Datum06.07.2026 17:38
Quellewww.spiegel.de
TLDRDonald Trump soll bei der Fußball-WM die Sperre eines Spielers aufgehoben haben, was Kritik wegen politischer Einflussnahme hervorruft. Parallel dazu verstärkt Trump seinen Konflikt mit Italiens Ministerpräsidentin Meloni. Derweil hat die Bundesregierung den Haushaltsentwurf 2027 verabschiedet, der trotz steigender Verteidigungsausgaben und Kritik von
InhaltTrump greift als Hobby-Schiedsrichter in die Fußball-WM ein und brüskiert danach Italiens Ministerpräsidentin Meloni. Immerhin: Klingbeils Haushaltsentwurf hat er noch nicht kommentiert. Das ist die Lage am Montagabend. Die drei Fragezeichen heute: Bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Herren in den USA dominierte bislang der sportliche Wettkampf. Anfangs wurde befürchtet, das Turnier könnte politisch gekapert werden, zumindest aber instrumentalisiert. Das blieb aus. Bis heute: Der Fall um US-Fußballnationalspieler Folarin Balogun steht exemplarisch für den ersten politischen Skandal bei der WM 2026. Balogun, der nur durch Zufall in den USA geboren wurde und heute womöglich gar kein US-Bürger wäre, darf trotz vorheriger Roter Karte und eigentlicher Sperre kommende Nacht im Achtelfinale gegen Belgien spielen (ab 2 Uhr in der SPIEGEL-Liveanalyse ). US-Präsident Donald Trump persönlich intervenierte offenbar mehrfach bei Fifa-Präsident Gianni Infantino, um die Sperre aufheben zu lassen. Dass sie tatsächlich aufgehoben wurde, löst massive Kritik aus, berichtet mein Kollege Peter Ahrens: Beobachter sehen darin eine klare politische Einflussnahme und Wettbewerbsverzerrung zugunsten des Gastgeberlandes. Vertreter aus Fußball und Politik, darunter Jürgen Klopp, DFB-Präsident Neuendorf und die Uefa, äußerten deutliche Zweifel an der Integrität des Turniers. Selbst Ex-Fifa-Chef Sepp Blatter – selbst kein Säulenheiliger für Gradlinigkeit – warnte vor politischer Einmischung. Der Vorfall beschädigt das Vertrauen in die Fifa, sofern noch vorhanden, erheblich und rückt das Turnier insgesamt in ein fragwürdiges Licht. Historische Beispiele zeigen zwar, dass die Politik schon früher Einfluss nahm. Doch der aktuelle Fall gilt als besonders gravierend, weil er nicht klandestin im Verborgenen stattfand. Fifa-Boss Infantino dient sich schon lange Trump an. Erst im Dezember erfand er eigens für ihn einen Fantasie-Friedenspreis. Nun könnte sich seine Nähe zu Trump womöglich rächen. Im kommenden Jahr will Infantino als Fifa-Präsident wiedergewählt werden. Vielleicht ist er mit dem neuerlichen Gefallen an Trump den einen Schritt zu weit gegangen. Aber sollte er scheitern, kann Trump ja immer noch intervenieren. Wundern würde es niemanden. Lesen Sie hier die Satire von Peter Ahrends: Oh, allmächtiger Trump, so geht Sportförderung Morgen beginnt in Ankara der zweitägige Nato-Gipfel. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hofft auf ein Zeichen der Stärke. Er will "den Geist von Ankara" beschwören. Von dem Treffen solle das Signal ausgehen: "Wir bauen eine europäischere Nato, damit diese Nato transatlantisch bleiben kann". Gut möglich, dass dieser "Geist" aber wieder einmal Donald Trump ist. Nicht nur, dass der US-Präsident die Militärausgaben großer europäischer Verbündeter wie Deutschland, Großbritannien und Frankreich permanent kritisiert und sie "lächerlich" nennt. Dabei waren die Zahlen, auf die Trump sich in seiner Nachricht auf Truth Social vergangene Woche berief, veraltet. Merz musste ihm das in einem Telefonat am vergangenen Freitag erklären. (Hier mehr.) Überhaupt Truth Social: Über sein Handy-Megafon verschärft Trump den Streit mit Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni einen Tag vor ihrem Zusammentreffen weiter. Trump veröffentlichte ein Meme, das Meloni als ihn anhimmelnd darstellt, mit dem Kommentar "Restraining order needed", also nur eine Art einstweilige Verfügung könne ihn vor ihr schützen. Der Konflikt zwischen den beiden Populisten schwelt seit Monaten. Bei all den Nickeligkeiten scheinen die Fortschritte in den Hintergrund zu geraten. Beim letzten Nato-Gipfel in Den Haag vereinbarten die Mitgliedstaaten, künftig mindestens 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung zu investieren. Hinzukommen sollen 1,5 Prozent für verteidigungsrelevante Ausgaben, etwa in die Infrastruktur. Deutschland will das Fünf-Prozent-Ziel schon 2029 erreichen, obwohl die zeitliche Zielmarke der Nato 2035 ist. Aber dann wäre der "Geist" des Gipfels gar nicht mehr Präsident. Das Kabinett hat den Haushaltsentwurf von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) für 2027 mit Ausgaben von rund 555 Milliarden Euro verabschiedet. Wenn er auch so durchs Parlament geht, wird er knapp sechs Prozent höher ausfallen als im Vorjahr. Die Nettokreditaufnahme steigt auf 119 Milliarden Euro und soll bis 2030 auf jährlich 167 Milliarden anwachsen. Belastet wird der Haushalt durch schwache Konjunktur und steigende Arbeitslosigkeit; die Bundesagentur für Arbeit benötigt 5,2 Milliarden Euro Zuschuss. Eine rasche Besserung wird nicht erwartet. Die Verteidigungsausgaben steigen stark auf etwa 110 Milliarden Euro, langfristig sogar auf bis zu 184 Milliarden Euro. Für die Ukraine sind 11,6 Euro Milliarden eingeplant. Viel Geld, aber "man kann sich gegenüber Putin nicht mit der schwarzen Null verteidigen", verteidigte der SPD-Chef am Sonntagabend im ARD-"Sommerinterview" seinen Entwurf. (Hier mehr.) Deutlich gekürzt wird hingegen der Etat des Gesundheitsministeriums. Immerhin schafft das 500-Milliarden-Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz etwas Spielraum. Um es nutzen zu können, sind jedoch bestimmte Investitionsquoten bindend. Kritiker bemängeln, dass am Ende dennoch nur die regulären Haushaltsregeln umgangen werden. Erstaunlich ist die ganz große Koalition der Kritiker. Sie reicht von Wirtschaftsverbänden über Gewerkschaften, Umweltschützern bis hin zur Opposition aus Grünen und AfD. Die einen sprechen von einer gefährlichen Schuldenpolitik, andere von einer massiven sozialen Schieflage, auch "Taschenspielertricks" zählen zu den Vorwürfen, um Einsparungen vorzutäuschen. Ein Trost für die Regierung: Wenn alle meckern, scheint der Haushalt ja doch irgendwie ausgewogen zu sein. Sie sind 15 und bereit, für ein paar Tausend Euro zu töten: In Schweden verüben Minderjährige schwerste Straftaten, beauftragt von mächtigen Banden. Sie sehnen sich nach Anerkennung in einem Staat, der sie mit vielen Problemen alleingelassen hat . Koma beim Moma: Heute Morgen trat die Musikerin Ikkimel, 29, im Morgenmagazin des ZDF auf. Ihr aktuelles Album heißt "Fotze". Sie können sich ausmalen, wie das doch eher saturierte Studiopublikum auf ihre Verse reagierte. Sie gab den Song "Fußballmänner" zum Besten: "Fußballmänner, alles Penner. Bierbauch, Bratwurst, leckerschmecker" und "Lattenkracher, Mertesacker, Tiki-Taka in ’nem Tanga". Das Moderatorenduo schien zu ahnen, wie überfordert die Gäste auf die Sängerin reagieren würden: "Liebe Fußballmänner, nicht beleidigt sein. Das ist Provokation und Kunst und trifft gerade so richtig einen Nerv bei der Gen Z." Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel. Könnten Sie in den Festivalsommer 2026 eintauchen. Mein persönliches Lieblingsfestival ist das Montreux Jazzfestival am Genfer See, das in diesem Jahr sein 60. Jubiläum feiert. Es gibt kaum einen Ort, an dem Setting und Seele so magisch miteinander verschmelzen. Musikerinnen und Musiker aus der ganzen Welt pilgern im Juli in die Schweiz, weil sie wissen, dass dort Auftritte möglich sind, die sie unsterblich machen. Michael-Jackson-Produzent Quincy Jones hatte hier 2019 seinen letzten Auftritt in Europa und nahm sein Publikum mit durch sein ganzes musikalisches Œuvre. Noch einmal konnte man Jacksons ikonisches Album "Thriller" fast in kompletter Länge live hören (hier mehr dazu). Am 3. Juli eröffnete die britische Sängerin Raye mit einem formidablen Orchester das Jubiläumsjahr. Als geheime Überraschungsgäste lud sie Alicia Keys und Mark Ronson ein. Das Auditorium Stravinski wurde komplett umgebaut, um noch mehr Nähe zu den Künstlerinnen und Künstlern zu ermöglichen. Dank des öffentlich-rechtlichen Senders Arte können Sie an diesem denkwürdigen Abend teilhaben: Er zeichnete das zweistündige Konzert auf. Seit heute ist es in der Mediathek abrufbar. Hier finden Sie es. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen und einen schönen Abend. Herzlich Ihr Janko Tietz, Leiter des SPIEGEL-Nachrichtenressorts