Videospiele: Wenn Games aus dem Regal verschwinden

Datum06.07.2026 18:21

Quellewww.zeit.de

TLDRSony plant, ab 2028 keine physischen Spiele mehr anzubieten, was die Gaming-Landschaft verändert. Diese digitale Umstellung ist wirtschaftlich sinnvoll, da Downloads dominieren und physische Datenträger technisch und kostentechnisch limitiert sind. Dennoch gibt es Bedenken hinsichtlich des Teilens, Archivierens und Besitzens von Spielen, was zu Kritik und Boykottdrohungen von Fans führt.

InhaltSony will ab 2028 keine Spiele mehr auf Datenträgern anbieten. Wirtschaftlich ist das nachvollziehbar. Doch es hat einen Preis für das Kulturgut Videospiel. "Bitte legen Sie die zweite CD ein." Dann die dritte. Und manchmal auch die vierte. Noch bis in die frühen Zweitausender lief so die Installation von Videospielen auf dem PC ab: Man fuhr zum Kaufhaus oder Elektronikfachmarkt, erwarb eine Hülle mit Disketten, CDs oder DVDs und installierte damit das Spiel auf der eigenen Festplatte. Erst ab 2003 begann mit Valves Plattform Steam das Zeitalter der digitalen Distribution: dem Download von Games. Die Konsolenhersteller zogen mit ihren eigenen virtuellen Verkaufstheken nach. Heute ist es für die meisten Spielerinnen und Spieler nahezu undenkbar, eine physische Kopie eines Videospiels erwerben zu müssen. Und doch beschäftigt seit vergangener Woche genau diese physischen Datenträger die Gamingszene. Anlass ist ein kurzer Blogbeitrag von Sony-Interactive-Manager Sid Shuman. Darin kündigt er an, dass es ab 2028 keine neuen PlayStation-Spiele mehr auf physischen Datenträgern, also auf Blu-ray-Disc, geben wird. Zuvor hatte Rockstar Games, Entwickler des heiß erwarteten GTA VI, bekannt gegeben, dass es das Spiel nur als Download gibt. Die Fans können zwar eine physische Version kaufen, dort enthalten ist aber lediglich ein Code zum Einlösen und vielleicht noch etwas exklusives Merchandise – aber kein Datenträger. Nutzerinnen und Nutzer kündigen schon in einschlägigen Foren an, die nächste PlayStation boykottieren zu wollen. Nun werden sicher nicht alle ihrer Drohung nachkommen. Doch der Fall zeigt, wie sehr das Thema verfängt. Dabei geht es womöglich weniger um die Datenträger an sich, sondern um eine ganz andere Frage: Kann man Videospiele künftig überhaupt noch teilen, archivieren, besitzen? Betrachtet man die Beweggründe von Sony, ist die Entscheidung für digital only wirtschaftlich nachvollziehbar. Erstens: Physische Datenträger sind ein Auslaufmodell. Was bei PC-Spielen schon länger der Fall ist, hat spätestens mit der aktuellen Generation der PlayStation und Xbox auch die Konsolen erreicht. Laut Sony werden die eigenen Spiele heutzutage zu 85 Prozent digital verkauft, noch vor sechs Jahren waren es lediglich 60 Prozent, bei der Einführung der PlayStation 4 im Jahr 2014 sogar nur etwa zehn Prozent. Andere Entwickler und Publisher berichten von ähnlichen Entwicklungen. Für die meisten Verbraucherinnen ist der Download längst der einfachste Weg, Spiele zu kaufen. Zweitens: Physische Datenträger sind technisch limitiert. So wie in den Neunzigern aufwendige Spiele irgendwann nicht mehr nur auf eine CD gepasst haben, sind auch Blu-ray-Scheiben mittlerweile schlicht zu klein. Etwa 100 Gigabyte Daten können sie speichern, viele sogenannte AAA-Spiele sind größer; bei GTA VI geht man von 150 bis 200 Gigabyte aus. Dazu kommen nicht selten sogenannte Day-One-Patches, die am Tag der Veröffentlichung letzte Probleme beheben. Soll heißen: Die Daten auf der Scheibe sind meistens schon veraltet, bevor das Spiel überhaupt erschienen ist. Drittens: Physische Datenträger sind teuer. Herstellung, Transport, Materialkosten, Zölle, Abgaben an den Handel: All das entfällt bei einem rein digitalen Vertrieb, bei dem die Marge pro verkauftem Exemplar höher liegt. Deshalb sind physische Kopien jetzt teilweise teurer als Downloads. Außerdem könnte sich Sony durch die Entscheidung früher oder später die Blu-ray-Laufwerke in der PlayStation komplett sparen und somit die Hardwarekosten senken – was angesichts der derzeitigen Speicherkrise nicht unerheblich ist.