Krankenstand : Immer mehr Arbeitnehmer fallen wegen Krankheit länger aus

Datum07.07.2026 06:46

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Krankenkassen müssen mehr Krankengeld auszahlen, da immer mehr Arbeitnehmer länger krankheitsbedingt ausfallen. Psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Leiden sind die Hauptursachen. Obwohl die allgemeine Krankheitsdauer stabil blieb, stiegen die Krankengeldtage um 24,4% in zehn Jahren, was über 21,6 Milliarden Euro ausmacht. Eine Präventionsstrategie für psychische Erkrankungen wird gefordert. Die Regierung plant, die Krankschreibepflicht auf den ersten Tag vorzuziehen und die telefonische Krankschreibung abzuschaffen, um den Krankenstand zu senken.

InhaltWegen langer Ausfälle müssen die Krankenkassen mehr Geld für das Krankengeld aufwenden. Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Ursachen. Der Anteil von Arbeitnehmern, die aufgrund von Krankheit über einen längeren Zeitraum ausfallen, nimmt zu. Das geht aus einer Auswertung von Versichertendaten des Dachverbands der Betriebskrankenkassen (BKK) hervor. Demnach blieben zwar der Krankenstand und auch die durchschnittliche Krankheitsdauer im vergangenen Jahr stabil. Dennoch müssten die Krankenkassen immer häufiger Krankengeld zahlen, hieß es. Krankengeld wird in Deutschland ab dem 43. Krankheitstag gezahlt und betrifft damit vor allem Menschen mit langwierigen Erkrankungen. Es zähle inzwischen mit 21,6 Milliarden Euro zu den größten Ausgabepositionen der gesetzlichen Krankenversicherung, teilt die BKK mit. 2025 entfielen demnach mehr als ein Viertel aller Fehltage auf den Bezug von Krankengeld. Die Krankengeldtage seien in den vergangenen zehn Jahren um 24,4 Prozent gestiegen. Die häufigsten Gründe für den Bezug von Krankengeld seien psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Leiden. Zwar machten psychische Erkrankungen nur 5,4 Prozent aller Krankschreibungen aus, im Schnitt dauerten sie jedoch mehr als fünf Wochen an, Tendenz steigend. "Es sind nicht die kurzen Erkältungen, die das Gesundheitssystem finanziell belasten", sagte Verbandsvorständin Anne-Kathrin Klemm. Nötig sei eine ernsthafte Debatte über eine Präventionsstrategie für psychische Erkrankungen – und das nicht nur in der Arbeitswelt. Die schwarz-rote Koalition hatte vor einigen Tagen angekündigt, die Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auf den ersten Krankheitstag vorziehen zu wollen und die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung abzuschaffen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begründete die Pläne damit, dass der Krankenstand gesenkt werden solle.