Datum07.07.2026 00:28
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Wirtschaftsausschuss des Bundestags befürwortet eine deutliche Lockerung der Sonntagsöffnungszeiten. Befürworter wie von Stetten (CDU) und Kubicki (FDP) argumentieren mit Flexibilisierung und der Belebung von Innenstädten. Einzelhandelsverbände sehen Reformen als überfällig, verweisen auf europäische Beispiele. Demgegenüber warnen Gewerkschaften und Kirchen vor Aushöhlung des arbeitsfreien Sonntags, Überlastung von Mitarbeitern und dem Verlust gesellschaftlicher Zeit für Erholung und Familie.
InhaltKommt es zu einer Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten in Deutschland? Aus Politik und Handel kommt Rückenwind. Gewerkschaften und Kirchen warnen hingegen vor einer Aushöhlung des arbeitsfreien Sonntags. Die Debatte über eine Lockerung der Laden-Öffnungszeiten in Deutschland belebt sich. Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses, Christian von Stetten (CDU), sprach sich in der "Bild"-Zeitung für eine Ausweitung der bestehenden Regelungen aus. Er verwies darauf, dass der Bund die gesetzlichen Vorgaben für die Sonntagsarbeit festlege, während die Länder über die Sonntagsöffnungen des Einzelhandels entschieden – aus seiner Sicht sollten die bisherigen Beschränkungen in beiden Bereichen großzügiger gefasst werden. Die Forderung erhält auch vom FDP-Vorsitzenden Wolfgang Kubicki Unterstützung. Eine stärkere Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten sei "notwendig", sagte er zu "Bild". "Wer Läden zwangsweise geschlossen halten will, darf sich nicht über sterbende Innenstädte beschweren." Nils Busch-Petersen, Geschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, plädierte für eine grundlegende Abkehr vom bisherigen System. In der "Bild"-Zeitung verwies er auf andere europäische Staaten, in denen die Regeln für Sonntagsöffnungen bereits vor Jahren gelockert worden seien, und bezeichnete eine entsprechende Reform in Deutschland als überfällig. Gegen eine weitgehende Liberalisierung regt sich jedoch Widerstand. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten warnt im Kontext der Pläne der Bundesregierung, die zulässige Sonntagsarbeitszeit in Bäckereien auszuweiten, vor zusätzlichen Belastungen für die Beschäftigten. Längere Sonntagsdienste machten die Branche aus Sicht der Gewerkschaft weniger attraktiv und erschwerten die Gewinnung von Fachkräften. Das Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks unterstützt die geplante Lockerung dagegen. Die bislang geltende Begrenzung auf drei Stunden Sonntagsarbeit entspreche nicht mehr den heutigen Produktions- und Wettbewerbsbedingungen. Nach Darstellung des Verbands würde sich für Kundinnen und Kunden an den Öffnungszeiten der Bäckereien allerdings nichts ändern. Kritik kommt zudem von der Evangelischen Kirche in Deutschland. Ein Sprecher betonte, der arbeitsfreie Sonntag sei ein gesellschaftliches Gut, das Zeit für Familie, Freundschaften, Ehrenamt und Erholung schaffe – unabhängig von religiösen Überzeugungen. Auch die katholische Arbeitnehmer-Bewegung Deutschlands sprach sich gegen eine weitere Ausweitung der Sonntagsarbeit aus und bezeichnete den einkaufsfreien Sonntag als wichtigen Zeitraum für Erholung und psychische Regeneration.