Datum07.07.2026 05:15
Quellewww.zeit.de
TLDRFünf Jahre nach der Flut im Ahrtal kämpft Landrätin Cornelia Weigand weiterhin mit den Folgen. Sie teilt die Ängste vieler Anwohner bei Gewittern und die prägenden Erinnerungen an die Katastrophe, bei der sie ihr Zuhause verlor. Der Wiederaufbau, die größte Baustelle Deutschlands, sei noch nicht abgeschlossen. Weigand betont, dass eine Entschuldigung der Landesregierung ein wichtiges, sehnlichst erwartetes Signal der Anerkennung für die betroffenen Menschen wäre, um bei der Heilung von Wunden zu helfen.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Fünf Jahre nach Flut im Ahrtal“. Lesen Sie jetzt „Ahr-Landrätin: "Entschuldigung wäre ein wichtiges Signal"“. Fünf Jahre nach der Flut im Ahrtal spürt die Landrätin des Kreises Ahrweiler, Cornelia Weigand, noch Auswirkungen der Katastrophe. "Ich habe früher Gewitter unbeschwerter erlebt, als ich das heute tue", sagte die 55-Jährige im Interview der Deutschen Presse-Agentur. "Ich glaube, das geht sehr vielen so." Als die Flut 2021 ins Ahrtal kam, riss sie Autos, Häuser und Leben mit sich. Wie Tausende andere Anwohner verlor auch Weigand als damalige Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr im Norden von Rheinland-Pfalz ihr Zuhause in meterhohen Wassermassen. "An dem Abend auf dem Balkon vom Rathaus, wo ich dann teilweise noch mobil telefonieren konnte, musste ich Anrufern sagen: Es wird keine Hilfe geben. Und diese Leute und ihre Häuser sind weggeschwommen", erzählte Weigand – auch nach Jahren noch sichtlich betroffen. Am nächsten Morgen habe sie dann die Zerstörung im Ort gesehen. "Und wir haben dort die ersten Toten geborgen. Das sind natürlich Sachen, die machen wahrscheinlich mit den meisten Menschen etwas. Die haben mit mir auch etwas gemacht." In einem offenen Brief an die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ex-Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) drängte Weigand auf Hilfe und Unterstützung – und verschaffte sich Gehör. Die Entscheidung laut zu werden, sei in Anbetracht der katastrophalen Ausmaße der Flutfolgen in kürzester Zeit getroffen gewesen. "Wir brauchten Hilfe, und zwar sofort und in großen Mengen", sagte Weigand. "Hinschmeißen war für mich keine Option, weil ich ja wusste, warum ich das mache: Wir haben ganz viele Menschen verloren, viele Nachbarn, viele Freunde, das Zuhause von ganz vielen - manche sind mit Nichts außer dem nackten Überleben davongekommen." Es folgte für viele Menschen eine harte Zeit voll Trauer, Frust und erzwungenen Neuanfängen. Der Wiederaufbau im Ahrtal ist auch nach fünf Jahren noch nicht abgeschlossen. Die Landrätin kann die Ungeduld verstehen: "Ich wohne nach der Sanierung unseres Hauses jetzt auch wieder mitten im Ahrtal und es wäre schön, wenn alles schon fertig wäre." Es handele sich allerdings um die größte Baustelle Deutschlands. "Hier wird mehr gebaut und mehr Geld verbaut als irgendwo anders in Deutschland", ergänzte sie. "Und das braucht auch bei allem Tempo-Machen ein bisschen Zeit." Was bei allem Fortschritt über die Jahre dennoch ausblieb: eine Entschuldigung der rheinland-pfälzischen Landesregierung. "Eine Entschuldigung wäre ein wichtiges Signal, das sich viele Menschen hier im Tal wünschen, das sie sich seit bald fünf Jahren sehnlich gewünscht haben", sagte Weigand. Dabei gehe es nicht per se um ein Schuldeingeständnis. Doch das Land sei Teil der Katastrophe und deswegen hätten sich viele Menschen eine Entschuldigung gewünscht. "Das bringt die Menschen, die wir verloren haben, nicht zurück, aber vielleicht kann es dabei helfen, Wunden zu heilen", so Weigand. © dpa-infocom, dpa:260707-930-344673/1