Datum06.07.2026 17:38
Quellewww.spiegel.de
TLDRMindestens 26 Menschen starben bei schweren Gefängnisausschreitungen in Negombo, Sri Lanka. Darunter sind 19 Häftlinge und sieben Wärter. Die Polizei vermutet einen Streit zwischen rivalisierenden kriminellen Gruppen, möglicherweise über Drogenhandel, als Auslöser. Während der Unruhen kletterten Frauen aus einer angrenzenden Haftanstalt auf das Dach und forderten ihre Freilassung. Die Sicherheitskräfte brachten die Lage unter Kontrolle. Überbelegung und frühere Menschenrechtsbedenken sind relevante Hintergründe.
InhaltBei den schwersten Ausschreitungen seit fünf Jahren sind in einem Gefängnis in Sri Lanka zahlreiche Menschen ums Leben gekommen, Dutzende wurden verletzt. Die Polizei ermittelt zu den Hintergründen. Bei Gefängnisausschreitungen in der Hafenstadt Negombo in Sri Lanka sind offiziellen Angaben zufolge mindestens 26 Menschen getötet und mehr als 75 Menschen verletzt worden. Unter den Getöteten sind nach Behördenangaben 19 Häftlinge und sieben Gefängniswärter. Die Ausschreitungen in dem Hochsicherheitsgefängnis hatten am Sonntagabend begonnen. Die Polizei geht Medienberichten zufolge davon aus, dass Mitglieder zweier rivalisierender Gruppen aneinandergeraten waren. Nach Berichten des sri-lankischen Nachrichtenportals Newsfirst könnte nach ersten Informationen ein Streit über Drogenhandel Auslöser der Gewalttätigkeiten gewesen sein. Die Gruppen seien im Bereich der Organisierten Kriminalität tätig. Die Sicherheitskräfte hätten die Lage in der Haftanstalt bis zum Montagnachmittag (Ortszeit) unter Kontrolle gebracht. Der Direktor eines nahe gelegenen Krankenhauses teilte mit, einige der Opfer wiesen Schuss- und Schnittwunden sowie schwere Blutergüsse auf. Nach Beginn der Kämpfe waren viele Frauen aus der angrenzenden Frauenhaftanstalt auf das Dach des Gebäudes geklettert und hatten von dort aus ihre Freilassung gefordert. Laut der Polizei stürzte dabei ein Teil des Daches ein, mehrere Frauen wurden verletzt. Nach Angaben der Gefängnisverwaltung versuchten einige Insassen am Montagabend durch das Haupttor zu entkommen, wurden aber aufgehalten. Das Gefängnis in der Küstenstadt Negombo, etwa 35 Kilometer im Norden der Hauptstadt Colombo gelegen, geriet bereits in der Vergangenheit in die Schlagzeilen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte vor Folter durch Mithäftlinge. Medien berichteten immer wieder von Ausschreitungen und Überbelegung. Aktuellen offiziellen Zahlen zufolge sitzen in Sri Lankas Gefängnissen insgesamt 41.250 Menschen ein, was der vierfachen Kapazität der Anstalten entspricht. Zu Weihnachten 2023 gewährte der damalige Präsident Ranil Wickremesinghe mehr als tausend Häftlingen eine Amnestie, nachdem fast 15.000 Personen bei Antidrogeneinsätzen festgenommen wurden.