Datum07.07.2026 05:38
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Nato-Gipfel beginnt, mit neuen europäischen Selbstbewusstsein gegenüber Trump. Gleichzeitig verschärft Putin den Ukraine-Krieg. Marine Le Pen bangt um ihre Präsidentschaftskandidatur, da ein Gericht über eine Ämtersperre entscheidet. Im Sport stand Folarin Balogun im Fokus, doch seine USA schieden aus dem Turnier aus.
InhaltRichter entscheiden über die Präsidentschaftskandidatur einer Rechtspopulistin. Der Nato-Gipfel beginnt – ein Grund für Putin, noch mehr Bomben zu schicken. Und: alle Augen auf Folarin Balogun. Das ist die Lage am Dienstagmorgen. Heute geht es um die Nato, die immer europäischer wird. Um den alles entscheidenden Tag für Marine Le Pen. Und um den US-Fußballer Balogun und das Spiel seines Lebens. Hat sich etwas verändert? Ja, hat es. Die Frage ist nur, wie spürbar es sein wird, auf dem Nato-Gipfel in Ankara, der heute beginnt und auf dem auch US-Präsident Donald Trump erwartet wird. Noch im vergangenen Jahr sind die europäischen Staats- und Regierungschefs dem US-Präsidenten meist mit ängstlicher Ehrfurcht begegnet, wenn es zu persönlichen Treffen kam. Sie hatten Trump vorauseilend besänftigen wollen, damit er keinesfalls seine Drohungen wahrmacht, aus der Nato auszutreten. Als Trump dann aber Anfang dieses Jahres ernsthafte Ansprüche auf Grönland geltend machte, wurde es den Europäern zu viel. Sie gaben sich selbstbewusst und schickten das klare Signal: "Grönland kriegste nicht." (Mehr dazu hier .) Und? Trump trollte sich, das Thema Grönland schnitt er kaum wieder an. Nun, vor dem Gipfel, kommt das Thema wieder auf. Ohnehin ist Trump nicht gut auf die Europäer zu sprechen. Sie hätten ihm zu wenig geholfen bei seinem Krieg in Iran, so klagt er. Werden die Europäer also in Ankara wieder zurückfallen in ihre Ehrfurchtstarre? Dafür gibt es eigentlich keinen Grund. Inzwischen kommen sie ja Trumps Forderung nach, sich mehr um die eigene Verteidigung zu bemühen. Trump will das zwar gerade nicht wertschätzen, aber die Europäer kennen ja ihre Ausgaben. Vor allem aber haben sie beim Grönlandstreit die Erfahrung gemacht, dass der US-Präsident umzustimmen ist, wenn er auf Widerstand stößt. Auf dieser Erfahrung können sie aufbauen. Die "europäischere Nato", von der der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz nun redet, ist im Sinne – fast – aller: im Sinne der USA, im Sinne der Europäer. Aber eben nicht im Sinne des russischen Präsidenten Wladimir Putin, dessen größtes Ziel es immer war, das Bündnis zu schwächen. Putin wird genau verfolgen, was in Ankara passiert: Morgen nämlich wollen sich am Rande des Gipfels Trump und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj treffen. Kremlchef Wladimir Putin nutzte die Tage vor dem Gipfel, um die ukrainische Hauptstadt Kyjiw beschießen zu lassen. Bei russischen Raketen- und Drohnenangriffen wurden gestern mindestens 20 Menschen getötet, es gab zudem viele Verletzte. Der ukrainischen Flugabwehr mangelt es an US-Abfangraketen, Präsident Selenskyj wird das in Ankara zum Thema machen. Donald Trump ließ derweil wieder einmal vernehmen, er sei sich nach einem Telefonat mit Putin sicher, dass dieser ein Ende des Krieges wolle. Putins Taten sprechen dafür, dass Trump sich irrt oder vielmehr: sich irren möchte. Frankreich wählt nächstes Jahr im Mai einen neuen Präsidenten – oder eine Präsidentin? Die Rechtspopulistin Marine Le Pen würde gern kandidieren. Ob sie das darf, entscheidet sich heute, und zwar durch ein Berufungsgericht. Die Richter urteilen, ob eine fünfjährige Ämtersperre gegen die 57-Jährige aufgehoben wird. Le Pen war im März 2025 wegen der Veruntreuung von EU-Geldern zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt worden, von denen sie zwei mit elektronischer Fußfessel unter Hausarrest verbringen muss und die restlichen zwei zur Bewährung ausgesetzt wurden (mehr hier ). Die Sperre für die Präsidentschaftswahl war die Folge. "Für Le Pen geht es um alles", sagt René Pfister, SPIEGEL-Korrespondent in Paris. "Sollte das Gericht an der Strafe festhalten, wird eine Ära enden." Jordan Bardella könne der neue starke Mann der rechtspopulistischen Partei RN werden und etwas schaffen, wovon die Familie Le Pen seit Jahrzehnten träume: den Einzug in den Élysée-Palast. Bardella ist Le Pens Zögling, etwa halb so alt wie sie, gerade mal 30. Er könnte ernten, was Le Pen gesät hat. Und er könnte viele Jahre lang davon zehren. Da hat der US-Nationalspieler Folarin Balogun schwere Stunden hinter sich. US-Präsident Donald Trump hatte bei Fifa-Chef Gianni Infantino angerufen, um sich für die Aussetzung einer Sperre gegen Balogun einzusetzen. Als es dann tatsächlich so kam, war die Fußballwelt in einer Weise in Aufruhr, wie es kein Spiel jemals schaffen könnte (mehr hier ). Vor ein paar Stunden traten die USA mit dem 25-Jährigen gegen Belgien an, und natürlich richteten sich alle Augen auf ihn. Wer hätte da in seiner Haut stecken wollen? Baloguns Einsatz spielte schließlich keine entscheidende Rolle. Die USA flogen mit 1:4 aus dem Turnier (mehr zum Spiel hier ). Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games. …sind bestimmte Tiere. Morgen auch, übermorgen noch einmal, das geht so weiter bis zum 14. Juli. Bis dahin werden jeden Vormittag im spanischen Pamplona sechs Kampfstiere durch die Gassen der Stadt Richtung Arena getrieben, Hunderte Menschen laufen dabei vor den Bullen her. Haben die Tiere die Arena erreicht, werden sie von Toreros mit Lanzen und Spießen verletzt, dann kommt der Matador, um die Stiere mit seinem Schwert zu töten. Tierschützer protestieren seit Jahren gegen dieses blutige Ritual, und sie haben ja recht. Die Quälerei dient heute vor allem einem Zweck: Touristen einen schönen und doch schalen Schauer zu bereiten. Ein gutes Balancegefühl erleichtert den Alltag – und es kann die Lebenserwartung erhöhen. Testen Sie sich und sehen Sie in fünf Videos, wie Sie Ihr Gleichgewicht trainieren . Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag. Ihre Susanne Beyer, Autorin der Chefredaktion