Ukraine: Mindestens 18 Tote nach russischem Angriff auf Großraum Kyjiw

Datum06.07.2026 14:49

Quellewww.spiegel.de

TLDRMindestens 18 Tote nach schwerem russischem Angriff auf Kyjiw. Die ukrainische Flugabwehr hat laut eigenen Angaben keine einzige von 29 russischen ballistischen Raketen abgefangen. Dies unterstreicht einen gravierenden Mangel an Abfangraketen, beklagt die Ukraine. Präsident Selenskyj fordert beim NATO-Gipfel mehr Unterstützung, insbesondere mit Patriot-Systemen, um die Zivilbevölkerung besser zu schützen. Russland begründet die Angriffe als Vergeltung für ukrainische Attacken auf seine Infrastruktur.

InhaltDie Ukraine kann die heftigen russischen Luftangriffe offenbar immer schwerer abwehren. Bei der jüngsten Angriffswelle auf Kyjiw wurde offenbar keine einzige ballistische Rakete abgefangen. Bürgermeister Klitschko rief einen Trauertag aus. Die ukrainische Flugabwehr kommt angesichts der immer heftigeren russischen Angriffe etwa auf die Hauptstadtregion Kyjiw offenbar zunehmend an ihre Grenzen. Stunden nach dem jüngsten schweren Angriff in der Nacht auf die Region Kyjiw gehen die Behörden inzwischen von mindestens 18 Toten aus. In der Hauptstadt selbst gab es demnach mindestens zwölf Tote. Bürgermeister Vitali Klitschko sprach zudem von mehr als 50 Verletzten. Angesichts der schweren Zerstörungen an Wohngebäuden und der laufenden Bergungsarbeiten könnte die Zahl der Opfer womöglich noch weiter steigen. Hinzu kommen sechs weitere Todesopfer in der Region Kyjiw. Die russischen Angriffe auf die Hauptstadtregion werden damit zunehmend tödlicher. Bereits am vergangenen Donnerstag waren bei einem großangelegten russischen Luftangriff 31 Menschen in Kyjiw getötet worden. Russland bezeichnete die Attacke als Vergeltungsmaßnahme für ukrainische Angriffe etwa auf Raffinerien und Ölinfrastruktur in Russland, die dort zu Versorgungsengpässen mit Kraftstoff geführt hatten. Aus den offenkundigen Lücken in der eigenen Flugabwehr macht auch die ukrainische Luftwaffe kein Geheimnis. Russland habe mit 351 Drohnen und 68 weiteren Flugkörpern angegriffen, hieß es. Von den 29 russischen ballistischen Raketen sei keine einzige abgefangen worden. "Um Raketen abzufangen, brauchen wir die entsprechenden Mittel", sagte Luftwaffensprecher Yurii Ihnat im nationalen Fernsehen. "Die Russen machen sich zweifellos die Tatsache zunutze, dass es derzeit in der Ukraine und weltweit einen gravierenden Mangel an Abfangraketen gibt", so der Sprecher. Auch Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb auf X von einer "unzureichenden Versorgung mit Abfangraketen". Es sei von entscheidender Bedeutung, dass es bei dem bevorstehenden Nato-Gipfel in Ankara starke Beschlüsse gebe, die "unsere Luftverteidigung unterstützen und damit den Schutz des Lebens einfacher Menschen." Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Explizit erwähnte Selenskyj die Unterstützung mit Patriot-Abwehrraketen. Solange sich diese in den Lagern der Verbündeten befänden, werde Russland zu weiteren Angriffen ermutigt. Das bodengestützte, US-amerikanische Patriot-System gilt als äußerst zuverlässig bei der Flugabwehr, die Stückkosten einzelner Abwehrraketen sind jedoch extrem hoch. Zudem gibt es Lieferengpässe. Die Ukraineunterstützung wird auch auf dem bevorstehenden Nato-Gipfel in Ankara eine zentrale Rolle einnehmen. Selenskyj soll dort auch mit US-Präsident Trump zusammentreffen. Anders als Russland setzt die Ukraine bei ihren Gegenangriffen vorrangig auf Drohnen, deren Zerstörungskraft im Vergleich zu ballistischen Raketen allerdings gering ist. Russlands Verteidigungsministerium berichtete von insgesamt 625 ukrainischen Drohnen über russischen Regionen in der Nacht zu Montag; von diesen seien 613 abgefangen oder abgeschossen worden. Die Ukraine meldete indes Treffer gegen zwei Schiffe der russischen Schattenflotte im Asowschen Meer. Die Schiffe hätten jeweils rund 7000 Tonnen Treibstoff geladen und diesen auf die von Russland besetzte Krim transportieren wollen, hieß es. Die Angaben beider Seiten ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.