Datum06.07.2026 22:00
Quellewww.zeit.de
TLDRFrankreichs Präsident Macron ist als erster westlicher Staatschef seit dem Sturz Assads in Syrien eingetroffen. Er trifft Übergangspräsident al-Scharaa und Zivilgesellschaft. Macron will ein neues Kapitel der Stabilität und des Friedens aufschlagen und sich für ein freies, pluralistisches Syrien einsetzen, das Spannungen im Nahen Osten mäßigt. Frankreich gibt zudem 23 archäologische Objekte zurück. Syrien sieht darin einen historischen Besuch zur Wiederherstellung seiner internationalen Präsenz und hofft auf Wiederaufbauhilfe.
InhaltAls erster westlicher Staatschef seit dem Sturz von Assad besucht Macron Syrien. Auf dem Programm stehen Gespräche mit Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist als erster westlicher Staatschef seit Ende des syrischen Bürgerkriegs in Syrien eingetroffen. Syriens Außenminister Asaad al-Schaibani empfing Macron nach dessen Landung am Flughafen in der Hauptstadt Damaskus, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete. Der Pariser Élysée-Palast bestätigte die zweitägige Reise. Neben Gesprächen mit dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa trifft sich Macron mit Akteuren der syrischen Zivilbevölkerung. Außerdem will der französische Präsident 23 archäologische Objekte an Syrien zurückgeben, die vor Ausbruch des Bürgerkriegs ausgeliehen wurden. Macron schrieb auf der Plattform X, dass er komme, um "ein neues Kapitel der Stabilität und des Friedens" aufzuschlagen. Aus dem Elysée-Palast hieß es, Macron werde "für ein freies, pluralistisches Syrien, das alle seine Bevölkerungsgruppen respektiert" eintreten. Er setze sich überdies für ein Land ein, das "eine mäßigende Rolle bei den Spannungen im Nahen Osten spielt". Es komme für die französische Regierung "nicht infrage", dass in Syrien "eine Alleinherrschaft an die Stelle einer anderen Alleinherrschaft tritt". Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana schrieb von einem "historischen Besuch" und einem "entscheidenden Meilenstein zur Wiederherstellung der internationalen Präsenz Syriens". Die Beziehungen zwischen beiden Ländern gingen dadurch in eine "neue Phase" über, die "auf gegenseitigem Respekt und einer ausgeglichenen Partnerschaft" beruhe. Die syrische Regierung erhofft sich von den guten Beziehungen zu Frankreich unter anderem Hilfe beim Wiederaufbau und eine Stärkung der syrischen Wirtschaft durch Investitionen. Nach dem Sturz des Diktators Baschar al-Assad Ende 2024 war Macron der erste westliche Staatschef gewesen, der den syrischen Übergangspräsidenten al-Scharaa zu einem Besuch empfangen hatte, obwohl al-Scharaa damals von der EU auf einer Terrorliste geführt wurde. Macron sagte damals Unterstützung beim Wiederaufbau in Syrien zu, knüpfte diese aber auch an Bedingungen. Frankreich war bis zur syrischen Unabhängigkeit 1946 Mandatsmacht im Land und kontrollierte die Wirtschaft und das Bildungssystem in dem Land.