Produktion in Deutschland: Produzierendes Gewerbe wächst stärker als erwartet

Datum07.07.2026 10:34

Quellewww.zeit.de

TLDRDie deutsche Industrieproduktion stieg im Mai unerwartet stark um 0,9%, hauptsächlich getragen von Zuwächsen in der Automobilindustrie. Dies deutet auf eine mögliche Erholung der Industrie hin, auch wenn die Gesamtproduktion weiterhin auf niedrigem Niveau stagniert. Experten bleiben trotz der positiven Entwicklung skeptisch bezüglich einer nachhaltigen Erholung, da strukturelle Probleme und internationale Faktoren die deutsche Industrie belasten.

InhaltDie Zuwächse in der Automobilindustrie haben für eine positive Entwicklung gesorgt. Im produzierenden Gewerbe stieg die Produktion im Mai stärker als erwartet. Die Gesamtproduktion im produzierenden Gewerbe in Deutschland ist im Mai im Vergleich zum Vormonat um 0,9 Prozent gestiegen. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Damit fiel der Anstieg saison- und kalenderbereinigt höher aus als von Experten erwartet; diese hatten mit einem Zuwachs von lediglich 0,1 Prozent gerechnet. Für den Monat April wurde der vorläufige Wert zum monatlichen Anstieg der Produktion im Vergleich zum Vormonat jedoch nach unten revidiert – laut Mitteilung von 0,4 Prozent auf 0,2 Prozent. "Die positive Entwicklung der Produktion im Mai 2026 ist maßgeblich auf die Zuwächse in der Automobilindustrie zurückzuführen", hieß es in der Mitteilung. Demnach stieg die Produktion dort saison- und kalenderbereinigt im Mai um 3,6 Prozent zum Vormonat. Ökonom Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sieht eine Fortsetzung der allmählichen Belebung in der deutschen Industrie: "Das ist nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass diese Zahlen noch in die Phase des Iran-Krieges fallen, in der die Unsicherheit besonders groß war." Demnach gab es in Deutschland im zweiten Quartal vermutlich keinen Rückgang der Wirtschaftsleistung. Nach Ansicht des Chefvolkswirts der Commerzbank, Jörg Krämer, ändert das Plus im Mai nichts daran, dass sich die deutsche Industrieproduktion weiter auf niedrigem Niveau seitwärts bewegt. Insbesondere der starke Rückgang des Ölpreises spreche aber für eine moderate Erholung in der zweiten Jahreshälfte. "Mehr ist nicht drin, weil das Reformpaket der Bundesregierung die erodierte Standortqualität trotz einzelner Fortschritte nicht wesentlich verbessert und China der deutschen Industrie zusetzt", teilte Krämer mit.