Gefahren im Straßenverkehr: Busunfälle in Schleswig-Holstein - das sind die Gründe

Datum07.07.2026 05:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDer Omnibus-Verband Nord sieht eine Zunahme von Busunfällen in Schleswig-Holstein, primär bedingt durch mehr Baustellen, erhöhte Verkehrsdichte, aggressive Autofahrer und die Nutzung von Busspuren durch E-Roller und Fahrräder. Zunehmender Schienenersatzverkehr und ein Mangel an qualifiziertem Personal verschärfen die Situation. Aggressives Fahrgastverhalten und unterfinanzierte Verkehrsbetriebe tragen ebenfalls bei. Der Verband fordert mehr Wertschätzung für Fahrer, die Beachtung des Vorrangs von Bussen, Sicherheitspersonal und eigene Busspuren zur Verbesserung der Unfallstatistik.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Gefahren im Straßenverkehr“. Lesen Sie jetzt „Busunfälle in Schleswig-Holstein - das sind die Gründe“. Mit der deutlichen Zunahme der Baustellen haben die Verkehrsunfälle in Schleswig-Holstein aus Sicht des Omnibus-Verbands grundsätzlich zugenommen - auch bei Bussen. Die großen, langen Gefährte seien dann etwa gezwungen, etwa Umwege durch Wohngebiete zu fahren. "Und dann gibt es eben manchmal Blechschäden - auch Personenschäden sind dann naturgemäß nicht auszuschließen", sagte Joachim Schack, der Geschäftsführer des Omnibus Verbands Nord, der Deutschen Presse-Agentur.  An welchen Orten und Städten im nördlichsten Bundesland es dabei die meisten Unfälle gibt, konnte Schack nicht sagen. "Es ist aber davon auszugehen, dass es die meisten Unfälle mit Bussen im städtischen Bereich gibt sowie dort, wo nicht ortskundiges Fahrpersonal mit grenzwertigen Lenkzeiten unterwegs ist." Im städtischen Verkehr sei eine stetig zunehmende Verkehrsdichte spürbar. "E-Roller, E-Bikes und Fahrräder haben etwa gemein, dass sie allesamt die Busspuren nutzen, soweit es solche überhaupt gibt." Zusammen mit dem "spürbar aggressiver gewordenen Fahrverhalten" der Autofahrer könne dies für Busfahrer gefährlich sein, insbesondere im Berufsverkehr.  Zudem nimmt laut Verband der Schienenersatzverkehr zu - und damit kämen Unternehmen, Fahrzeuge und Fahrpersonal zum Einsatz, "die nicht immer dem Niveau entsprechen, das es braucht, um hier in Schleswig-Holstein zuverlässigen und qualitativ hochwertigen Busverkehr zu gewährleisten". Hinzu komme demnach zunehmend aggressives Verhalten einzelner Fahrgäste, das sich auch auf die Konzentration der Busfahrer auswirken könne.  Den Schutz des Fahrpersonals sieht Schack als Aufgabe der Gesellschaft. Wichtig sei, den Vorrang eines Linienbusses im Straßenverkehr zu beachten, keine waghalsigen Überholmanöver an Bushaltestellen zu unternehmen, mehr Wertschätzung für das Fahrpersonal zu zeigen und nicht wegzuschauen, wenn das Personal angegriffen werde.   Auch der Einsatz von Sicherheitspersonal etwa bei Fahrscheinkontrollen und mehr eigene Busfahrspuren könnten sinnvoll sein. Dies führt nach Einschätzung des Verbands zu einer deutlichen Verbesserung der Unfallstatistiken.  Um die Unfallzahlen zu senken, sei auch die wirtschaftliche Lage der Anbieter im öffentlichen Nahverkehr entscheidend, sagte Schack. Die strukturelle Unterfinanzierung führe seit Jahren dazu, dass ortsansässige mittelständische Busunternehmen mit gut ausgebildetem Fahrern aus dem Markt gedrängt würden und sowohl im ÖPNV als auch im Schienenersatzverkehr andere Busunternehmen zum Einsatz kämen. Die sprachlichen und geographischen Kenntnisse von Mitarbeitern dieser Unternehmen seien "ausbaufähig" - und auch die Erfahrung mit gefährlichen Situationen im Straßenverkehr habe infolge des Fachkräftemangels teilweise nachgelassen. © dpa-infocom, dpa:260707-930-344596/1