Datum07.07.2026 06:51
Quellewww.spiegel.de
TLDRKrankenkassen zufolge sind langwierige Erkrankungen mit Muskel-Skelett- oder psychischen Ursachen die größten Kostentreiber für die gesetzliche Krankenversicherung, nicht kurze Ausfälle. Das Krankengeld, vor allem für Langzeitkranke, macht einen erheblichen Teil der Ausgaben aus. Der BKK Dachverband fordert Präventionsstrategien. Die geplante Einführung einer Krankschreibung ab dem ersten Tag soll die Fehlzeiten senken.
InhaltMit der Krankschreibung ab dem ersten Tag möchte die Regierung Fehlzeiten eindämmen. Eine Analyse von Krankenkassen kommt nun zu dem Schluss: Langwierige Erkrankungen sind die Kostentreiber. Es ist nur eine der Maßnahmen im Reformpaket der Bundesregierung, aber die verpflichtende Krankschreibung ab Tag eins hat eine große Debatte entfacht . Mit der Verschärfung möchte die Regierung die im internationalen Vergleich hohen Krankenstände in Deutschland senken. Eine Analyse des BKK Dachverbandes der Betriebskrankenkassen zu Krankschreibungen hat nun ergeben, dass nicht kurze Erkältungen, sondern lange schwere Krankheiten die großen Kostentreiber für gesetzliche Krankenversicherungen sind. "Es sind die langen, oft Muskel-Skelett und psychisch bedingten Ausfälle, die zum eigentlichen Kostentreiber werden", sagte Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes. Dieser vertritt 63 Kassen und vier Landesverbände mit rund 9,6 Millionen Versicherten. Das Krankengeld – das erst ab dem 43. Krankheitstag gezahlt wird und damit vor allem Menschen mit langwierigen Erkrankungen betrifft – zähle inzwischen mit 21,6 Milliarden Euro zu den größten Ausgabepositionen der gesetzlichen Krankenversicherung überhaupt, so die BKK. 2025 entfielen demnach mehr als ein Viertel aller Fehltage auf den Bezug von Krankengeld. Die Krankengeldtage seien in den vergangenen zehn Jahren um 24,4 Prozent gestiegen. Haupttreiber seien psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Leiden. Zwar machten psychische Erkrankungen nur 5,4 Prozent aller Krankschreibungen aus, im Schnitt dauerten sie jedoch mehr als fünf Wochen an – mit steigender Tendenz. Klemm fordert deswegen eine ernsthafte Debatte über Präventionsstrategien: "Wir beobachten den Trend der psychischen Belastungen in der Arbeitswelt schon lange. Diese Rechnung zahlen wir sonst noch viele Jahre weiter – und hinter jeder steht das lange Leiden einer betroffenen Person." Der Krankenstand insgesamt blieb 2025 mit 6,1 Prozent stabil. Häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit seien Atemwegserkrankungen gewesen, die wegen ihrer kurzen Dauer aber laut BKK finanziell kaum ins Gewicht fallen. Die schwarz-rote Koalition hat angekündigt, die Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auf den ersten Krankheitstag vorziehen zu wollen und die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung abzuschaffen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begründete die Pläne damit, dass der Krankenstand gesenkt werden solle.