Kampfjettriebwerke für die Türkei: Netanjahu warnt Trump vor Kampfjetdeal mit Erdoğan

Datum07.07.2026 01:19

Quellewww.zeit.de

TLDRIsraels Ministerpräsident Netanjahu warnt US-Präsident Trump vor einem geplanten Rüstungsdeal mit der Türkei. Die USA erwägen den Verkauf von Kampfjettriebwerken für türkische Stealth-Jets, was laut Netanjahu das Kräftegleichgewicht im Nahen Osten stören würde. Die Türkei will diese Triebwerke für ihre eigene Kampfflugzeugproduktion nutzen. US-Demokraten kritisieren, dass Trump den Kongress übergangen hat. Die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei sind durch frühere Sanktionen wegen eines russischen Raketensystems belastet.

InhaltDie USA stellen der Türkei moderne Kampfjettriebwerke in Aussicht. Israels Regierungschef Netanjahu warnt: Dies würde "das Kräftegleichgewicht im Nahen Osten stören". Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hat US-Präsident Donald Trump vor einem geplanten Rüstungsgeschäft mit der Türkei gewarnt. Netanjahu sagte dem US-Sender Fox News, die Türkei dürfe keine F-35-Kampfjets oder Kampfjettriebwerke aus den USA erhalten. Dies würde "das Kräftegleichgewicht im Nahen Osten stören".Bislang garantierten Israel und das US-Militär diese Balance, sagte er. Der US-Präsident hatte zu dem Rüstungsgeschäft gesagt, er werde den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan vermutlich "sehr glücklich" machen. Experten rechnen damit, dass Trump Erdoğan am Rande des Nato-Gipfels in Ankara rund 40 F110-Kampfjettriebwerke zusagt. Das Spitzentreffen findet an diesem Dienstag und Mittwoch statt. Die Türkei will die US-Triebwerke für KAAN-Tarnkappenflugzeuge aus eigener Produktion nutzen. Sie sollen die veraltete F16-Flotte der türkischen Luftwaffe ersetzen. Die Türkei will damit in den Club der Länder aufsteigen, die Kampfflugzeuge der fünften Generation produzieren, allen voran die USA, China und Russland. Damit sind hochmoderne Kampfjets gemeint, die für Radare unsichtbar sind und über extrem leistungsstarke Sensoren verfügen. Das Triebwerkgeschäft hat nach Angaben aus dem US-Kongress einen Umfang von mehr als 700 Millionen US-Dollar (rund 610 Millionen Euro). Von den oppositionellen Demokraten gibt es Kritik an dem Geschäft: Trump habe den Kongress bei der Entscheidung "übergangen" und das Parlament lediglich in Kenntnis gesetzt, kritisierte das Mitglied im Auswärtigen Ausschuss, Gregory Meeks. Erdoğan hatte darüber hinaus mehrfach den Wunsch nach F-35-Maschinen geäußert. Dafür wäre allerdings zwingend die Zustimmung des US-Kongresses nötig. Denn die Vereinigten Staaten hatten Ende 2020 Sanktionen gegen die Türkei verhängt, nachdem der Nato-Partner Raketenabwehrsysteme vom Typ S-400 von Russland erworben hatte. Damit der Kongress diese Sanktionen wieder aufhebt, müsste die Regierung in Ankara nach aktueller Gesetzeslage das S-400-System abstoßen. Doch ein Verkauf an ein Drittland würde die Zustimmung der Regierung in Moskau erfordern, und eine Rückgabe an Russland steht nicht zur Debatte. "Die Änderung der Kongressentscheidung wird nicht einfach sein", sagt Mustafa Aydin, Experte für internationale Beziehungen an der Istanbuler Kadir-Has-Universität. F-35-Kampfjets gehören zu den modernsten weltweit. Der Jet wurde ursprünglich von den USA in Zusammenarbeit mit der Türkei und anderen Nato-Staaten entwickelt. Die USA schlossen die Türkei jedoch 2019 nach dem Raketenabwehrgeschäft mit Russland aus dem Programm aus. Trump hat die Beziehungen zu Erdoğan seither wieder verbessert, der US-Präsident empfing den türkischen Staatschef im September in Washington und sagte, die US-Sanktionen gegen die Türkei könnten "nahezu sofort" aufgehoben werden. Der ehemalige US-Diplomat und hochrangige Beamte im Weißen Haus, Matthew Bryza, rechnet damit, dass Trump den Streit um die F-35 nun für beendet erklärt und der Türkei die Kampfjets in Aussicht stellt. Für einen F-35-Verkauf müssten dann aber die entsprechenden Sanktionsgesetze der USA geändert werden. "Ob (Trump) den Kongress dazu bewegen kann, hängt davon ab, wie viel politisches Kapital er bereit ist zu investieren", sagte Bryza. Das könne vor den Kongresswahlen Anfang November "politisch kostspielig sein", sagte er mit Blick auf die große griechisch- und armenischstämmige Gemeinde in den USA, die der Türkei feindselig gegenübersteht.