsatzdebatte neu entfacht. Chefaufseher Martin Brudermüller regte in einem Interview mit dem "Handelsblatt" die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche an – für dasselbe Gehalt. Ein paar Tage später schrieb der Vorstand an die Beschäftigten, dass die Arbeitsstunde günstiger werden müsse. "Der direkteste und in unseren Augen fairste Weg: Wir sollten in allen Bereichen für das gleiche Geld mehr arbeiten", hieß es.  In der deutschen Autoindustrie ist bei den tarifgebundenen Unternehmen die 35-Stunden-Woche Standard - auch bei Mercedes-Benz. Gesetzlich verpflichtend ist sie nicht. Die IG Metall rief zum Protest auf. Am Freitag protestierten nach Gewerkschaftsangaben mehr als 33.000 Mercedes-Beschäftigte bundesweit gegen den Sparkurs.  Die Sparmaßnahmen schlagen immer öfter auch auf die Vergütungen durch. Bei Mercedes wurde gerade erst eine tarifliche Sonderzahlung verschoben. Die traditionell üppigen Mitarbeiterboni bei den deutschen Autobauern fielen zuletzt ebenfalls deutlich niedriger aus - oder wurden wie zum Beispiel bei Porsche komplett gestrichen. Beim Stuttgarter Zulieferer Mahle verzichteten erst in der vergangenen Woche knapp 4.000 Beschäftigte unter anderem auf Tariferhöhung und Weihnachtsgeld. Im Tausch erhalten sie einen Sonderkündigungsschutz bis Ende 2029. © dpa-infocom, dpa:260707-930-345635/1